Kinder psychisch kranker Eltern
Wenn Eltern an einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung leiden, belastet diese nicht nur die Eltern. Auch ihre Kinder sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Fachkräfte in den Frühen Hilfen können Familien frühzeitig in weiterführende Hilfen vermitteln.
Die Belastungen in Familien aufgrund einer elterlichen psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung können vielfältig sein: Neben unmittelbaren, krankheitsbedingten Belastungen, wie Beeinträchtigungen in der Kinderbetreuung und im Erziehungsverhalten, kommen häufig weitere Faktoren hinzu, wie Konflikte der Eltern oder geringe Unterstützung im sozialen Umfeld.
Insbesondere in den ersten drei Lebensjahren können sich psychische und Sucht-Erkrankungen der Eltern negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken. Gelingen das Erkennen der elterlichen Erkrankung und eine bedarfsgerechte Unterstützung der Eltern und Kinder, erhöhen sich auch die Chancen der Kinder auf ein gesundes Aufwachsen.

Beiträge für Eltern
Auf der Website elternsein.info klärt das NZFH über peripartale Depressionen auf und ermutigt Betroffene, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu holen:
Bedeutung für die Frühen Hilfen
Fachkräfte der Frühen Hilfen können die erste Ansprechperson für betroffene Familien sein und als Brücke zu weiterführenden Angeboten dienen. Dafür benötigen sie die Fähigkeit, eventuellen Hilfebedarf in Familien frühzeitig zu erkennen, sowie das Wissen über geeignete weiterführende Hilfsangebote zur interdisziplinären Versorgung der Kinder und Familien.
Erkenntnisse aus der NZFH-Forschung
Mehrere Studien des NZFH liefern Erkenntnisse über Auswirkungen elterlicher psychischer Erkrankungen zur Wahrnehmung von Belastungslagen und zu Unterstützungsbedarfen.
Die repräsentative NZFH-Studie KiD 0-3 2022 hat gezeigt, dass Kinder, die in einem Familienumfeld mit psychisch belastetem Elternteil aufwachsen, von Kinderärztinnen und Kinderärzten häufiger als nicht altersgerecht entwickelt eingeschätzt werden als Kinder aus Familien, die psychisch nicht belastet sind.
Weitere Informationen:
Die Erreichbarkeitsstudie und das ZuFa-Monitoring zeigen übereinstimmend, dass Eltern mit Anzeichen einer psychischen Erkrankung aus Sicht der Mütter und aus ärztlicher Sicht erhöhte elterliche Belastungen und Einschränkungen in den Bereichen Elternkompetenzen, Wahrnehmung der kindlichen Bedürfnisse und Impulsivität aufweisen.
Weitere Informationen:
- Faktenblatt: Gesundheitsfachkräfte in den Frühen Hilfen: Möglichkeiten und Grenzen des professionellen Handelns (pdf/879 KB)
- Erreichbarkeitsstudie zur Inanspruchnahme Früher Hilfen
- Zusammen für Familien (ZuFa-Monitoring): Gesundheit und Frühe Hilfen
- van Staa, Juliane / Renner, Ilona (2022): Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf die Elternrolle
Ergebnisse des ZuFa-Monitorings zeigen, dass Fachkräfte der Frühen Hilfen, wie Familienhebammen, FGKiKP, gynäkologische und pädiatrische Fachkräfte, Belastungslagen frühzeitig wahrnehmen können, erste Ansprechperson für betroffene Familien sind und als Brücke zu weiterführenden Angeboten fungieren:
Fast alle befragten Fachkräfte (jeweils über 90 Prozent), Gynäkologinnen und Gynäkologen, Pädiaterinnen und Pädiater sowie Mitarbeitende in Geburtskliniken, geben an, Anzeichen für eine psychische Erkrankung im Rahmen der Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchungen sowie rund um die Geburt prinzipiell wahrnehmen zu können.
Weitere Informationen:
Eine Befragung von Fachkräften in der Längerfristigen aufsuchenden Beratung und Begleitung (LaB) von Familien zeigt, dass Themen rund um die psychischen Belastungen und Erkrankungen einen hohen Stellenwert in der Beratung einnehmen. In der "FiFH-Studie", Familie in den Frühen Hilfen, wurden Fachkräfte nach familialem Hilfebedarf und geleisteter Unterstützung gefragt. Über 40 Prozent geben als Antwort "psychische Gesundheit der Hauptbezugsperson" an.
Weitere Informationen:
Unterstützung des NZFH
Auf der Lernplattform Frühe Hilfen beschäftigt sich ein Online-Kurs mit dem Thema. Fachkräfte können ihn kostenlos zum Selbststudium nutzen.
Als Mitglied im Bündnis KipsFam setzt sich das NZFH gemeinsam mit den anderen Bündnismitgliedern für eine gesetzliche Regelung ein, die flächendeckend systemübergreifende, familienorientierte Unterstützungsangebote für betroffene Kinder ermöglicht.
Mit der Tagungsreihe Kleine Heldinnen in Not fördert das NZFH den Austausch von Forschung, Praxis und Betroffenen. Als Kooperationspartner des veranstaltenden Dachverbandes Gemeindespsychiatrie bringt das NZFH die Perspektive der Frühen Hilfen ein. Ergebnisse der Fachveranstaltung fließen in die Arbeit des NZFH mit ein.
- Bei zwei Anhörungen im Familienausschuss im Jahr 2024 ging es um präventive Unterstützung von Kindern suchtkranker oder psychisch erkrankter Eltern. Mehrere Sachverständige, darunter Mitlieder des Beirats der Bundesstiftung und des NZFH, haben Stellung bezogen und dabei mehr finanzielle Mittel und eine Anhebung der Altersgrenze für Frühe Hilfen begründet.
Publikationen
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Hoffmann, Till (2024): Wie Kinder psychisch kranker Eltern von "Frühen Hilfen" profitieren
In: NeuroTransmitter Ausgabe 06/2024
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van Staa, Juliane / Renner, Ilona (2022): Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf die Elternrolle
In: Psychotherapeut, volume 67 (2022), pages 4–12
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In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie
Weitere Informationen auf fruehehilfen.de
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Kinder psychisch kranker Eltern – Interdisziplinäre Versorgung aus der Sicht der Frühen Hilfen
Ein Fachbeitrag von Prof. Dr. Albert Lenz




