Jahreskongress der DGSPJ vergibt Förderpreis Transkulturelle Pädiatrie in den Bereich Frühe Hilfen

05.09.2015

Betreuung von schwangeren Asylbewerberinnen durch eine Familienhebamme

Die Hebammenversorgung für Schwangere in München ist unzureichend. Hiervon sind vor allem psychosozial belastete Frauen, insbesondere schwangere Asylbewerberinnen, betroffen. Kann der Einsatz von Familienhebammen deren vielfältige Probleme auffangen und den Neugeborenen einen guten Start ermöglichen?

Material und Methoden: Im Rahmen des Münchner Modells der Frühen Hilfen wurde eine erste Familienhebamme engagiert, welche schwangeren Asylbewerberinnen in Gemeinschaftsunterkünften psychosoziale Unterstützung während der Schwangerschaft und für 3 Monate postpartal anbot. Die anonymisierten Angaben bzgl. soziodemographischer Daten und Belastungsfaktoren wurden analysiert.

Ergebnisse: Im Zeitraum August 2014 bis März 2015 wurden 22 Schwangere betreut. Die mittlere Besuchszahl lag bei 10 Besuchen (1-21), eine Dolmetscherin war nur bei wenigen Fällen (11%) nötig.10 (45%) Mütter waren alleinerziehend, insgesamt wurden 22 Geschwisterkinder mitversorgt. 

Belastungsfaktoren waren neben schwierigen Unterbringungsverhältnissen und fehlenden Verdienstmöglichkeiten u.a. die fehlende soziale und familiäre Unterstützung (55%) und das Gefühl der Isolation (50%), Überlastung der Eltern (27%), Gewalterfahrung gegen Familienmitglieder (18%). Drogen, Alkohol und Sucht spielten jedoch keinerlei Rolle. Bei der Betreuung wurde bei 4 von 14 (29%) afrikanischen Frauen eine Genitalverstümmelung (FGM) entdeckt. 2 Familien benötigten eine intensivere Begleitung nach dem 3. postpartalen Monat.

Diskussion und Schlussfolgerungen: Schwangere Asylbewerberinnen haben einen vermehrten psychosozialen Betreuungsbedarf welcher von Familienhebammen aufgefangen werden kann. Durch den intensiven Kontakt werden zusätzliche Probleme offenbar (FGM). Größere Anstrengungen in der Versorgung sind nötig

Infos zum Preis:
Ethnisches und kulturelles (sprachliches, soziales und religiöses) Anders sein gehört inzwischen zu den alltäglichen Beobachtungen in der gesundheitlichen Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Dabei stehen ihren grundsätzlichen Ressourcen oft noch erhebliche Barrieren gegenüber, die schließlich die gesundheitliche Versorgung dieser Kinder benachteiligen – das zeigt sich am Beispiel von chronischen Erkrankungen bei Patienten aus Migrantenfamilien. Trotz des gleichen medizinischen Angebots verlaufen die Erkrankungen oft ungünstiger als bei Kindern und Jugendlichen aus Familien ohne Migrationshintergrund.

Gesundheitsberichte, aber auch exemplarische Beispiele zeigen, dass die Berücksichtigung von kulturspezifischen Besonderheiten durch vermehrtes Wissen des Personals, aber auch Abbau von sprachlichen und kulturellen Kommunikationsbarrieren zur Verbesserung der Ergebnisqualität führen kann.

Mit dem Preis für Transkulturelle Pädiatrie wollen die DGSPJ (Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin) und die ÖGKJ (Österreichische Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin) diese dringend notwendige Diskussion wissenschaftlich versachlichen, einem breiteren interdisziplinären Fachkreis zuführen und zielorientiert bündeln helfen.

Der Preis für Transkulturelle Pädiatrie besteht aus einem Geldpreis (z. Zt. EUR 1.000) und einer Urkunde.

Informationen zur Preisverleihung

Informationen zur Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin 

(Quelle: Information der DGSPJ (Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin) und der ÖGKJ (Österreichische Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin) vom 05. September 2015)