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Wie geht es in Kommunen und Netzwerken mit den Angeboten Früher Hilfen in Zeiten von Corona und danach weiter?

Welche neuen Angebotsformate und Ideen werden auch zukünftig genutzt? Was brauchen Kommunen, Träger und Netzwerke Frühe Hilfen, um neue digitale und hybride Formate weiterentwickeln zu können? Was hat sich in der Zusammenarbeit im Netzwerk Frühe Hilfen bewährt und wo sind Verbesserungen nötig?

Diese Leitfragen führten durch das von Astrid Königstein und Rebecca Maier (NZFH, BZgA) moderierte Seminar.

Gleich zu Beginn machte eine Umfrage deutlich, das mit 89 Prozent die große Mehrheit der Teilnehmenden bereits Online-Formate in ihrer Arbeit mit Familien nutzen.

Im Einzelnen wurden laut Umfrage mit Abstand am meisten Telefonsprechstunden (74 Prozent) durchgeführt, gefolgt von Video-Telefonaten und Online-Kursen (42 Prozent). Etwa ein Drittel gab an Social-Media-Kanäle zu nutzen, gut ein Viertel Messenger-Dienste. Auch Internet-Plattformen und digitale Treffen wie Online-Mütter-Cafés oder gemeinsame Essen per Videokonferenz wurden als Beispiele für digitale Formate genannt.

Praxisbeispiele

Drei Beispiele aus der Praxis zeigten, wie Akteure auf unterschiedlichen Ebenen auf Herausforderungen und Bedingungen durch die Corona-Pandemie reagierten, um Eltern mit angepassten und neuen Formaten zu erreichen.

Ina Woelk, Abteilung Jugend und Familienförderung der Stadt Gelsenkirchen

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Diskussion und Ausblick

Am Ende der Veranstaltung wurde den Teilnehmenden Raum gegeben, um von Erfahrungen zu berichten, sich auszutauschen und zu diskutieren. Einzelne Fragen und Aspekte waren dabei zentral:

Wie können Netzwerke Frühe Hilfen Eltern in besonders schwierigen Lebenslagen erreichen?

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass in den vergangenen Monaten sicherlich auch viele Familien keine Hilfe erfahren hätten. "Da brauchen wir nichts schönreden", sagte eine Fachkraft.

Grund dafür sei insbesondere, dass Familien, die in besonders prekären Verhältnissen leben, auch durch digitale Formate nur schwer erreicht werden könnten. Die neu entwickelten und genutzten Online-Formate erreichten vor allem Eltern in nicht so hochbelasteten Lebenslagen. Gerade für mehrfach belastete Familien, die vielleicht auch nur über geringe oder keine Deutschkenntnisse verfügen oder keinen Zugang zum Internet haben, sei der persönliche Kontakt weiterhin essenziell.

Ideen, wie sich trotz der Corona-bedingten Einschränkungen ein persönlicher Kontakt herstellen lasse, seien hier gefragt. Als Beispiel wurden die Eltern-Pakete des Familienbüros in Gelsenkirchen angeführt. Sind der persönliche Kontakt und auch das Vertrauen erst einmal aufgebaut, sei es deutlich einfacher, die Eltern an Online-Formate heranzuführen.

Nicht vergessen werden dürften auch Eltern von Kindern, die während der Corona-Pandemie geboren wurden. Diese seien bisher oft noch gar nicht erreicht worden. "Wir haben eine Generation von Eltern verloren." Eine nachträgliche Kontaktaufnahme sei hier dringend geboten.

Um Eltern niedrigschwellig zu erreichen, wurde als weiterer Aspekt genannt, möglichst kurze, einmalige, themenbezogene Veranstaltungen anstelle von Kursreihen anzubieten.

Was brauchen Netzwerke und Anbieter, um neue Formate weiterzuentwickeln?

Auf die Frage, was die einzelnen Anbieter bräuchten, um neue Formate zu entwickeln, wurde vor allem auf ein stabiles und zuverlässiges Netzwerk – auch überregional – verwiesen sowie die Eigeninitiative der Fachkräfte: Engagierte Fachkräfte, die kreative Vorschläge einbringen und "bereit sind die Ärmel hochzukrempeln", seien unverzichtbar.

Zudem wurde hervorgehoben, dass es einer guten technischen Ausstattung bedürfe, um digitale und hybride Formate anzubieten. Und auch Fachkräfte müssten entsprechend geschult werden.

Außerdem sei die Nutzung von Tools und Plattformen zur Bewerbung der Angebote, etwa eigene Social-Media-Kanäle, wichtig zu bedenken und weiterzuentwickeln. Hier sei darauf zu achten, sich dort zu bewegen, wo Eltern tatsächlich anzutreffen sind.

Hilfreich wären für Netzwerke und Kommunen auch mehr überregionale Angebote in der Art wie drk-elterncampus.de, die über die Länder/Landeskoordinierungsstellen zur Verfügung gestellt würden und regional spezifiziert, befüllt und genutzt werden könnten.

Welche Formate werden zum Netzwerk-internen Austausch der Fachkräfte genutzt?

Eine weitere Umfrage vermittelte einen Eindruck, wie relevant neue Formate für den Austausch innerhalb der Netzwerke Frühe Hilfen sind:

Danach nutzen mit 87 Prozent ähnlich viele neue Formate zum Austausch in den Netzwerken Frühe Hilfen wie auch in der eingangs erfragten Arbeit mit Familien. Zum Einsatz kommen Video-Konferenzen und Online-Veranstaltungen.

Abschließend fasste Astrid Königstein zusammen, dass sich neue Formate in der Zusammenarbeit mit Eltern im letzten Jahr etabliert hätten. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigten, dass Online- und Hybrid-Angebote eine sinnvolle Ergänzung bestehender analoger Angebote darstellen. Ablösen sollten sie diese jedoch nicht: Der persönliche Kontakt bleibe unverzichtbar – und das nicht nur für die Schaffung eines Vertrauensverhältnisses. Viele Familien in belasteten Lebenssituationen hätten schlichtweg keinen Zugang zum Internet oder verfügten nicht über die notwendige Technikaffinität.

Die Zielgruppe zu kennen und sie dort abzuholen, wo sie sich bewegt, sei ohnehin elementar. Beispielsweise erreiche man über eigene Social-Media-Kanäle in der Regel mehr Familien als über die allgemeinen Plattformen der Kommunen. Das gelte es bei der Bewerbung der Angebote zu berücksichtigen.

Auch der Schulungsbedarf sei in der Veranstaltung deutlich geworden. Die Fachkräfte müssten "an die Hand genommen" und bei der Umsetzung neuer Formate unterstützt werden. Denn es sei davon auszugehen, dass auch nach der Krise sowohl digitale als auch analoge Angebote wichtige Rollen für die Arbeit der Netzwerke Frühe Hilfen spielen.