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Pädiatrie und Frühe Hilfen

Kinderärztinnen und Kinderärzte können psychosoziale Belastungen und Probleme von Familien wahrnehmen und Eltern über unterstützende Angebote der Frühen Hilfen beraten. Pädiatrische Praxen gehören daher zu den wichtigsten Kooperationspartnern in den Frühen Hilfen.

Insbesondere über die Früherkennungsuntersuchungen, die nahezu alle Familien in Anspruch nehmen, haben niedergelassene Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte früh und über einen längeren Zeitraum Kontakt zu Familien. Im Rahmen der U-Untersuchungen bekommen sie in der Regel einen Eindruck von der familiären Situation und der Eltern-Kind-Interaktion. Das häufig vertrauensvolle Verhältnis zu den Eltern ermöglicht es ihnen, auch über psychosoziale Probleme und Fragen zu sprechen und Eltern bei Bedarf über Angebote Früher Hilfen zu informieren.

Erkenntnisse aus der NZFH-Forschung

In der bundesweiten Repräsentativbefragung Kinder in Deutschland 0-3 (KiD 0-3 2022) hat das NZFH psychosoziale Belastungslagen und Ressourcen von Familien untersucht. Die Studie wurde in Kooperation mit kinder- und jugendärztlichen Praxen durchgeführt, um ergänzend zu den Angaben der Eltern eine pädiatrische Einschätzung zum kindlichen Gesundheitsstatus und Entwicklungsstand zu erhalten.

Die regelmäßigen NZFH-Kommunalbefragungen liefern Daten über Netzwerk-Strukturen und Kooperationen in den Kommunen und fließen auch in das Monitoring Frühe Hilfen ein, die Daten zum Stand der Frühen Hilfen.

Aus dem ZuFa-Monitoring Pädiatrie 2017 liegen Erkenntnisse zum Umgang von Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten mit psychosozial belasteten Familien vor, zur Kooperation mit den Frühen Hilfen sowie zu Hürden der Zusammenarbeit.

Zudem hat das NZFH die Wirkung von Interprofessionellen Qualitätszirkeln Frühe Hilfen (IQZ) evaluiert, einem Instrument zur Vernetzung von Fachkräften aus dem Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Studienergebnisse von KiD 0-3 2022 zeigen, dass die große Mehrheit der Säuglinge und Kleinkinder in Deutschland einen "sehr guten" Gesundheitszustand aufweisen (78 Prozent). Dabei sind die Chancen auf ein gesundes und entwicklungsförderliches Aufwachsen ungleich verteilt. So ist der Anteil der Kinder mit sehr gutem Gesundheitszustand in Familien, die von Armut betroffen sind, deutlich geringer.

Die repräsentative Studie ZuFa-Monitoring Pädiatrie 2017 des NZFH zeigt, dass niedergelassene Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte familiäre Belastungen grundsätzlich wahrnehmen können.

Konkret nahmen Pädiaterinnen und Pädiater am häufigsten die folgenden Belastungen wahr: 

  • Hinweise auf niedrigen Bildungsstand: bei 17,2 Prozent der Eltern
  • Mutter oder Vater erzieht das Kind alleine: bei 16,9 Prozent der Eltern
  • Verständigungsschwierigkeiten: geringe Deutschkenntnisse: bei 14,3 Prozent der Eltern
  • Bedeutsame Belastungen für gesunde Entwicklung des Kindes: bei 13,8 Prozent der Eltern
  • Anzeichen für starke Erschöpfung: bei 12,7 Prozent der Eltern

Bei 14 Prozent der Eltern nahmen die Kinderärztinnen und Kinderärzte eine psychosoziale Gesamtbelastung wahr, die bedeutsam für die gesunde weitere Entwicklung des Kindes ist. 

Die Zusammenarbeit von kinderärztlichen Praxen und den Frühen Hilfen ist laut Kommunalbefragungen seit dem Jahr 2013 deutlich gestiegen. Im Jahr 2013 war in zwei Drittel der Kommunen mindestens eine kinderärztliche Praxis als Kooperationspartner in die fallübergreifende Netzwerkarbeit eingebunden. Im Jahr 2020 war das laut Kommunen in 85 Prozent der Fall, im Jahr 2024 in 80 Prozent.

Die repräsentative Studie ZuFa-Monitoring Pädiatrie 2017 des NZFH zeigt zudem, dass die große Mehrheit niedergelassener Kinderärztinnen und Kinderärzte Frühe Hilfen als hilfreich und entlastend beurteilen. Obwohl kommunale Angebote häufig bekannt sind, gelingt die Zusammenarbeit aber noch nicht systematisch und ausreichend. Insbesondere äußere Rahmenbedingungen, wie fehlende Zeit und keine angemessene Vergütung, sowie Probleme in der intersektoralen Zusammenarbeit der kinderärztlichen Praxen und Kinder- und Jugendhilfe stellen Hürden der Kooperation dar.

Das NZFH hat die Wirkung von Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen (IQZ) als Teil der PATH-Intervention (Pediatric Attention To Help) in Baden-Württemberg evaluiert: Die Teilnahme an IQZ und speziellen ärztlichen Schulungen führen nachweislich dazu, dass Ärztinnen und Ärzte belastete Familien besser erkennen. Die Pädiaterinnen und Pädiater informieren aktiver über passende Angebote und können Familien besser in Frühen Hilfen überleiten. 

Systematische Vernetzung durch IQZ

Die Interprofessionellen Qualitätszirkel Frühe Hilfen (IQZ) stellen eine wirksame Möglichkeit zur Vernetzung von Frühen Hilfen und niedergelassenen Pädiaterinnen und Pädiatern sowie weiteren Fachkräften aus dem Gesundheitswesen dar. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestätigt die Evaluationsergebnisse des NZFH. In einem Projektpapier und mit Antworten auf häufige Fragen informiert das NZFH über das Vernetzungsprojekt.

Expertise aus der Praxis

Um die Vernetzung von Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten mit den Frühen Hilfen zu verbessern, sind der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) im Beirat der Bundesstiftung Frühe Hilfen und des NZFH vertreten.

Materialien für die kinderärztliche Praxis

Diese und weitere Materialien des NZFH sind auch über die  Publikationen-Suche zu finden. Mit Filtermöglichkeiten wie beispielsweise Herausgeber, Themenbereich oder Medium können Materialien gezielt gesucht, heruntergeladen oder bestellt werden.

Frühe Hilfen für Eltern erklärt

Auf elternsein.info, der Website des NZFH für Schwangere und Eltern von Kleinkindern, informiert das NZFH einfach und gut verständlich darüber, was Frühe Hilfen sind und wie Ansprechpersonen und Unterstützungsangebote gefunden werden.