Frühe Hilfen aktuell 01/2026
Schwerpunktthema: Willkommensbesuche
Die neue Ausgabe Frühe Hilfen aktuell beschäftigt sich mit Willkommensbesuchen als Angebot der Frühen Hilfen. Das Heft blickt auf die Entwicklung des niedrigschwelligen Unterstützungsangebotes und bündelt Erkenntnisse aus der NZFH-Forschung zu verschiedenen Fragestellungen: Wie verbreitet sind Willkommensbesuche in Deutschland? Welche Modelle gibt es? Wer führt die Besuche durch – Fachkräfte oder freiwillig Engagierte? Wie bewerten Familien die Besuche?
Zwei Koordinatorinnen berichten ergänzend aus der Praxis: Ivonne Hilke vom Amt für Kinder, Jugend und Familie in Köln und Lusia Lühring vom Fachdienst Jugend und Familie des Landkreises Verden. Im Interview gehen sie darauf ein, welche Ziele Kommunen und Landkreise konkret mit Willkommensbesuchen verfolgen, wie sie organisiert und umgesetzt werden können.
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Von Anfang an gut begleitet
Willkommensbesuche sind ein besonders niedrigschwelliges Angebot für Familien. Sie informieren Eltern nach der Geburt über familienunterstützende Angebote in der Kommune und vermitteln sie bei Bedarf weiter.
Begrüßungsservice, Familienbesuch oder Besuchsdienst – es gibt viele Bezeichnungen für Willkommensbesuche. Ganz gleich wie der Name lautet, die Besuche haben ein gemeinsames Ziel: Sie machen Eltern frühzeitig auf lokale Hilfs- und Beratungsangebote aufmerksam und bieten Unterstützung an. In der Regel werden durch Willkommensbesuche alle Eltern angesprochen – frei von Stigmatisierung und mit großer Wertschätzung.
Entstanden sind die Willkommensbesuche Anfang der 2000er-Jahre zunächst als Modellprojekte. Seit 2012 gibt es mit dem Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) eine gesetzliche Grundlage. Inzwischen sind Willkommensbesuche in einem Großteil der Kommunen fest verankert.
In den Kommunalbefragungen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) gaben für das Jahr 2024 rund 60 Prozent der Kommunen an, dass bei ihnen Willkommensbesuche zum Angebot der Frühen Hilfen gehören.
Etabliert und vielfältig
Die Ausgestaltung der Willkommensbesuche kann von Kommune zu Kommune unterschiedlich aussehen. In Hamm setzt man beispielsweise auf multiprofessionelle Teams: "Pädagogische Fachkräfte sowie Familienhebammen und Kinderkrankenschwestern aus dem Gesundheitsbereich bieten Familien unterschiedliche Blickwinkel und Kompetenzen, um sie umfassend zu beraten und zu lotsen. Diese enge Zusammenarbeit stärkt zugleich die Vernetzung im gesamten System der Frühen Hilfen und schafft so eine nachhaltige Unterstützung für Familien von Beginn an", sagt Tanja Buttermann, Leiterin des Familienbüros in Hamm.
Im Interview berichten Ivonne Hilke und Luisa Lühring, wie die Willkommensbesuche in Köln und im Landkreis Verden umgesetzt werden: Mit Wertschätzung und offenem Ohr
Welche Modelle von Willkommensbesuchen es gibt, wie sie sich unterscheiden und wie effektiv sie sind, hat das NZFH evaluiert. Die Auswertung der in den Jahren 2021 bis 2023 erhobenen Daten zeigt: Willkommensbesuche sind mehr als ein reiner "Babybegrüßungsdienst". Sie dienen auch der Information, Beratung und Vermittlung in weitergehende Unterstützungsmöglichkeiten.
Große Unterschiede zeigen sich je nach Modell in der Inanspruchnahme. Wird den Eltern ein konkreter Terminvorschlag für den Besuch gemacht, dem sie widersprechen können, kommen drei Viertel bis 90 Prozent der Besuche zustande. Umgekehrt findet nur bei 15 Prozent der Familien ein Willkommensbesuch statt, wenn die Eltern proaktiv einen Besuchswunsch äußern müssen.
Wertschätzend und informativ
Eltern, die Willkommensbesuche nicht in Anspruch nehmen, geben als Gründe häufig fehlenden Bedarf (47,8 Prozent) an. Manchmal können auch Kontrollbefürchtungen eine Rolle spielen (16,2 Prozent). Mit ehrenamtlichen Besuchenden wecken die Willkommensbesuche etwas weniger Kontrollbefürchtungen, mit Fachkräften werden sie von den Eltern hingegen als etwas informativer wahrgenommen.
Wie die Willkommensbesuche von den Familien bewertet werden, hat das NZFH ebenfalls untersucht. Mehr als 90 Prozent der Eltern waren sehr zufrieden oder zufrieden damit. Auch gab eine Mehrheit der befragten Eltern an, dass die Willkommensbesuche den Zugang zu Frühen Hilfen erleichtern, ein Gefühl der Wertschätzung und des Willkommens vermitteln sowie einen Überblick über lokale Unterstützungsangebote bieten.