2011

Cover: Expertise Kosten und Nutzen Früher Hilfen

Das NZFH startet in eine zweite Förderphase und erhält weitere Aufgaben zur Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen. 

Ein gemeinsamer Beirat aus Wissenschaft und Fachpraxis wird berufen und über die nächsten vier Jahre das NZFH begleiten. Die Mitglieder widmen sich in Arbeitsgruppen unterschiedlichen Aufgabenbereichen des NZFH.

Eine vom NZFH herausgegebene Expertise zu Kosten und Nutzen der Frühen Hilfen zeigt erstmals, dass Frühe Hilfen im Erfolgsfalle ein Vielfaches an Folgekosten einsparen können. 

Außerdem veröffentlicht das NZFH die Ergebnisse der zweiten Teiluntersuchung der Bestandsaufnahme Frühe Hilfen, einer deutschlandweiten Befragung von Jugend- und Gesundheitsämtern.


Mit Beginn der zweiten Förderphase erhält das Nationale Zentrum Frühe Hilfen zwei weitere Aufgabenbereiche: "Qualifizierung: Kompetenzen stärken und interdisziplinäres Lernen ermöglichen" und "Kooperation: Kompetenzen verschiedener Bereiche nutzen". Es leitet damit weitere Schritte für eine nachhaltige Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen ein.

Hintergrund sind Ergebnisse und Erkenntnisse der ersten Förderphase. Die Bestandsaufnahme bei den Jugend- und Gesundheitsämtern zeigt, dass ein erheblicher Qualifizierungsbedarf auf der Fachebene besteht. Das NZFH sieht insbesondere in der professionsübergreifenden Fort- und Weiterbildungen sowie im interdisziplinären Lernen ein wichtiges Aufgabenfeld. Vor allem die Netzwerkkoordinierenden benötigen Unterstützung durch Fortbildungen und Arbeitsmaterialien, um die anspruchsvollen Aufgaben erfüllen zu können. Es fehlt aber auch an spezifischen Kenntnissen darüber, welches Wissen und welche Fertigkeiten Fachkräfte zur Erfüllung ihrer neuen Aufgaben in den Frühen Hilfen benötigen. Das NZFH startet in Kooperation mit zahlreichen Expertinnen und Experten die Erarbeitung von Kompetenzprofilen für Familienhebammen, für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen sowie für Netzwerkkoordinierende.


In der ersten Periode seiner Tätigkeit – von 2007 bis 2010 – wurde das NZFH von zwei Gremien begleitet: dem wissenschaftlichen Beirat mit Expertinnen und Experten aus der Forschung und dem Fachbeirat mit Vertreterinnen und Vertretern relevanter Institutionen und Verbände. Mit Beginn der zweiten Periode werden die beiden Gremien zu einem einzigen Beirat zusammengeführt. Das NZFH trägt damit dem Anliegen einer engeren Verzahnung von Wissenschaft und Praxis Rechnung. Die Mitglieder widmen sich in Arbeitsgruppen verschiedenen Aufgabenbereichen. Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden in den Folgejahren in der Reihe "NZFH-KOMPAKT" veröffentlicht.


Cover: Expertise Kosten und Nutzen Früher Hilfen

Im Modellprojekt "Guter Start ins Kinderleben" am Standort Ludwigshafen fördert das NZFH die wissenschaftliche Evaluation und damit erstmals in Deutschland eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Frühen Hilfen. Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und Inga Wagenknecht von der Universität Gießen kommen zu einem eindeutigen Ergebnis, das die Frühen Hilfen stärkt: Die Wissenschaftlerinnen zeigen, dass die durch Vernachlässigung entstehenden Kosten für die Allgemeinheit 60 mal höher liegen, als die Kosten für Frühe Hilfen. Die Befunde der Studie sprechen für einen entschiedenen Paradigmenwechsel in den Finanzierungsstrukturen von Gesundheitswesen und Jugendhilfe. Wissen und Forschungsstand verweisen darauf, dass Frühe Hilfen als eine sinnvoll angelegte Zukunftsinvestition für die betroffenen Kinder und für die Gesellschaft insgesamt begriffen werden müssen.


Ein weiteres vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen gefördertes Forschungsprojekt geht der Frage nach: "Wie Elternschaft gelingt". Das Projekt kurz WiEge genannt, untersucht in Hamburg erstmals, ob junge Mütter in schwierigen sozialen Situationen, beispielsweise bei einer Suchterkrankung, nach traumatischen Kindheitserlebnissen, in sozialer Isolation oder in finanzieller Not, eine enge und liebevolle Beziehung zu ihren Kindern aufbauen können. Auch hier sind die Forschungsergebnisse positiv. Sie zeigen, dass eine verlässliche Elternschaft auch unter schwierigen Bedingungen gelingen kann. Durchgeführt wird die Untersuchung von einer Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Suess. "WiEge" basiert auf Erkenntnissen einer US-amerikanischen Längsschnittstudie zur Bindungsentwicklung von Eltern und Kindern, aus der das Frühinterventionsprogramm STEEP™ entwickelt wurde. In Hamburg wird das Programm erstmals ausschließlich mit mehrfach belasteten Müttern erprobt.


Cover: Bestandsaufnahme Zweite Teiluntersuchung

Zum Ende des Jahres 2011 stellt das NZFH außerdem die Ergebnisse aus dem zweiten Teil der Bestandsaufnahme zur Entwicklung der kommunalen Praxis im Bereich Früher Hilfen in einem Kurzbericht vor. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass inzwischen die Frühen Hilfen in den Kommunen eine hohe politische Priorität erlangt haben und rund 80 Prozent der befragten Jugend- und Gesundheitsämter angeben, einen Ausbau der Frühen Hilfen zu planen. Die Befragung untersucht neben Stellenwert, Umfang und Art der Angebote Früher Hilfen, auch die Finanzierung und Verstetigung der Angebote, die Zugangswege zu Familien sowie die Praxis der Früherkennung von familiären Problemlagen. Außerdem werden Entwicklungen, wie beispielsweise die Fortschritte beim Auf- und Ausbau der Leistungen seit der ersten Befragung im Jahr 2009, ermittelt.

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