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Vertiefungsstudie – Hintergrund

Ausführliche Informationen zum Hintergrund der Vertiefungsstudie des NZFH: zu Forschungsfragestellungen, Feldzugang und Datenerhebung sowie zu den Ziel-Parametern und verwendeten Verfahren

Die "Vertiefungsstudie" ist eine Teilstudie des Studienprogramms der Prävalenz- und Versorgungsforschung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) zum Vorkommen von psychosozialen Belastungen in Familien mit 0- bis 3-jährigen Kindern in Deutschland und ihrer Kenntnis bzw. Inanspruchnahme von regulären Unterstützungsangeboten sowie von spezifischen Angeboten der Frühen Hilfen.

Ziel des Forschungsbereichs sind Erkenntnisse zu folgenden Fragestellungen:

  • Welche unterschiedlichen Konstellationen von Belastungen gibt es in Familien in Deutschland?
  • Wie häufig kommen diese Belastungskonstellationen vor? 
  • Mit welchen weiteren Merkmalen der sozialen Lage bzw. der Region gehen die Belastungen einher? 
  • Welche Auswirkungen haben diese Belastungen auf die kindliche Entwicklung? 
  • Inwieweit kennen und nutzen Familien aus unterschiedlichen sozialen Gruppen derzeit angebotene professionelle Hilfen? 

Die Vertiefungsstudie soll Einblicke in spezifische Belastungskonstellationen in Familien ermöglichen mit Hilfe derer künftig genauere Prognosen zu Bedingungen von positiven bzw. negativen Entwicklungsverläufen bei psychosozialen Belastungen ermöglicht werden sollen. 

Die Vertiefungsstudie wird in Kooperation mit einem Forschungsverbund aus entwicklungspsychologischen Lehrstühlen der Universitäten Erlangen-Nürnberg, Wuppertal und Bielefeld durchgeführt. Dabei obliegen den Partnern unterschiedliche Verantwortlichkeiten in Bezug auf die relevanten Fragestellungen und durchzuführenden Analysen.

Die erste Erhebungswelle zu Auswirkungen familiärer Lebenslagen und dem Einfluss auf die kindliche Entwicklung und deren Auswertung wurde von dem Forschungsverbund der Lehrstühle Prof. Spangler (Universität Erlangen), Prof. Zimmermann (Universität Wuppertal) und Dr. Vierhaus (Universität Bielefeld) durchgeführt.

In einer Teilauswertung, die vom Projektteam um Andreas Eickhorst am Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführt wurde, ging es um den Zusammenhang psychosozialer Belastungen und dem Misshandlungsrisiko. Daten zu verschiedenen Fragestellungen wurden erhoben: Wie hängen unterschiedliche psychosoziale Belastungen mit dem Misshandlungsrisiko zusammen? Welche Belastungsfaktoren spielen eine besondere Rolle? Wie hängt das Misshandlungsrisiko mit der Nutzung Früher Hilfen zusammen?  

Im Rahmen der Vertiefungsstudie des NZFH wurden beide Bezugspersonen, also Mütter und Väter, zu verschiedenen Belastungsmerkmalen untersucht. Befunde aus der ersten Erhebungswelle der Vertiefungsstudie wurden hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Bezugspersonen und Belastungsgruppen sowie auf Vorhersagefaktoren des Entwicklungsstandes des Kindes ausgewertet.

Forschungsfragestellungen:

  • Wie hängen unterschiedliche psychosoziale Belastungen mit der Entwicklung der Kinder und ihrem Problemverhalten zusammen?
  • Welche Rolle spielen vermittelnde Faktoren wie Kompetenzen der Eltern, Bindungspotential oder emotionale Faktoren?
  • Welche Belastungsfaktoren spielen für das Misshandlungsrisiko eine besonders bedeutende Rolle?
  • Wie hängen Anzahl und Art der Belastungsfaktoren mit dem mütterlichen und väterlichen Misshandlungsrisiko zusammen?
  • Wie hängt das per indirekter Skala geschätzte Misshandlungsrisiko mit der tatsächlich zugegeben Misshandlung/Vernachlässigung zusammen?
  • Gibt es Zusammenhänge zwischen den erhobenen Konzepten und der Nutzung Früher Hilfen?
  • Gibt es Unterschiede zwischen Müttern und Vätern hinsichtlich der erhobenen Zusammenhänge?

