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Der Wert von Frühen Hilfen muss sichtbar sein

Das NZFH hat die Netzwerke Frühe Hilfen in Sachsen-Anhalt in zwei Workshops zur Markenkommunikation beraten. Die Netzwerkkoordinatorinnen Denise Eckstein-Bunk und Stephanie Hauk berichten, wie sie die Marke Frühe Hilfen im Salzlandkreis und im Landkreis Anhalt-Bitterfeld umsetzen.

Eine Kurzfassung des Berichts ist in Ausgabe 2/2026 erschienen.

Wie setzen Sie die Markenkommunikation um? Welche Pläne haben Sie? Welche Materialien des NZFH kommen dabei zum Einsatz?

Denise Eckstein-Bunk: Im ersten Schritt werden wir vor allem den Stempel einsetzen. Er ist bereits auf unserem neugestalteten Beutel des Willkommensbesuchdienstes zu sehen. Wir werden den Stempel künftig noch stärker einbinden. Im Jahr 2025 haben wir verschiedene Angebote für den ländlichen Raum entwickelt und erprobt, die wir nun weiter ausbauen. Familien, die den Stempel bereits vom Willkommensbesuch kennen, begegnen ihm auch bei diesen Angeboten wieder. So schaffen wir ganz niedrigschwellig einen Wiedererkennungswert für die Frühen Hilfen und für die Maßnahmen, die wir unterstützen und fördern. In einem zweiten Schritt werden wir die Marke Frühe Hilfen auf unserer Homepage vorstellen.

Stephanie Hauk: Als ich übergangsweise die Koordination der Frühen Hilfen übernommen habe, ist mir aufgefallen, dass viele Netzwerkpartnerinnen und -partner die Aufgaben der Familienhebammen und Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen (FGKiKP) nicht eindeutig zuordnen können. Deshalb habe ich im Sommer 2025 einen Informationsflyer zu den Frühen Hilfen neu gestaltet. Parallel entwickelte das NZFH die Markenkommunikation. Das war für mich der richtige Zeitpunkt, um mit den Fachkräften vor Ort ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, welche Angebote zu den Frühen Hilfen gehören. Inzwischen überarbeiten die ersten Träger ihre Flyer und orientieren sich dabei am Design unserer Koordinierungsstelle in Kombination mit dem Stempel der Frühen Hilfen. Unser Ziel ist, dass sich immer mehr Akteurinnen und Akteure als Teil der Frühen Hilfen verstehen und den Stempel sowie weitere Materialien, etwa die Plakate, einsetzen. Inzwischen haben wir auch eine Beachflag. Die Plakatmotive des NZFH werden wir anpassen und kombinieren sie mit dem Design unseres Landkreises. Aus unserer Sicht sprechen die Claims zu den Frühen Hilfen Familien sehr niedrigschwellig an. Aktuell etablieren wir Müttersprechstunden als neues Angebot. Dafür passen das Motiv und der Claim "Frühe Hilfen. Für ein offenes Ohr." sehr gut.

Denise Eckstein-Bunk: Die Claims sind auch für uns im Landkreis interessant, beispielsweise für unseren neuen Flyer für die Familienhebammen. Ende dieses Jahres oder Anfang 2027 wird es vielleicht auch neue Plakate geben. Es sind bei uns ebenfalls Müttersprechstunden geplant, für die wir momentan eine Beachflag entwickeln.

Was erhoffen Sie sich von der Markenkommunikation für die Frühen Hilfen in Ihrem Landkreis?

Denise Eckstein-Bunk: In Zeiten der Digitalisierung werden die Familien überschwemmt mit Informationen. Selbst uns Fachkräften fällt es manchmal schwer, seriöse Angebote zu erkennen. Die Marke Frühe Hilfen ermöglicht eine bundesweite Identifikation. Sie schafft Vertrauen, sorgt für Wiedererkennung und steht gerade in unsicheren Zeiten für Stabilität und erprobte Qualität. Wir kombinieren bewusst, die Farben des NZFH mit dem Logo unseres Netzwerkes vor Ort. Außerdem haben wir bereits vor Jahren ein eigenes Netzwerklogo für die Frühen Hilfen entwickelt, um uns auch optisch klar abzuheben und sichtbar zu machen, dass das Netzwerk zwar zum Salzlandkreis gehört, aber nicht Teil der Fachdienststruktur der Behörde ist.

Stephanie Hauk: Auch bei uns im Landkreis werden die Frühen Hilfen nicht ausreichend wahrgenommen. Viele engagieren sich seit Jahren mit großem Einsatz, häufig fehlen jedoch die Ressourcen, etwa für die Öffentlichkeitsarbeit. Der Stempel ist für mich auch ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit vor Ort. Gleichzeitig heben die Plakate die Frühen Hilfen hervor und zeigen: Frühe Hilfen können ganz viel sein. Dazu gehören Familienhebammen, Willkommensbesuche, aber auch das Müttercafé oder die Sozialarbeit in der Kita. Wenn die Botschaften über den eigenen Landkreis hinaus wiedererkannt werden, ist das ein Gewinn. Vielleicht kann es auch eine Aufforderung für andere Kommunen sein, ebenfalls (weitere) Angebote in den Frühen Hilfen zu entwickeln.

