Fragen und Antworten rund um die IQZ

Sie interessieren sich für Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen (IQZ) und haben Fragen? Hier finden Sie thematisch sortierte Antworten.
- Allgemeines zu den IQZ
- Rund um die IQZ-Teilnahme
- Vergütung und Fortbildungspunkte
- Ablauf und Methoden
- IQZ-Methoden
- Moderationsausbildung und IQZ-Gründung
Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen (IQZ) vernetzen Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen. Zentrales Ziel ist, die Versorgung von Familien mit psychosozialen Belastungen zu verbessern.
IQZ finden auf kommunaler Ebene statt. Jeder IQZ ist zeitlich begrenzt und dauert etwa ein Jahr. Gründung und Moderation übernehmen eine Fachkraft aus dem Gesundheitswesen und eine Fachkraft aus der Kinder- und Jugendhilfe als Tandem. Ärztinnen, Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten können Fortbildungspunkte erhalten.
Die Umsetzung erfolgt länderspezifisch. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sowie die Landeskoordinierungsstellen Frühe Hilfen in den teilnehmenden Bundesländern unterstützen die Kommunen und sind für die Moderationsausbildung zuständig.
Allgemeines zu den IQZ
Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen (IQZ) basieren auf dem etablierten Fortbildungsinstrument der ärztlichen Qualitätszirkel. Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe nutzen ähnliche Formate als Arbeitskreise für Austausch, Reflexion und Weiterbildung.
Wie bei ärztlichen Qualitätszirkeln sind die Teilnehmenden in der Gestaltung inhaltlicher Schwerpunkte frei. Die IQZ-Moderierenden legen sie in Absprache mit den Teilnehmenden fest.
Kern der IQZ ist der fachliche Austausch und die gegenseitige, kollegiale Beratung.
Die teilnehmenden Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, wie Ärztinnen und Ärzte sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten, erhalten in der Regel für die Teilnahme an einem Interprofessionellen Qualitätszirkel – wie für ärztliche Qualitätszirkel – Fortbildungspunkte.
Es gibt aber entscheidende Unterschiede:
- In IQZ sind grundsätzlich Fachkräfte aus zwei verschiedenen Hilfesystemen vertreten: aus der Kinder- und Jugendhilfe und aus dem Gesundheitswesen.
- Die Moderation der IQZ übernimmt immer ein Tandem aus zwei Personen – aus jedem Leistungssystem eine Person.
- Zentrales Element der IQZ ist das Kennenlernen des jeweils anderen Systems, um gegenseitiges Verständnis und die Kooperation zu fördern.
- Die Teilnehmenden erlernen und üben verschiedene Methoden zur interprofessionellen Zusammenarbeit und für den eigenen Praxisalltag ein.
- Inhaltlich geht es (ausschließlich) um Frühe Hilfen: um frühzeitige Unterstützung und Versorgung von Schwangeren, werdenden Vätern und Familien mit Kindern bis drei Jahre in psychosozialen Belastungslagen.
- Die Fachkräfte treten in einen gemeinsamen, organisierten und wechselseitigen Lehr- und Lernprozess ein.
- In IQZ werden in der Regel keine externen Expertinnen und Experten eingeladen. Alle Teilnehmenden bringen ihre eigene Expertise ein.
Bis Anfang des Jahres 2025 haben Fachkräfte aus den folgenden Bundesländern an der zentralen Moderationsausbildung teilgenommen: Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Die Ausbildung von IQZ-Moderierenden ist eine zentrale Voraussetzung für die Durchführung von IQZ in einem Bundesland.
Ansprechpersonen finden Sie über die Landeskoordinierungsstellen Frühe Hilfen oder die Kassenärztliche Vereinigung. Sie wissen, ob in Ihrem Bundesland IQZ angeboten werden und wie Sie Kontakt zu konkreten IQZ vor Ort aufnehmen können.
In Baden-Württemberg sind IQZ landesweit flächendeckend etabliert.
