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Science-Slam: Qualitätsentwicklung FH – Was? Wie? Wer? Wozu?

Lebendig und kurzweilig gelang Johanna Nolte, Prof. Dr. Kathrin Aghamiri, Dr. Felix Brandhorst und Prof. Dr. Jörg Fischer mittels 5-minütiger Kreativ-Impulse der fachliche Einstieg in das Thema Qualitätsentwicklung.

Wozu ist Qualitätsentwicklung wichtig? Welche Stolperfallen gibt es?

Johanna Nolte, johannanolte.info

Johanna Nolte begeisterte die Anwesenden mit einem "Vorwärts- und Rückwärts-Text". Zunächst führte sie dem Publikum anschaulich vor Augen, welche geschichtlichen Phasen die "Frühen Hilfen in Deutschland nach ihrem "Raketenstart" durchlaufen haben. In der Gegenwart angekommen, ginge es nun zentral um die Qualitätsentwicklung der Frühen Hilfen. Welche Chancen Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen entgegen aller Einwände bietet, das zeigte Nolte eindrucksvoll, als sie die "Stolperfallen der Qualitätsentwicklung" gegen den Strich las.

Gemeinsam kann es gelingen!

Nein, die Wahrheit ist,
Dass uns nicht viel verbindet.
Ich glaube nicht,
Dass unsere Ressourcen reichen können,
Dass QE für unser Tun wichtig ist.
Ich bin mir sicher,
Dass QE uns begrenzt,
Dass QE uns Spielräume nimmt.
Es ist ein Mythos,
Dass QE Systeme vereint.

 

Vielmehr ist wahr,
Dass die Familien aus dem Blick geraten.
Es ist falsch, zu glauben,
Dass wir besser werden, wenn wir reden,
Dass Streit konstruktiv ist.
Ich bin mir sicher,
Dass es am Ende nur Formalkram ist.
Es wäre gelogen, wenn wir sagen,

QE lohnt sich!

Der "Vorwärts-und-Rückwärts-Text":

Nach erstmaligem Lesen in gewohnter Vorgehensweise (Zeile für Zeile von oben nach unten, erst die linke, dann die rechte Strophe) bietet nochmaliges Lesen in umgekehrter Zeilenfolge (von unten nach oben, erst die rechte, dann die linke Strophe – s. kleine Grafik) einen Überraschungseffekt mit Kehrtwende.

Slam Johanna Nolte (Audio)

Wer ist bei einer gelingenden QE partizipativ einzubeziehen?

Prof. Dr. Kathrin Aghamiri, FH Münster

Kathrin Aghamiri beleuchtete in ihrem Kurzimpuls auf anschauliche Weise das Selbstverständnis vieler in den Frühen Hilfen arbeitenden Menschen: "Wir würden gern Vieles für die Leute tun!" Genau das funktioniere jedoch nicht, so ihre Schlussfolgerung. Partizipation hieße nach Richard Schröder, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden. Dies bedeute, auch über gesellschaftliche Abläufe und Angebote mitzubestimmen sowie Entscheidungen dialogisch zu teilen. Aghamiri machte deutlich, wie wichtig die Einbeziehung von Eltern ist: "Die Eltern müssen gehört werden!" Denn Eltern entscheiden, so Aghamiri, ob sie die Hilfe annehmen oder nicht. Daher sollten sie mit über die Ausgestaltung von Angeboten verhandeln können.

Slam Prof. Dr. Kathrin Aghamiri (Audio)

Wie sollte Qualitätsentwicklung umgesetzt werden?

Dr. Felix Brandhorst, ASH Berlin

Felix Brandhorst nahm das Publikum mit auf eine stürmische Reise, sowohl verbal als auch visuell. Anhand der Metapher einer Seereise ging er auf die vielen Befürchtungen ein, die mit einem Prozess der Qualitätsentwicklung einhergehen können. Zur Untermalung zeigte er im Hintergrund einen Film mit einem Schiff in stürmischer See und sehr hohem Wellengang. Brandhorst sprach von einer "Reise ins Ungewisse", von "Naturgewalten" wie Bürokratie, und von Matrosen, die man "verschleppen" könne, um sie ins Boot zu holen. Besser sei es aber, wenn diese Matrosen freiwillig ins Boot stiegen. Dafür müssen die Beteiligten aber verstehen, was ihnen die Reise bringe. So müssen alle Beteiligten gemeinsam im Dialog klären, in welches Boot es Sinn mache einzusteigen und von welchen Koordinaten man sich auf der Reise leiten lassen wolle. So werde die "Reise ins Ungewisse" zu einer "aufregenden Entdeckungsreise".

Slam Dr. Felix Brandhorst (Audio)

Was ist der Gewinn, wenn man Qualitätsentwicklung betreibt?

Prof. Dr. Jörg Fischer, Fachhochschule Erfurt

Jörg Fischer nahm das Publikum mit auf eine kleine Reise zurück in die Vergangenheit, um den Mehrwert der Frühen Hilfen für Eltern zu verdeutlichen. Er zeigte das scheinbar "idyllische" Bild eines Dorfes in einer Winterlandschaft aus dem 17. Jahrhundert. Viele Menschen starben damals in der sogenannten "kleinen Eiszeit" durch Hunger und mangelnde Anpassung an eine sich verändernde Umwelt. Fischer führte darauf aufbauend aus, dass jede Zeit ihre eigenen Herausforderungen habe. "Wir leben zwar in einer Zeit großen Wohlstandes, erleben aber dennoch eine hohe subjektive Unsicherheit, gerade bei der Frage nach einer guten Erziehung von Kindern." Der Mehrwert der Frühen Hilfen messe sich demnach an dem Ergebnis, inwieweit es gelinge, Eltern dazu zu befähigen, geeignete Antworten auf Fragen in einer sich dramatisch verändernden Umwelt zu finden. Daher plädierte er dafür, Prozesse der Qualitätsentwicklung immer von den Adressaten aus zu denken, also aus Sicht von Eltern.

Slam Prof. Dr. Jörg Fischer (Audio)

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