Handlungsempfehlungen "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt"
Eine Expertenkommission hat 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt, um Kinder und Jugendliche in der digitalen Medienwelt zu schützen. Die Frühen Hilfen sind darin als bewährte Struktur berücksichtigt, um Familien zu erreichen und sie zum kompetenten Umgang mit digitalen Medien zu befähigen.
Was sind die Handlungsempfehlungen Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt?
Die Handlungsempfehlungen sind das Ergebnis der Unabhängigen Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt". Die Kommission wurde im September 2025 von Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), eingesetzt. Im Juni 2026 veröffentlichte die Kommission 56 Handlungsempfehlungen unter dem Titel "Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen". Am 11. September 2026 beendete die Kommission mit Übergabe des Abschlussberichts an Bundesministerin Karin Prien ihre Arbeit.
An wen richten sich die Handlungsempfehlungen?
Die Empfehlungen richten sich an Akteure in allen Arbeitsbereichen, die Verantwortung für die gesunde Entwicklung und den Schutz von Kindern und Jugendlichen tragen. Dazu zählen beispielsweise Politik und Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Bildungsinstitutionen, Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitswesen sowie Anbieter digitaler Dienste. Weiterhin richten sich die Handlungsempfehlungen an die Zivilgesellschaft, an Kinder und Jugendliche selbst sowie deren Eltern. Sie berücksichtigten technische, pädagogische und rechtliche Herausforderungen rund um die digitale Mediennutzung.
Inwieweit sind die Frühen Hilfen berücksichtigt?
Die Kommission hebt die Frühen Hilfen ausdrücklich hervor als erprobte und etablierte Struktur, um Familien niedrigschwellig, früh und alltagsnah zu erreichen. Für Familien selbst stellen die Frühen Hilfen zudem – neben Kindertageseinrichtungen – zentrale, vertrauensvolle Anlaufstellen dar. Dies findet in den Empfehlungen für die ersten beiden Entwicklungsphasen (0 bis 2 Jahre und 3 bis 5 Jahre) Berücksichtigung.
In welchen Handlungsempfehlungen kommen die Frühen Hilfen konkret vor?
Die Frühen Hilfen kommen ausdrücklich in den Handlungsempfehlungen (HE) 2, 11 und 17 vor. In der Publikation "Entwicklung stärken, Verantwortung übernehmen" sind alle Handlungsempfehlungen ausführlich erläutert.
Was soll die Umsetzung dieser Empfehlungen bewirken?
Eltern sollen rund um die Geburt aufgeklärt werden, über
- Konsequenzen der eigenen Mediennutzung,
- mögliche Folgen kindlicher Mediennutzung,
- alternative Beschäftigungsformen.
Die Aufklärung soll über vertrauensvolle Strukturen erfolgen, wozu auch die Frühen Hilfen zählen.
Die Maßnahmen sollen bewirken,
- dass die Bildschirmzeit in den ersten Lebensjahren reduziert wird,
- dass Eltern ihr eigenes Medienverhalten reflektieren und
- dass Eltern befähigt werden, ihre Kinder vor negativen Folgen zu schützen.
In den ersten zehn Lebensjahren soll die Stärkung der Selbstregulationsfähigkeiten ein vorrangiges Bildungsziel sein. Auch Fachkräfte in den Frühen Hilfen sollen Eltern darin unterstützen, die Selbstregulation ihrer Kinder zu fördern.
Die Empfehlung zielt darauf ab,
- Kinder früh in ihrer Selbstregulation zu stärken,
- Kinder damit widerstandsfähig gegenüber übermäßiger und suchtartiger Mediennutzung zu machen,
- die durchschnittlichen Nutzungszeiten digitaler Medien zu senken,
- die Entwicklung von Abhängigkeiten zu vermeiden.
Das Potenzial der Frühen Hilfen – als etablierte Struktur und vertrauensvoller Zugang zu Familien – soll gestärkt werden. Die Frühen Hilfen sollen durch medienpädagogische Beratung den sensiblen Mediengebrauch fördern. Darunter fällt auch der verantwortungsvolle Umgang von Eltern mit Babybildern im Netz.
Die Maßnahmen sollen bewirken,
- dass Medienbildung früh im Lebenslauf beginnt,
- dass alle Kinder schon in der Kita eine ressourcenorientierte Nutzung und ein erstes Verständnis für Gefahren und Regulation erwerben,
- dass Kinder dadurch widerstandsfähiger gegenüber späterer übermäßiger oder gefährdender Nutzung werden.
Welche weiteren Empfehlungen sind aus Sicht der Frühen Hilfen besonders relevant?
Eine dauerhafte nationale Kampagne soll die digitale Bildung Erwachsener stärken. Eltern können so digitale Risiken frühzeitig erkennen und ihre Kinder wirksam im digitalen Raum begleiten. Im Fokus der Kampagne sollen Aufklärung und Sensibilisierung stehen. Die Kampagne soll flächendeckend, niedrigschwellig und universell umgesetzt werden und auch Plattformbetreiber sowie Influencerinnen und Influencer beteiligen.
Eltern sollen gezielt über Persönlichkeits-, Datenschutz- und Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen im Netz sowie die Risiken des Sharentings aufgeklärt werden. Dies soll Eltern befähigen, sensibel und reflektiert mit der Veröffentlichung von Bildern und Medien umzugehen. Langfristig stärkt dies das Bewusstsein für die Rechte von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum.
Wie geht es weiter?
Die Handlungsempfehlungen dienen als Ausgangspunkt für einen langfristigen und gesamtgesellschaftlichen Prozess. Die angesprochenen Akteure können konkrete Empfehlungen umsetzen oder ihre Umsetzung unterstützen. Ein Leitgedanke der Empfehlungen ist, vorhandene Strukturen und Zugänge zu nutzen, wenn bestimmte Zielgruppen nicht gut erreicht werden können.
Die Kommission weist in ihren Ausführungen der oben genannten Handlungsempfehlungen auch darauf hin, dass das Potenzial der Frühen Hilfen für Medienbildung und Prävention noch nicht ausgeschöpft wird. Für die Frühen Hilfen formuliert sie den Auftrag, digitale Medien in der Familienbegleitung zu berücksichtigen. Zugleich benennt sie ausdrücklich den Bedarf an gesicherten Ressourcen, um die Strukturen auszubauen und dauerhaft zu sichern sowie Fachkräfte zu qualifizieren.
Als ersten Schritt zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen hat das Bundeskabinett am 14. Oktober 2026 Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen.
Wo gibt es bereits passende Maßnahmen zu den genannten Empfehlungen in den Frühen Hilfen?
Das NZFH hat speziell für den Bereich der Frühen Hilfen einige Materialien und Aktivitäten zur Mediennutzung und Medienbildung auf einer Übersichtsseite zusammengestellt: Materialien und Aktivitäten zur Mediennutzung.
Publikationen
Kinderschutz und Kinderrechte in der digitalen Welt (2026): Expertenvorschläge für ein besseres und sicheres Internet. Kindgerechte Version der Handlungsempfehlungen