Willkommensbesuche in den Frühen Hilfen

Willkommensbesuche sind ein niedrigschwelliges Angebot für Familien kurz nach der Geburt ihres Kindes. Aus Studien des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) sind unterschiedliche Konzepte, Modelle und kommunale Strategien sowie deren Wirkung und Gelingensfaktoren mit Blick auf die Frühen Hilfen bekannt.
Willkommensbesuche stellen einen frühen, stigmatisierungsfreien und niedrigschwelligen Zugang zu Familien dar. In einem Großteil der Kommunen sind Willkommensbesuche, manchmal auch Ersthausbesuch, Begrüßungsservice oder Besuchsdienst genannt, fest verankert. Rechtliche Grundlage für Willkommensbesuche als Angebot der Frühen Hilfen ist das Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) mit §2 "Information der Eltern über Unterstützungsangebote in Fragen der Kindesentwicklung".
Von Anfang an: Information, Beratung und Vermittlung
Fachkräfte oder geschulte Freiwillige informieren Eltern bei ihrem Besuch über Hilfs- und Beratungsangebote in der Nähe. Sie geben Tipps für die ersten Monate mit Kind und informieren zum Beispiel über Kindertagesbetreuung oder finanzielle Leistungen. Außerdem können sie zu familienbezogenen Themen beraten und bei Bedarf an weiterführende Unterstützungsangebote und Ansprechpersonen vermitteln. Meistens erhalten Eltern ergänzend Informationsmaterial zum Nachlesen, zum Beispiel zur gesunden Entwicklung von Kindern, und ein kleines Willkommensgeschenk.
Erkenntnisse aus der NZFH-Forschung
Aus mehreren NZFH-Studien liegen vielfältige Informationen rund um Willkommensbesuche vor: Die Kommunalbefragungen liefern Daten über die Verbreitung und die Ausgestaltung des Angebots. Eine bundesweite Evaluation der Willkommensbesuche liefert Erkenntnisse zur Wirkung und Bewertung durch Eltern, zur Einbindung in die kommunalen Netzwerke sowie zu Gelingensfaktoren mit Blick auf die Frühen Hilfen. Ausführliche Antworten auf die folgenden Fragen und Informationen zu den genannten Studien sind in drei Faktenblättern zusammengestellt.
In rund 60 Prozent der Kommunen gehörten im Jahr 2024 Willkommensbesuche zum Angebot der Frühen Hilfen. Bei der Verbreitung gibt es aber deutliche regionale Unterschiede.
In den meisten Kommunen führen ausschließlich Fachkräfte die Besuche durch: am häufigsten sind dies Sozial- oder Diplom-Pädagoginnen und -Pädagogen, seltener Personen aus Gesundheitsfachberufen.
In rund einem Viertel der Kommunen, die einen Besuchsdienst anbieten, kamen im Jahr 2020 (auch) geschulte freiwillig Engagierte zum Einsatz (26,6 Prozent).
Fast allen Kommunen geht es darum, Eltern über Angebote der Kommune für Familien zu informieren (98,8 Prozent). Auch die Lotsenfunktion ist in 91,6 Prozent der Kommunen eine (sehr) relevante Tätigkeit. 87,9 Prozent der Kommunen möchten mit dem Angebot ihre Familienfreundlichkeit zum Ausdruck bringen und für 84,9 Prozent ist das Erkennen möglicher Belastungen und Unterstützungsbedarfe von Familien relevant.
Kommunen mit einem Fachkräfte-Modell verfolgen mit 89,9 Prozent deutlich häufiger das Ziel, konkrete Unterstützungsbedarfe und besondere familiale Belastungslagen zu erkennen, als Kommunen, die freiwillig Engagierte einsetzen (70,1 Prozent). Ein ähnlich hoher Unterschied zeigt sich für das Ziel, Eltern bei dem Gespräch rund um Fragen zu Erziehungs- und Beziehungskompetenzen zu beraten: 70,8 Prozent beim Fachkräfte-Modell und 51,2 Prozent beim Freiwilligen-Modell.
Mit dem Einsatz von Freiwilligen sind die Besuche besonders niedrigschwellig. Der Schwerpunkt liegt dann eher darauf, das Baby zu begrüßen, wertzuschätzen und die Eltern zu informieren.
Die Inanspruchnahme ist stark davon abhängig, wie die Terminabsprache erfolgt: Erhalten die Eltern einen konkreten Terminvorschlag für den Besuch, dem sie widersprechen können, kommen bis zu 90 Prozent der Besuche zustande. Wenn Eltern selbst einen Besuchswunsch äußern müssen, findet nur in 15 Prozent der Familien ein Willkommensbesuch statt. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die in der Evaluation der Willkommensbesuche untersuchten Fallkommunen.
Fast die Hälfte der Eltern, die Willkommensbesuche nicht in Anspruch nehmen, geben als Gründe an, keinen Bedarf zu haben (47,9 Prozent). Kontrollbefürchtungen spielen bei 16,2 Prozent eine Rolle.
Mehr als 90 Prozent der Eltern waren sehr zufrieden oder zufrieden mit dem Willkommensbesuch. Die Mehrheit der befragten Eltern gab zudem an, dass die Willkommensbesuche den Zugang zu Frühen Hilfen erleichtern, ein Gefühl der Wertschätzung und des Willkommens vermitteln und einen Überblick über lokale Unterstützungsangebote bieten.
Eltern nehmen die Besuche von Fachkräften als etwas hilfreicher und informativer wahr als von freiwillig Engagierten.
Bei Besuchen durch Freiwillige äußern Eltern seltener die Befürchtung, kontrolliert zu werden.
Die Ergebnisse der NZFH-Evaluation sprechen dafür, dass Eltern, die einen Willkommensbesuch erhalten haben, besser über Angebote informiert und aufgeschlossener für deren Inanspruchnahme sind als Eltern ohne Willkommensbesuch.
Damit Willkommensbesuche ihr Potenzial für die Frühen Hilfen voll entfalten und Zugangswege in das Hilfesystem ebnen können, ist ihre Einbettung in die kommunalen Netzwerke Frühe Hilfen von zentraler Bedeutung.
Am 21. April 2026 hat das NZFH zentrale Informationen und Ergebnisse auch als Pressemitteilung veröffentlicht:
Neue NZFH-Studien zeigen: Willkommensbesuche helfen Familien von Anfang an
Materialien für Kommunen
Das NZFH, das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und weitere Einrichtungen bieten Informationsmaterialien an, die im Rahmen von Willkommensbesuchen an Eltern weitergegeben werden können. Die Materialien des NZFH sind zum Teil kommunal anpassbar.

Beiträge für Eltern auf elternsein.info
Auf der Website elternsein.info erklärt das NZFH, wie Willkommensbesuche ablaufen:
Was passiert bei einem Willkommensbesuch?
Auch ein Interview mit einer freiwillig Engagierten gibt Einblicke:
Quellen und zentrale Publikationen
Frühe Hilfen aktuell 1/2026: Willkommensbesuche
Faktenblatt zu den Kommunalbefragungen: Willkommensbesuche in den Frühen Hilfen
Faktenblatt 1 zur Evaluation von Willkommensbesuchen: Hintergrund, Studiendesign, Modelle
Faktenblatt 2 zur Evaluation von Willkommensbesuchen: Perspektive von Familien
Synthesebericht: Bundesweite Evaluation der Willkommensbesuche
Bundesweite Recherche zu Praxismodellen der Willkommensbesuche




