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In Kontakt bleiben mit (digitalen) Medien

Der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) Bodo Reuser, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut, erläutert, wie Fachkräfte Früher Hilfen ungewohnte Kommunikationswege gut nutzen können.

Die Kontaktbeschränkungen machen es notwendig, dass auch die Fachkräfte in den Frühen Hilfen den persönlichen Kontakt entsprechend reduzieren. Was bleibt, ist das Telefon, sind Videokonferenzen, Mail-Austausch und Chatten, etwa per Messenger. Die Regelungen des Datenschutzes sind dabei auch jetzt zu beachten, und der Einsatz von digitalen Medien muss mit dem Träger abgesprochen sein.

Die Herausforderung für unterstützende Gespräche per Telefon und Beratung mit digitalen Medien ist die
Reduzierung der Kommunikation auf die Stimme bzw. die Schriftsprache. Mimik, Gestik und ggf. der Klang der Stimme fallen weg. Das muss mit einer deutlich aktiveren Rolle der Fachkraft ausgeglichen werden. Es muss konkret nachgefragt werden, was nicht gesehen werden kann, und der "wohlwollende Blick" muss in Worte gefasst werden.

Nicht jedes Medium ist für jede Mutter, jeden Vater geeignet. Meist wird eine Kombination hilfreich sein. So kann vorab eine Mail mit den gewünschten Themen und Berichten über die aktuelle Situation ein Telefongespräch gut vorbereiten. Telefonisch kann in Krisensituationen geklärt werden, ob ein persönlicher Kontakt unumgänglich ist. Video-Telefonie bietet sich an, wenn etwas gezeigt werden soll, wenn sehr junge Eltern am ehesten so zu erreichen sind, beide Eltern am Gespräch teilnehmen wollen oder zumindest auf diesem Weg ein Blick aufs Kind notwendig erscheint. Insbesondere bei Eltern mit Sprachunsicherheiten sollte dasjenige Medium gewählt werden, mit dem sie am leichtesten kommunizieren können (zeitversetzt schreiben und lesen, telefonieren, ihr Anliegen zum Ausdruck bringen …).

Telefongespräche fordern die Konzentration der Fachkraft und sollten in einer ruhigen Atmosphäre stattfinden. Zu Beginn des Telefonats bietet sich deshalb die Frage an, ob der Zeitpunkt günstig ist und auch die Mutter bzw. der Vater ausreichend Ruhe für ein Telefonat hat. Verbunden damit ist immer die Frage, was das Kind/die Kinder gerade machen und wie ihnen trotz des Telefonats Aufmerksamkeit geschenkt werden kann.

Beim Austausch in der reinen Schriftsprache per Mail oder Chat sollten die Sprache und die Ausdrucksweise der Eltern soweit möglich aufgenommen werden. Auch sollten die Beiträge der Fachkraft etwa die gleiche Länge wie die der Eltern haben. Hilfreich ist es, zu Beginn das Anliegen mit eigenen Worten zu wiederholen, um sicherzugehen, dass es richtig verstanden wurde.

Ganz generell ist es von Vorteil, wenn die nicht-persönlichen Kontakte lieber kürzer, dafür aber häufiger stattfinden. So kann die Beziehung zur Familie aufrechterhalten werden. In der Kommunikation Wertschätzung und Sicherheit vermitteln, das geht auch fernmündlich oder schriftlich. Es gilt, das Vertrauen in die eigene Fachlichkeit zu bewahren und sich nicht von dem ungewohnten Medium verunsichern zu lassen. Dann kann mit einladender Selbstverständlichkeit telefoniert, gechattet und gemailt werden.

Infodienst Frühe Hilfen aktuell

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