Mediennutzung in der Familie

Die Mediennutzung in Familien hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Das NZFH informiert hier über aktuelle Forschung, Empfehlungen und die Bedeutung für die Frühen Hilfen.
Digitale Endgeräte wie Smartphones oder Tablets sind in Familien mittlerweile allgegenwärtig und prägen längst auch alle anderen Bereiche des Lebens. Die Medienausstattung in Familien ist in den letzten Jahren gestiegen, ebenso der persönliche Zugang von Kindern zu digitalen Geräten. Babys und Kleinkinder beobachten ihre Eltern und Bezugspersonen von klein auf, wie sie Medien nutzen. Zudem machen viele bereits in ihren ersten Lebensjahren auch selbst Erfahrungen mit digitalen Endgeräten. Damit verbunden sind Risiken für die kindliche Entwicklung.
Erkenntnisse aus der Forschung zur Mediennutzung in Familien
Verschiedene Studien und Veröffentlichungen liefern Informationen über die Medienausstattung und Mediennutzung in Familien sowie über die Auswirkungen von Medien auf die kindliche Entwicklung.
Hier sind zentrale Erkenntnisse zusammengetragen:
Nahezu alle Familien mit Kindern zwischen zwei und fünf Jahren verfügen über Internet- und/oder WLAN-Anschluss (98 Prozent) und hatten ein Handy oder Smartphone (95 Prozent). Die Daten beruhen auf Angaben der Haupterziehenden (miniKIM 2023).
- 21 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen verfügen über einen eigenen Kinder-Computer oder einen Laptop speziell für Kinder, etwa 13 Prozent über ein Tablet (miniKIM 2023).
- Jeweils rund 10 Prozent haben zur eigenen Verfügung: Fernsehgerät, Smart TV, Streaming-Abo, CD-/MP3-/Kassetten-Player oder iPod.
- Acht Prozent der Zwei- bis Dreijährigen hatten im Jahr 2023 ein eigenes Handy/Smartphone.
- Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Zwei- bis Dreijährigen verfügt über kein digitales Gerät.
Bei den älteren Kindern (4 bis 5 Jahre) ist die persönliche Verfügbarkeit für alle erfragten Medien höher. Deutlich erhöht ist die persönliche Verfügbarkeit eines Tablets (28 Prozent) und einer Spielekonsole (10 Prozent bei den Vier- bis Fünfjährigen gegenüber 2 Prozent bei Zwei- bis Dreijährigen).
Die zugrundeliegende Frage in der miniKIM 2023 erfragte, welche Geräte Kinder zur eigenen Verfügung haben.
- 18 Prozent der Kinder unter einem Jahr nutzen digitale Medien, 61 Prozent der Einjährigen und 91 Prozent der Zweijährigen (Paulus u.a. 2024).
- Auch die Nutzungsdauer steigt stark mit dem Alter des Kindes an: von durchschnittlich rund sieben Minuten Bildschirmzeit pro Tag im ersten Lebensjahr auf rund 30 Minuten im vierten Lebensjahr.
Die Daten liefert eine Studie der Uniklinik Saarland und der Technischen Uni München, die Eltern von über 3.000 Kindern im Alter von null bis drei Jahre zur Mediennutzung in der Familie befragt hat.
- 10 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen nutzen jeden oder fast jeden Tag ein Handy oder Smartphone, 13 Prozent mehrmals in der Woche, 23 Prozent seltener (miniKIM 2023).
- 52 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen nutzen nie ein Handy oder Smartphone.
Familiäre Faktoren wie die Mediennutzungszeit der Eltern, problematische Internetnutzung der Eltern und ein niedriger Schulabschluss der Eltern wirken sich deutlich auf die Mediennutzung durch Kleinkinder aus (Paulus u.a. 2024).
Bei Kindern von null bis drei Jahren ist einer der stärksten Prädiktoren für frühe Mediennutzung des Kindes die elterliche Bildschirmnutzung.
- 44,8 Prozent der Null- bis Vierjährigen dürfen digitale Medien nutzen, wenn die Eltern keine Zeit haben.
- 37,6 Prozent der Eltern geben als Anlass zur Mediennutzung an, das Kind zu beschäftigen oder zu beruhigen.
- 28 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder nutzen digitale Medien vor dem Schlafengehen.
- 6 Prozent dürfen digitale Medien bei den Mahlzeiten nutzen (Paulus u.a. 2024).
Im ersten Lebensjahr dominiert die Beruhigungs-/Beschäftigungsfunktion (52,3 Prozent), im Alter von drei bis vier Jahren dagegen die Zeitnot der Eltern (58,7 Prozent).
