direkt zum Hauptinhalt springen

Qualitätsrahmen Frühe Hilfen – Grundlage der Qualitätsdialoge

Die Qualitätsdialoge Frühe Hilfen basieren auf dem Qualitätsrahmen Frühe Hilfen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH). Als Instrument zur Beschreibung und Diskussion der Qualität Früher Hilfen innerhalb konkreter örtlicher Gegebenheiten benennt er neun relevante Qualitätsdimensionen.

Der Qualitätsrahmen Frühe Hilfen lädt dazu ein, die örtlichen Strukturen und den aktuellen Stand Früher Hilfen zu bewerten, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Die darin benannten neun Qualitätsdimensionen umfassen relevante Handlungsfelder für Qualitätsentwicklung der Frühen Hilfen – ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Vielmehr bieten sie eine Orientierungshilfe für die Weiterentwicklung der sozialen und gesundheitlichen Angebots- und Versorgungsstrukturen und der kommunalen Gesamtkonzeption Früher Hilfen. Der Qualitätsrahmen Frühe Hilfen baut inhaltlich auf dem Leitbild Frühe Hilfen auf.

Der Qualitätsrahmen, den das NZFH gemeinsam mit seinem Beirat erarbeitet hat, stellt die Arbeitsgrundlage für das Projekt der Qualitätsdialoge Frühe Hilfen dar. Im Mittelpunkt des Prozesses stehen Fragestellungen, Bedarfe und Qualitätsentwicklungsinteressen, die von den kommunalen Akteuren selbst anhand der skizzierten Dimensionen des Qualitätsrahmens formuliert werden. Ausgangspunkt hierfür ist eine praxisorientierte Bestandsaufnahme, die mithilfe des Qualitätsrahmens für die jeweilige Qualitätsdimension vorgenommen wird. Sie wird die Grundlage für den weiteren dialogischen Qualitätsentwicklungsprozess sein.

Frühe Hilfen basieren auf der Grundidee einer sektorenübergreifenden und interprofessionellen Vernetzung von Akteuren aus der Kinder- und Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen sowie von weiteren Sozialleistungssystemen und Akteuren, wie der Schwangerschafts- und der Suchtberatung, den Einrichtungen zum Schutz vor Gewalt, der materiellen Sicherung und der Eingliederungshilfe. Diese Verknüpfung bildet die Basis zur Gewährleistung einer abgestimmten Infrastruktur auf kommunaler und regionaler Ebene, die sowohl die professionellen Handlungssysteme als auch die Lebenswelten der Adressaten einbezieht.

Die örtliche Konzeption Früher Hilfen basiert auf einer gemeinsam ausgehandelten Agenda von Zielen und darauf bezogenen Aktivitäten zur Zielerreichung. In diesem Prozess werden die unterschiedlichen rechtlichen und organisatorischen Vorbedingungen sowie professionsspezifischen Deutungs- und Handlungsmuster der beteiligten Akteure expliziert und konkret auf das gemeinsame Anliegen bezogen. Die handelnden Personen entwickeln dabei ein Bewusstsein dafür, dass die Zusammenarbeit über die Systemgrenzen hinweg Veränderungsprozesse in ihrer Alltagspraxis nach sich zieht. Auch auf der institutionellen Ebene werden dazu notwendige Prozesse der Organisationsentwicklung aktiv unterstützt.

Kommunale Netzwerke Frühe Hilfen sind eine Form arbeitsteilig organisierter, fallübergreifender und interprofessioneller Zusammenarbeit in Steuerungsverantwortung des öffentlichen Jugendhilfeträgers. Die Netzwerke beziehen die Kinder- und Jugendhilfe sowie das öffentliche und private Gesundheitswesen ein, aber auch weitere für Kinder und Familien relevante soziale Unterstützungssysteme, beispielsweise aus dem Bereich der Schwangerschaftsberatung, dem Schutz vor Gewalt, der Eingliederungshilfe und der materiellen Existenzsicherung.

Im Vordergrund steht der Auf- und Ausbau verbindlicher Kommunikations- und Kooperationsstrukturen, die der Weiterentwicklung der Infrastruktur Früher Hilfen für Familien dienen und die verlässliche Absprachen zwischen den beteiligten Akteuren sicherstellen sollen. Nachhaltig organisierte und schlüssig konzipierte Netzwerke entwickeln am örtlichen Bedarf orientierte und aufeinander abgestimmte Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten für Familien in der Weise, dass Familien die Frühen Hilfen tatsächlich nutzen und auch für sich hilfreich erleben.

Frühe Hilfen zielen darauf ab, eine bedarfsgerechte Infrastruktur für Kinder, (werdende) Eltern und Familien zu gewährleisten. Dabei geht es nicht nur um einen rein quantitativen Ausbau vorhandener und neuer Angebote oder Leistungen, sondern auch um die qualitative Weiterentwicklung bereits bestehender Versorgungsund Angebotsstrukturen. Zur Realisierung ist eine zentrale, ressortübergreifende Planung (Jugendhilfeplanung sowie Sozial- und Gesundheitsplanung) notwendig. Diese Planung fällt als vorwiegend strategische Aufgabe in den Verantwortungsbereich von Führungs- und Leitungskräften, sollte aber im engen Austausch mit der operativen Ebene erfolgen.