Denise Eckstein-Bunk: Zu Beginn meiner Tätigkeit als Netzwerkkoordinierende im Jahr 2023 habe ich mich selbst gefragt, welche Aufgaben dazugehören und wie die Arbeit unserer Koordinierungsstelle sichtbar werden kann. Die Materialien und der Workshop des NZFH zur Öffentlichkeitsarbeit kamen genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin dankbar, dass wir auf etwas zurückgreifen können, das von Fachpersonen entwickelt wurde.

Stephanie Hauk: Die Materialien und Anleitungen für die Markenkommunikation des NZFH sind spürbar professionell erstellt. Es wurde an alles gedacht und sie lassen sich einfach umsetzen.

Mit welchen Herausforderungen geht die Umsetzung der Markenkommunikation einher? Gibt es bei Ihnen vor Ort Besonderheiten, die Sie beachten müssen?

Denise Eckstein-Bunk: Wir sind ein Flächenlandkreis. Deshalb wird es Zeit brauchen, bis wir alle erreicht haben. Wir werden in kleinen Schritten vorgehen, damit sich die Akteurinnen und Akteure mit der Marke identifizieren können. Beginnen werden wir mit den Angeboten, die wir fördern. Zunächst werden wir daher nur punktuell besser sichtbar sein, aber langfristig werden wir die Kommunikation und Wahrnehmung nachhaltig ändern. Wenn es Gestaltungsvorgaben durch die Kommunen gibt, besprechen wir diese offen. Eine Herausforderung ist die Kommunikation über Social Media. Die Koordinierungsstelle hat momentan keine eigenen Social-Media-Kanäle. Außerdem fehlen uns die personellen Ressourcen, um beispielsweise Instagram zu bedienen. Vielleicht ist zu einem späteren Zeitpunkt eine Berichterstattung über die Frühen Hilfen über die offiziellen Kanäle der Landkreise möglich. Wir müssen aber auch nicht alles auf einmal umsetzen. Erst einmal bauen wir ein solides Grundgerüst für die Markenkommunikation auf und nutzen klassische Kanäle. Beispielsweise können wir Anzeigen in kostenlosen Anzeigenblättern und Wochenzeitungen schalten oder Plakate an Bushaltestellen und in Geschäften anbringen.

Stephanie Hauk: Wir müssen uns bei der Gestaltung unserer Materialien zwar an den Vorgaben des Landkreises orientieren, sind aber aufgrund der etwas anderen Finanzierung der Frühen Hilfen ein wenig freier in der Umsetzung. Entscheidend ist für uns der Wiedererkennungswert. Hinzu kommt, dass auch wir ein Flächenlandkreis sind. Zusätzlich gab es bei uns einige Personalwechsel. Daher müssen wir erst einmal das Selbstverständnis schärfen, wer zu den Frühen Hilfen gehört. Gleichzeitig möchten wir die Akteurinnen und Akteure motivieren, sich als Frühe Hilfen zu verstehen. Es geht daher auch darum, ein Gruppengefühl aufzubauen. Um Eltern zu erreichen, sind Plakate im öffentlichen Raum eine gute Möglichkeit, weil sie sehr nah an den Menschen sind. Gut vorstellen kann ich mir beispielsweise Plakate im öffentlichen Personennahverkehr – auch überregional.
Haben Sie Tipps, worauf andere Netzwerkkoordinationen bei der Markenkommunikation achten sollten?

Denise Eckstein-Bunk: Die Unterstützung durch das NZFH ist sehr hilfreich, und zwar nicht nur die Leitfäden. Wir haben uns mit individuellen Fragen an das NZFH gewandt und hilfreiche Rückmeldungen erhalten. Niemand muss alles allein ausprobieren. Beim NZFH gibt es Ansprechpersonen, die bei der Umsetzung unterstützen. In Sachsen-Anhalt hat die Landeskoordinierungsstelle zudem einen Workshop zur Öffentlichkeitsarbeit für alle Netzwerkkoordinierenden durchgeführt. Es hilft einfach, wenn alle Netzwerkkoordinierenden, wissen, worüber sie sprechen. Die Markenkommunikation überregional zu denken, ist sicher auch für andere Bundesländer empfehlenswert.

Stephanie Hauk: Der Workshop des NZFH zur Markenkommunikation war sehr hilfreich, besonders der offene Umgang mit Rückmeldungen. Das Angebot, die Plakate und den Stempel für lokale Angebote zu nutzen, sollte im Gespräch mit Trägern der Frühen Hilfen immer eine Einladung sein und keine Forderung. Es muss auch klar kommuniziert werden, dass die Nutzung der Materialien oder des Stempels nicht automatisch mit einer finanziellen Förderung verbunden ist. Man kann sich auch trauen, individuelle Lösungen zu finden, z. B. bei der Gestaltung andere Farben verwenden.

Was ist für Sie noch wichtig?

Stephanie Hauk: Wir alle sollten uns Frühe Hilfen gönnen und die Möglichkeit haben, sie zu nutzen. Die Frühen Hilfen sind wertvoll – und dieser Wert muss auch sichtbar sein. Öffentlichkeitsarbeit kann dazu beitragen.

Denise Eckstein-Bunk: In Deutschland können wir Kindern von Anfang an Frühe Hilfen mitgeben. Das ist etwas Besonderes. Wir alle sollten dafür kämpfen, dieses Angebot zu erhalten und weiter auszubauen.

FRÜHE HILFEN aktuell

Ausgabe 2/2026:

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