Auch die miniKIM-Studie 2023 bestätigt, dass digitale Medien häufig zur Beruhigung und Beschäftigung eingesetzt werden: 25 Prozent der Erziehungsberechtigen von zwei- bis fünfjährigen Kindern stimmten der Aussage "Vieles kann ich nur erledigen, wenn ich meinem Kind das Smartphone zur Beschäftigung geben" ganz oder eher zu.
- (Bilder-)bücher würden Kinder bis fünf Jahre am meisten vermissen. 27 Prozent der befragten Eltern sagten, dass ihr Kind darauf am wenigsten verzichten könne (miniKIM 2023). 19 Prozent könnten am wenigsten auf das Fernsehen verzichten.
- Wenn Kinder selbst ein Medium zur Beschäftigung wählen können, würden 27 Prozent ein Buch anschauen/lesen/vorgelesen bekommen (bei den Zwei- bis Dreijährigen 36 Prozent, bei den Vier- bis Fünfjährigen 17 Prozent). 24 Prozent würden eine Sendung über kostenpflichtige Streamingdienste sehen (miniKIM 2023), 12 Prozent auf kostenfreien Videoportalen und 5 Prozent im klassischen Fernsehen. 11 Prozent würden Hörspiele, Hörbücher oder Podcasts hören.
- Fast alle Medien nutzen Zwei- bis Fünfjährige "überwiegend gemeinsam" mit den Eltern (miniKIM 2023).
- Smartphones und Bücher wurden am häufigsten gemeinsam mit den Eltern/einem Elternteil genutzt (60 Prozent).
- Die Medien, die Kinder am häufigsten "eher allein" nutzen, sind Hörspiele, Hörbücher oder Podcasts (41 Prozent)
Die zugrundeliegende Frage lautete, inwiefern die Mediennutzung der Zwei- bis Fünfjährigen eher allein, gemeinsam mit den Eltern oder zu gleichen Teilen allein und gemeinsam stattfindet. Die Ergebnisse beziehen sich auf zumindest gelegentlich genutzte Medien.
Die Mehrheit der befragten Eltern sieht die Mediennutzung von Kindern eher kritisch: 88 Prozent sagen, dass Smartphones für Kinder viele Gefahren bergen (miniKIM 2023). Vielen Eltern fehlt aber trotzdem das Wissen um die Risiken:
- 35 Prozent stimmen der Aussage voll und eher zu: "Smartphones sind gut, um Kinder früh an den Umgang mit Medien zu gewöhnen".
- 20 Prozent stimmen voll und eher zu: "Mein Kind darf/dürfte das Smartphone auch ohne Aufsicht nutzen."
- Knapp die Hälfte der Eltern kennen keine Filter-/Schutzprogramme.
- Rund ein Drittel der Eltern weiß nicht, wo sie sich dazu informieren könnten.
Übermäßige Bildschirmzeiten der Eltern, elterliche Ablenkung oder das regelmäßige Unterbrechen von Interaktionen mit dem Kind können die kindliche Entwicklung beeinträchtigen. So kann das (elterliche) Mediennutzungsverhalten den Spracherwerb erschweren, insbesondere bei geringerer Eltern-Kind-Interaktion und ausbleibender sprachlicher Stimulation. Denn Babys und Kleinkinder brauchen in den ersten Lebensmonaten vor allem Zuwendung, ungeteilte Aufmerksamkeit und feinfühliges Handeln ihrer Bezugspersonen. Bildschirmmedien ersetzen diese Erfahrungen nicht. (DGKJP 2026)
Die frühe Nutzung von Bildschirmmedien kann die Entwicklung von Babys und Kleinkindern beeinträchtigen, so dass sie wichtige entwicklungsphasentypische Kompetenzen zum Beispiel in den Bereichen Schlafen, Essen, Sprache und Impulsivität nicht oder nur verzögert erwerben (DGKJP 2026). Folgende Risiken sind möglich:
- Ungeeignete Medien-Inhalte überfordern Babys und Kleinkinder und können die kindliche Entwicklung beeinträchtigen.
- Eine höhere Bildschirmzeit, insbesondere am Abend, kann bei Kindern unter drei Jahren dazu führen, dass sie später einschlafen und ihre Schlafdauer verkürzt ist.
- Wenn Kleinkinder ein Smartphone beim Essen nutzen, kann dies zu einer geringeren Sättigungswahrnehmung führen.
- Höhere Bildschirmzeiten können aufgrund fehlender sprachlicher Stimulation zu einer verzögerten Sprachentwicklung führen.
- Erhalten Kinder digitale Medien zur Beruhigung oder Ablenkung, lernen sie nur schwer, ihre eigenen Gefühle zu bewältigen.