Rund um die IQZ-Teilnahme
Die zentrale Voraussetzung für die Teilnahme an einem IQZ ist, dass Sie beruflich mit Familien mit kleinen Kindern arbeiten – entweder im Gesundheitswesen oder der Kinder- und Jugendhilfe. In der Regel gehören die Teilnehmenden einer der folgenden Berufsgruppen an:
Aus dem Gesundheitswesen:
- Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte
- Gynäkologinnen und Gynäkologen
- Fachärztinnen und Fachärzte der Kinder- und Jugendlichen-Psychiatrie
- Hausärztinnen und Hausärzte, Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner
Aber auch Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Fachpersonal aus Kinder- und Geburtskliniken oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten können an einem IQZ teilnehmen und sich mit anderen Fachkräften vernetzen.
In der Kinder- und Jugendhilfe richten sich IQZ insbesondere an
- Fachkräfte in den Frühen Hilfen
- Netzwerkkoordinierende Frühe Hilfen
- Fachkräfte Frühe Hilfen aus Angeboten von freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe
- Fachkräfte aus Familien- und Erziehungsberatungsstellen
- Fachkräfte aus dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD)
Sie sollten zudem offen sein für den Austausch mit Fachkräften des anderen Leistungssystems und an Vernetzung interessiert sein.
Vor allem für Teilnehmende aus dem Gesundheitswesen stellen die IQZ-Methoden ungewöhnliche und neue Arbeitsweisen dar. Sie sollten bereit sein, diese neuen Methoden in Ihrem Praxisalltag auszuprobieren.
Da ein IQZ für eine Dauer von etwa einem Jahr aus einer festen Gruppe besteht, ist die regelmäßige Teilnahme entscheidend für den Erfolg (siehe unter Ablauf und Methoden). Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe müssen dies in der Regel mit dem Träger abstimmen.
Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten:
Ein Beispiel aus der Praxis: Bei Ihren Kontakten nehmen Sie nicht nur kindbezogene Aspekte wahr, sondern auch andere entwicklungs- oder gesundheitsrelevante Aspekte, wie beispielsweise psychosoziale Belastungen der Familie. Mitunter bleibt nach den Konsultationen das Gefühl zurück, mehr unterstützen zu wollen – trotz Zeitmangel im Praxisalltag und möglicherweise begrenzter Kenntnis weiterer Unterstützungsangebote, zum Beispiel aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Die IQZ bieten hier eine wirksame Möglichkeit, Sie im Praxisalltag zu entlasten:
- Sie tauschen sich systematisch mit Fachkräften aus der Kinder- und Jugendhilfe aus, lernen regionale Angebote der Frühen (besser) kennen, vernetzen sich und bauen verlässliche Kontakte auf.
- Sie entwickeln ein besseres Verständnis für das Unterstützungssystem der Kinder- und Jugendhilfe.
- Sie lernen neue Methoden kennen, die Sie im Praxisalltag anwenden können, vertiefen Ihre Fähigkeiten für die Arbeit mit psychosozial belasteten Familien und erfahren einen persönlichen Kompetenzzuwachs.
- Sie erfahren Entlastung, vor allem bei herausfordernden Kontakten mit Familien, und gewinnen an Handlungssicherheit in komplexen Fällen.
- Im Einzelfall sparen Sie Zeit – durch verlässliche Kontakte, wegfallende Recherchen und einen "kurzen Draht" zu persönlichen Ansprechpersonen.
- Sie schärfen das familienfreundliche Profil Ihrer Praxis.
- Sie tragen zur bedarfsgerechteren Versorgung und Unterstützung Ihrer Patientinnen und Patienten bei.
- Sie erhalten für die Teilnahme und Mitarbeit in der Regel Fortbildungspunkte.
Für Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe:
Ein Beispiel aus der Praxis: In Ihrer Arbeit mit den von Ihnen betreuten Familien kommen Sie manchmal nicht weiter, weil Ihnen wichtige ärztliche Informationen fehlen. Im Kontakt mit Ärztinnen und Ärzten kommt es teilweise zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen der familiären Situation. Sie können Ihre Hilfeansätze nur schwer vermitteln und stoßen immer wieder auf Unverständnis.
IQZ können helfen:
- Sie tauschen sich systematisch mit Fachkräften aus dem Gesundheitswesen, insbesondere mit niedergelassenen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten, aus und bauen verlässliche Kontakte auf.