Frühe Hilfen werden auf örtlicher Ebene umgesetzt – verbunden mit einer Steuerungsverantwortung durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Dazu gilt es, die Grundidee konkret auf die lokalen Kontextbedingungen zu beziehen und darüber ein eigenes Verständnis von Frühen Hilfen im Rahmen einer sozialen Kommunalpolitik zu verankern und auszufüllen. Die erfolgreiche Implementierung Früher Hilfen hängt dabei maßgeblich von der Unterstützung der politischen Ebene und der damit verbundenen Ressourcenzuweisung ab.

Frühe Hilfen bilden durch ihren sektorenübergreifenden Anspruch ein neues, interprofessionell angelegtes Handlungsfeld zur präventiven Unterstützung von Familien, zu dessen wesentlichen Qualitätsdimensionen die Entwicklung einer allgemeinen und spezifischen Fachlichkeit der verschiedenen Akteure in ihren jeweiligen Systemen und Verantwortungsbereichen zählt. Dies gilt für professionelle Akteure ebenso wie für freiwillig Engagierte, für Fachkräfte ebenso wie für Personen mit Steuerungsfunktion. Als zentrale Bezugspunkte für Qualifizierung und Kompetenzentwicklung werden hier das interprofessionelle, kooperative sowie vernetzte Lernen in unterschiedlichen Formaten (wie z. B. Weiterbildungen, Fallreflexionen, Supervision, Intervision, Qualitätszirkel, kollegiale Beratungen, Hospitationen) in einer partizipativen Ausrichtung der Frühen Hilfen beschrieben.

Frühe Hilfen haben zum Ziel, Familien zu unterstützen: Kinder, (werdende) Eltern und andere für die Pflege und Erziehung des Säuglings oder Kleinkindes in den Familien verantwortliche Personen. Die Kinder, Eltern und anderen Erziehungspersonen stehen als Adressaten im Mittelpunkt jeglichen Handelns.

Während die Grundsätze der Bedarfsorientierung und der Beteiligung von Familien an der Entwicklung der Angebotsstrukturen vorrangig in den Qualitätsdimensionen Grundidee (QD 1) und Planung (QD 4) bearbeitet werden, steht im Fokus dieser Qualitätsdimension die Frage, wie sich die Grundprinzipien von Transparenz, Vertrauen und Wertschätzung in der Zusammenarbeit mit den Familien verwirklichen lassen.

Die Idee Früher Hilfen basiert darauf, dass sich unterschiedliche Angebote von institutionellen, professionellen und zivilgesellschaftlichen Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens sowie von weiteren für Kinder und Familien relevanten sozialen Hilfesystemen zu einem vernetzten Unterstützungssystem verdichten (Infrastruktur Früher Hilfen).

Dies bedarf nicht nur der Verständigung auf eine Grundidee Früher Hilfen (vgl. Qualitätsdimension 1) und übergreifende Zielbestimmung (vgl. Qualitätsdimension 2), sondern erfordert auch von allen beteiligten Akteuren, dass sie ihre Angebote im Kontext dieses Gesamtsystems einer kontinuierlichen Qualitätsdiskussion und Qualitätsentwicklung unterziehen. Die Qualität des Gesamtsystems Früher Hilfen korrespondiert eng mit der Qualität seiner Bestandteile im Rahmen einer koordinierten und multiprofessionellen Angebotsgestaltung im Sinne von § 1 Abs. 4 und § 3 Abs. 1 KKG.

Die Dokumentation professionellen Handelns ist in Arbeitskontexten mit sozialem, gesundheitsbezogenem oder pädagogischem Auftrag häufig verpflichtend und dient der rechtlichen Absicherung. Je nach Institution, Berufsgruppe und Aufgaben können hier unterschiedliche verbindliche Vorgaben bestehen. Gleichzeitig dient sie der Selbstvergewisserung und als Grundlage zur Kommunikation mit Adressaten, Auftraggebern sowie Kooperations- und Netzwerkpartnern. Auch in den Frühen Hilfen können Daten (beispielsweise aus der Falldokumentation) zur systematischen Reflexion der Arbeit genutzt werden, um den Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren auf eine gesicherte Grundlage zu stellen.

Evaluationen sind Datenerhebungen, die – mehr noch als Dokumentationen – für die systematische Bewertung der Arbeit eingesetzt werden, um den Arbeitsbereich weiterzuentwickeln. Deshalb geht die Datenbeschaffung für eine Evaluation in aller Regel über die Nutzung von Daten der regulären Dokumentation hinaus. Evaluation liefert gültige (valide) und zuverlässige (reliable) Daten, die Entscheidungen in und für Arbeitsbereiche begründen. Dokumentation und Evaluation können der Legitimation und der Kontrolle, insbesondere aber der Entwicklung Früher Hilfen dienen. Hochwertige Dokumentationen und Evaluationen sind insofern vor allem für die Familien in den Frühen Hilfen nützlich.

Hinweis: Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking).
Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.