- Eine hohe passive Bildschirmzeit kann zu geringer körperlicher Aktivität beitragen.
Die gemeinsame Bildschirmnutzung von Eltern und Kind sowie die bewusste elterliche Begleitung können hingegen als Schutzfaktor wirken (DGKJP 2026).
Das NZFH wertet derzeit Daten der Studie "Kinder in Deutschland 0-3" (KiD 0-3 2022 und 2025) zu familiären Einflussfaktoren auf die kindliche Mediennutzung und Entwicklung aus.
Welche Empfehlungen gibt es zur Mediennutzung in Familien?
Zentrale Empfehlungen richten sich mit Blick auf die Förderung der Entwicklung von Babys und Kleinkindern richten sich insbesondere an Eltern und Bezugspersonen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hat sechs Empfehlungen zu Bildschirmmedien im Familienleben veröffentlicht:
- Unter 3 Jahren möglichst keine Bildschirmmedien – Babys und Kleinkinder verstehen die Inhalte nicht und Bildschirmzeit macht passiv.
- Vorbild sein – Aufmerksamkeit schenken und Handys weglegen.
- Echte Welt hat Vorrang – Mehr Bewegungszeit als Bildschirmzeit.
- Zeit im Auge behalten – Kinder von 3 bis 6 Jahre maximal 30 Minuten pro Tag unter Aufsicht der Eltern.
- Regeln vereinbaren – Medienzeiten festlegen, beim Essen und eine Stunde vor dem Schlafen keine Bildschirmnutzung.
- Dabei bleiben – altersgerechte Medieninhalte gemeinsam anschauen, Erlebnisse besprechen, in der Nähe bleiben.
Wie könnte die Elternansprache zum Thema Mediennutzung aussehen?
Die Ansprache von Eltern zum Umgang mit Medien sollte alltagsnah sein. Fachkräfte können Eltern Tipps Orientierungen geben, die zum persönlichen Familienalltag passen. Digitale Medien sollten dabei nicht grundsätzlich problematisiert werden. Dafür sprechen aktuelle Befunde aus der Forschung (Köhler-Dauner u. a. 2026).
Welche Bedeutung hat das Thema Mediennutzung für die Frühen Hilfen?
Fachkräfte in den Frühen Hilfen und freiwillig Engagierte erhalten vor allem bei Hausbesuchen Einblick, wie Familien unterschiedliche Medien im Alltag nutzen. Sie können auf problematisches Verhalten und familiale Medienroutinen reagieren und die Erziehungskompetenzen stärken: So können sie Eltern zum Beispiel darin unterstützen, den eigenen Medienkonsum zu reflektieren. Sie können ihnen erklären, wie wichtig Aufmerksamkeit, Zuwendung und Interaktion für die Entwicklung ihres Kindes sind. Zudem können sie alltagsnahe und zur jeweiligen Familie passende Impulse geben: Wie Eltern Medien bedacht nutzen, wie sie medienfreie Zeiten etablieren und altersgerechte Alternativen finden können. Auch Risiken beim Teilen von Kinderfotos und -videos in sozialen Netzwerken können sie in ihren Gesprächen mit Eltern thematisieren.
Frühe Hilfen in den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission, Juni 2026
Die Frühen Hilfen sind daher auch in den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" berücksichtigt: als bewährte Struktur, um Familien niedrigschwellig zu erreichen und zu kompetentem Handeln zu befähigen. Explizit genannt sind die Frühen Hilfen, um Eltern verlässlich im Umgang mit digitalen Medien zu beraten, sie darin zu unterstützen, die Selbstregulation ihrer Kinder zu fördern, und den Weg zu einem sensiblen Mediengebrauch zu bahnen.
Aktuelle Aktivitäten vom NZFH rund um Aspekte der Mediennutzung
- Der Online-Kurs "Bindungsbasierte Einschätzung der Eltern-Kind-Interaktion in den Frühen Hilfen" auf der Lernplattform Frühe Hilfen des NZFH vermittelt Fachkräften entwicklungspsychologisches Wissen sowie Grundlagen zur Einschätzung der Interaktion zwischen Eltern und Kindern. Der Kurs zeigt zudem, wie Fachkräfte Eltern im Aufbau von Bindungen unterstützen können, und berücksichtigt dabei auch den möglichen Einfluss von Medien auf die Beziehung.
- Mit der Website elternsein.info und dem Instagram-Kanal @elternsein_info wendet sich das NZFH direkt an Mütter, Väter und alle Bezugspersonen, die kleine Kinder erziehen oder betreuen. Fachkräfte können Eltern die Online-Angebote empfehlen.