- Sie entwickeln ein besseres Verständnis für Angebote und Strukturen des Gesundheitssystems.
- Sie erfahren einen persönlichen Kompetenzzuwachs, erfahren Entlastung und gewinnen an Handlungssicherheit in komplexen Fällen.
- Im Einzelfall können Sie Familien noch besser unterstützen – durch verlässliche Kontakte und einen "kurzen Draht" zu Ihnen bekannten Ansprechpersonen.
Dass IQZ wirksam sind, hat das NZFN in der sogenannten PATH-Evaluation untersucht.
Lesen Sie im Projektpapier (Seite 23) weitere Gründe für die Teilnahme an einem IQZ sowie Erfahrungen von Teilnehmenden. Zwei Kopiervorlagen "Gute Gründe für die Teilnahme an IQZ" (am Ende des Projektpapiers) richten sich zudem gezielt an Ärztinnen und Ärzte der Pädiatrie und Gynäkologie.
Sollten Sie bereits von einem IQZ in Ihrem Umfeld gehört haben, können Sie sich an Teilnehmende oder direkt an die IQZ-Moderierenden wenden. Diese wissen, ob weitere IQZ in Ihrer Kommune geplant sind, oder nennen Ihnen zuständige Kontaktpersonen. Ansprechpersonen finden Sie in Ihrer Kommune gegebenenfalls auch beim Gesundheitsamt oder der Netzwerkkoordination Frühe Hilfen.
Wenn Sie auf kommunaler Ebene keine Ansprechpersonen finden, können Sie auch bei der für Sie zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung oder Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen nachfragen. Diese schaffen auf Landesebene gemeinsam die Voraussetzungen für die IQZ, vor allem durch die Schulung von IQZ-Moderierenden.
Gegebenenfalls können Sie auch die Gründung eines IQZ anstoßen. Die Gründung und Leitung vor Ort übernimmt dann ein Moderationstandem. (siehe unten Moderationsausbildung und IQZ-Gründung)
Vergütung und Fortbildungspunkte
Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten erhalten in der Regel keine Vergütung für die Teilnahme an einem IQZ oder die Moderation. Vernetzungstätigkeiten sind für sie kein abrechnungsrelevanter Teil Ihrer Arbeit. Auch Fahrt- und Reisekosten werden in der Regel nicht erstattet.
In den Bundesländern erarbeiten die Landeskoordinierungsstellen Frühe Hilfen und die Kassenärztlichen Vereinigungen aber die landesweite Umsetzungsstrategie der IQZ. Sie können auch Regelungen aushandeln und festlegen, um die Mitarbeit im IQZ zu vergüten.
Der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) ist es beispielsweise gelungen, einen innovativen Selektivvertrag zu schließen, der die Leistungen der Fallfindung und des Motivierenden Elterngesprächs nach Teilnahme an einem IQZ finanziell honoriert.
Anders ist die Situation für Mitarbeitende der Kinder- und Jugendhilfe: In der Regel ist die Teilnahme an Netzwerktreffen oder anderen Vernetzungsformaten wesentlicher Bestandteil ihrer Tätigkeit und Arbeitszeit.
Damit Ärztinnen und Ärzte Fortbildungspunkte für die Teilnahme oder Moderation eines IQZ erhalten, müssen die IQZ in ihrem Land als Fortbildungsveranstaltung anerkannt sein. Dafür sind die Landesärztekammern zuständig beziehungsweise für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten die Psychotherapeutenkammern.
Die Buchung der Fortbildungspunkte erfolgt in der Regel über die Qualitätssicherungsstelle der Kassenärztliche Vereinigung. Auch dort können Sie genauere Informationen erfragen.
Ablauf und Methoden
Die Gründung und Leitung eines IQZ übernimmt ein Moderationstandem aus zwei Fachkräften: eine Fachkraft aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie eine aus dem Gesundheitswesen. Die beiden Personen haben dafür die vom Land koordinierte Moderationsausbildung durchlaufen.
Für die Gründungsphase und Durchführung der IQZ stellt das NZFH dem Moderationstandem praktische und erprobte Arbeitsmaterialien zur Verfügung.
Gruppengröße und -zusammensetzung sind nicht eindeutig festgelegt. Bewährt hat sich eine Gruppengröße von maximal 20 Personen.
In der Regel kommt die Hälfte der Teilnehmenden aus der Kinder- und Jugendhilfe, die andere Hälfte aus dem Gesundheitswesen. Die Zusammensetzung kann regional unterschiedlich sein.
Zentrales Merkmal ist, dass immer Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte teilnehmen sowie Fachkräfte aus den Frühen Hilfen wie Familienhebammen oder Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende (FGKiKP).
Je mehr Professionen im IQZ vertreten sind, desto mehr Perspektiven und Arbeitsweisen fließen in Austausch und Diskussion ein.
Wichtig: Um die Anerkennung als IQZ zu gewährleisten, sollten Sie mögliche Vorgaben der zuständigen Landeskoordinierungsstelle und Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bei der Zusammensetzung des IQZ berücksichtigen.
In der ersten Sitzung legen die Teilnehmenden gemeinsam einen Zeitraum für die Zusammenarbeit fest. In der Regel läuft ein IQZ ein Jahr lang und umfasst vier bis sechs Sitzungen. Während dieses Zeitraums besteht der IQZ als feste Gruppe.
Grundsätzlich geht es um Frühe Hilfen: Um frühzeitige Unterstützung und Versorgung von Schwangeren, werdenden Vätern und Familien mit Kindern bis drei Jahre in psychosozialen Belastungslagen.
In den ersten beiden Sitzungen stehen organisatorische Aspekte sowie das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm. Dazu stellen die Teilnehmenden ihre jeweiligen Arbeitsfelder mit Grundlagen und Besonderheiten vor. Wesentlich ist dabei der Austausch zu persönlichen Einstellungen über das jeweils andere System.
In der Regel steigen die Teilnehmenden ab der dritten Sitzung in die Arbeit mit verschiedenen Methoden ein: Fallgeschichten, Familienfallkonferenzen, Fallfindung und Motivierendes Elterngespräch. Die Teilnehmenden lernen die Methoden kennen und üben ihre Anwendung im Arbeitsalltag ein.
IQZ-Methoden
Vier zentrale Methoden sind für den interprofessionellen Austausch in den IQZ weiterentwickelt worden und kommen in allen IQZ zum Einsatz: Fallgeschichten, Familienfallkonferenzen, Fallfindung und das motivierende Elterngespräch.
Für Teilnehmende aus der Ärzteschaft ist die Arbeit mit solchen Methoden häufig neu. In der Kinder- und Jugendhilfe sind die Methoden zum Teil üblich. Im Austausch helfen die IQZ-Methoden beiden Seiten, die Angebote, Strukturen und Handlungslogiken des jeweils anderen Systems besser zu verstehen.
Fallgeschichten – oder auch Fallbeispiele oder Falldiskussionen – sind in der Kinder- und Jugendhilfe und im Gesundheitswesen ein verbreitetes Verfahren zur (externen) Qualitätssicherung.
Im IQZ-Projekt geht es bei der Arbeit mit Fallgeschichten nicht so sehr um die Qualitätssicherung. Im Fokus steht hier der Perspektivwechsel: Die Teilnehmenden beschäftigen sich zu zweit mit einem Fallbeispiel. Sie blicken auf die komplexen Lebensumstände einer Familie und betrachten den Fall auch aus der Perspektive des anderen Hilfesystems.
Wie genau laufen Fallgeschichten ab? Wie können sie vom Moderationstandem in der Anfangsphase des IQZ eingeführt werden? Antworten enthält "Dramaturgie 4: Arbeiten mit Fallgeschichten" in den IQZ-Arbeitsmaterialien.
Familienfallkonferenzen sind speziell strukturierte ausführliche Fallbesprechungen: Eine Fachkraft bringt ein konkretes Beispiel aus der Praxis ein. Die Gruppe analysiert und bearbeitet das Fallbeispiel in mehreren Schritten. Die Teilnehmenden lernen so Sichtweisen kennen, die über die eigene berufliche Perspektive hinaus gehen. Gemeinsam entwickeln sie einen konkreten nächsten Lösungsschritt.
Wie eine Familienfallkonferenz abläuft und geleitet wird, ist ein wesentliches Element der IQZ-Moderationsausbildung. Ausführliche Informationen enthält "Dramaturgie 7: Durchführung einer Familienfallkonferenz", zu finden bei den IQZ-Arbeitsmaterialien.
Die Methode der Fallfindung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte der Pädiatrie sowie weiterer familienmedizinischer Fachbereiche. Sie lernen, Familien im Sinne der Frühen Hilfen als belastet zu erkennen.
Im vertragsärztlichen oder psychotherapeutischen Bereich erfolgt dies in der Regel unsystematisch, auf Grundlage der klinischen Expertise sowie durch Wahrnehmungen und Beobachtungen im Umfeld der Untersuchung.
Der IQZ-Fallfindungsprozess hingegen läuft systematisch und strukturiert: Hier nutzen Ärztinnen und Ärzte einen Erhebungsbogen, mit dem sie ihre eigene Wahrnehmung und Einschätzung kritisch reflektieren und überprüfen können.
Wichtig: Fallfindungen sind partizipativ gestaltet. Die Ärztinnen und Ärzte füllen den Erhebungsbogen zusammen mit der Familie aus. Gemeinsam besprechen sie auch ihre jeweilige Einschätzung von Belastungen und Ressourcen und legen den Hilfebedarf fest.
Weitere Informationen zur Methode der Fallfindung in den IQZ enthält "Dramaturgie 5: Arbeiten mit der Methode der Fallfindung" bei den IQZ-Arbeitsmaterialien.
Die Methode "Motivierendes Elterngespräch" schließt an die Methode der Fallfindung an. Sie richtet sich insbesondere an Ärztinnen und Ärzte. Mit dieser Methode lernen sie, Gespräche mit Eltern zu führen, bei denen sie psychosozialen Belastungen wahrgenommen und Hilfebedarf identifiziert haben.
Ziel ist es, den Familien Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sie darin zu bestärken, passende Hilfen anzunehmen. Diese Hilfen sind meist außerhalb des Gesundheitssystems zu erhalten, etwa in der Kinder- und Jugendhilfe.
IQZ-Teilnehmende lernen die Methode "Motivierendes Elterngespräch" kennen, um sie im Praxisalltag anzuwenden und Eltern besser in Frühen Hilfen vermitteln zu können.
Weitere Informationen zur Methode "Motivierendes Elterngespräch" enthält "Dramaturgie 6: Arbeiten mit dem motivierenden Elterngespräch" bei den IQZ-Arbeitsmaterialien.
Alle Inhalte und Methoden in den IQZ werden anonymisiert besprochen. Die Teilnehmenden tauschen keine persönlichen Daten über Familien aus.
Moderationsausbildung und IQZ-Gründung
Die Moderationsausbildung wird auf Landesebene konzipiert und umgesetzt.
Verantwortlich sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und Landeskoordinierungsstellen Frühe Hilfen in den teilnehmenden Ländern. Dort erfahren Sie auch, wann die nächste Ausbildung stattfindet und wie Sie sich anmelden können.
Die Kontaktdaten für die Landeskoordinierungsstellen finden Sie hier: https://www.fruehehilfen.de/grundlagen-und-fachthemen/landeskoordinierungsstellen/kontaktdaten-regelungen-und-konzepte-der-laender/
Für die Gründung und Leitung eines IQZ: Ja.
Ein zentrales Element der IQZ ist die Moderation und Leitung durch ein Tandem. Jedes Tandem besteht aus einer Fachkraft aus der Kinder- und Jugendhilfe und Person aus dem Gesundheitswesen – in der Regel einer niedergelassenen Ärztin/Therapeutin oder einem Arzt/Therapeut.
Die für Ihr Land zuständige IQZ-Koordinierungsstelle unterstützt Sie aber bei der Suche nach einer Tandem-Partnerin oder einem Tandem-Partner aus dem anderen Versorgungssystem.
Für die Moderationsausbildung: nein.
Sie können sich allein oder als Tandem – mit einer Person aus dem anderen Leistungssystem – anmelden. Ein Vorteil der Ausbildung im Tandem ist, dass Sie die Inhalte der IQZ-Arbeit gemeinsam erarbeiten und bei IQZ-Gründung bereits eingespielt sind.
Aber auch Einzelpersonen werden gebraucht, zum Beispiel als Ersatz für ausscheidende Fachkräfte. Neu geschulte Moderierende bilden dann mit einem bereits geschulten Pendant das Tandem, welches den IQZ vor Ort moderiert und durchführt.
Das NZFH hat Arbeitsmaterialien für IQZ-Moderierende auf dieser Website zusammengestellt.
Zentral sind die sogenannten Dramaturgien. Sie führen in das jeweilige Thema ein, enthalten theoretische Grundlagen und Anregungen für die Moderation. Außerdem finden Sie dort Moderationsplakate, Kopiervorlagen und Musteranschreiben: https://www.fruehehilfen.de/service/arbeitshilfen-fuer-die-praxis/iqz-arbeitsmaterialien/
Informationen und Tipps zur Leitung eines IQZ ist zudem zentraler Bestandteil der Schulung für IQZ-Moderierende, der Moderationsausbildung.
Die Vorbereitungszeit hängt stark von den Gegebenheiten vor Ort ab. Erfahrungsgemäß dauert die Gründungsphase drei bis sech Monate.
In den IQZ-Arbeitsmaterialien vom NZFH informiert "Dramaturgie 1: Gründung eines IQZ" über alle relevanten Aspekte, um einen IQZ zu gründen: Zeitperspektive, Unterstützungsmöglichkeiten, Auswahl und Anzahl der Teilnehmenden, Dauer eines IQZ. Vorgestellt wird darin auch eine erprobte IQZ-Sequenz, die als Vorschlag für die regionale Umsetzung dienen kann.
Die Ansprache möglicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegt in der Verantwortung der IQZ-Moderierenden. Die Erfahrungen zeigen, dass sich Fachkräfte gerne von Kolleginnen und Kollegen aus demselben System ansprechen und motivieren lassen. Anders ist es, wenn beispielsweise bereits Kontakte zu Akteuren aus dem jeweils anderen Leistungssystem vorhanden sind.
Überzeugende Argumente für beide Berufsgruppen finden Sie in der Antwort zur Frage "Was bringt mir die Teilnahme an einem IQZ?" unter Rund um die Teilnahme sowie im IQZ-Projektpapier.
Ihre Frage ist nicht dabei? Oder die Informationen reichen nicht?
Dann können Sie sich auch an das NZFH wenden. Nutzen Sie dazu bitte das Kontaktformular: https://www.fruehehilfen.de/service/kontakt/

Zentrale Informationen zu den Interprofessionellen Qualitätszirkeln Frühe Hilfen (IQZ) hat das NZFH in einem Projektpapier zusammengefasst. Es informiert übersichtlich über das Vernetzungsprojekt, enthält viele Anregungen für die Praxis und Kopiervorlagen.
Zum Herunterladen Projektpapier IQZ (pdf/1,2 MB)
Zur Bestellung: Projektpapier: Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen (IQZ)
Publikationen
Schlett, Christian / Metzner, Gloria / Höhn, Cindy / Giesler, Jürgen M. / Barth, Michael / Kaier, Klaus / van Staa, Juliane / Horstmann, Sabine / Jünemann, Susanne / Siebolds, Marcus / Renner, Ilona / Glattacker, Manuela (2024): Identifikation psychosozial belasteter Familien in pädiatrischen Praxen
In: Bundesgesundheitsblatt 12/2024
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In: Dialog Erziehungshilfe des Bundesverbandes für Erziehungshilfe e.V. (AFET)
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In: Deutsches Ärzteblatt: Dtsch Arztebl 2020; 117(25): A-1248 / B-1056
Frühe Hilfen in Köln
In: KVNO aktuell online 5 | 2018
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Zur Arbeit der interdisziplinären Qualitätszirkel bei den Frühen Hilfen
In: KV-Blatt 12.2017