Feldzugang/Design:

Die Stichprobenauswahl erfolgte aus den Familien in den Pilotstudien, in denen das Kind im Erhebungszeitraum das Alter für eine der beiden Kohorten erreichte (10-12 Monate und 17-19 Monate). Um die gewünschte Anzahl an Familien zu erreichen, wurden die Altersgruppen auf 10-14 Monate (M =11.8 Monate) und 17 -21 Monate (M = 18.7) ausgeweitet.
Aufgrund ihrer Anzahl an vorhandenen Risikofaktoren in der Pilotstudie (z.B. Armut, Arbeitslosigkeit, niedrige Bildung, Frühe Mutterschaft, psychische Erkrankungen der Eltern, Partnerschaftsgewalt) wurden die teilnehmenden Familien in drei Belastungsgruppen eingeteilt (niedrig, mittel, hoch). 

Durchgeführt wurden bei knapp 200 Familien in zwei Alterskohorten Elterninterviews, intensive Fragebogenerhebungen sowie Entwicklungstests der Kinder im häuslichen Umfeld.  Ein Teil der soziodemographischen Informationen wurde schon im Rahmen der Pilotstudie erfasst und, soweit diese nicht veränderlich waren, nicht erneut in der Vertiefungsstudie erfragt. In diesem Falle wurde auf die Daten der Pilotstudie zurückgegriffen. Um die Auswirkungen von familiären Belastungen auf die Entwicklung des Kindes untersuchen zu können, wurde eine Wiederholung der Hausbesuche nach ca. sieben Monaten vorgenommen (Längsschnittdesign). Dieses Studiendesign ermöglichte es, durch Verknüpfung der Ergebnisse der einzelnen Kohorten auf einen längeren Entwicklungszeitraum der Kinder rückzuschließen.

Datenerhebung:

Die Daten wurden im Rahmen von Hausbesuchen erhoben und umfassten Verhaltensbeobachtungen, Testdurchführungen sowie Fragebogendaten welche größtenteils von beiden Elternteilen ausgefüllt wurden. Während bei den Hauptbezugspersonen ein Teil der Fragebögen vorab per Post versandt und ein Teil während des Hausbesuchs ausgefüllt wurde, bekamen die zweiten Bezugspersonen eine Auswahl der Fragebögen per Post zugeschickt. Die versandten Fragebögen wurden von den Versuchsleitern zum Hausbesuchstermin eingesammelt.

Ziel-Parameter und verwendete Verfahren:

  • Körperliche Kindesmisshandlung | Child Abuse Potential Inventory- Short Form (Ondersma et al., 2005): eine 33 Items umfassende Kurzversion des Child Abuse Potential Inventory (CAPI; Milner, 1994), einem Screeninginstrument mit ja-nein-Anwortformaten zur Erfassung von körperlicher Kindesmisshandlung.
  • Elterliches Belastungserleben |  Eltern-Belastungs-Inventar (EBI; Tröster, 2010): die deutsche Version des Parenting Stress Index mit 48 Items zur Erfassung des elterlichen Belastungserlebens durch zwei übergeordnete Skalen: (1) Eigenschaften und Verhaltensweisen des Kindes, aus denen sich spezifische Anforderungen für die Eltern ergeben (Kindbereich, 20 Items) und (2) Einschränkungen elterlicher Funktionen, die die Ressourcen beeinträchtigen, die den Eltern zur Bewältigung der Anforderungen in der Erziehung, Betreuung und Versorgung ihres Kindes zur Verfügung stehen (Elternbereich, 28 Items).
  • Allgemeiner Stress | Perceived Stress Scale (PSS; Cohen, Kamarck & Mermelstein, 1983) zur Erfassung des "Allgemeinen Stresses". Die PSS wurde zum Einsatz in der Allgemeinbevölkerung entwickelt und in der 4 Items umfassenden Kurzversion eingesetzt.
  • Soziale Unterstützung und Co-Parenting | Beziehungs- und Familienpanel pairfam (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics, 2012): zur Erfassung der sozialen Unterstützung wurden 2 Items aus dem Beziehungs- und Familienpanel pairfam eingesetzt sowie weitere 3 Items zur elterlichen Kooperation ("Co-parenting"). Weitere 2 Positivitems wurden hinzugefügt.
  • Partnerschaftsqualität | Kurzversion der Dyadic Adjustment Scale (DAS; dt. Übersetzung: Hank, Hahlweg, & Klann, 1990): eine speziell für nationale Surveys entwickelte Kurzversion der Dyadic Adjustment Scale (DAS) zur Erfassung der Partnerschaftsqualität mit 4 Items.
  • Depressive Symptome der Eltern | Patient Health Questionnaire (PHQ-9; Kroenke, Spitzer, & Williams, 2001): 9 Items aus dem Patient Health Questionnaire  zur Erfassung depressiver (Grund-)Symptome der Eltern.
  • Selbstwirksamkeit in der Elternrolle | Parenting Self-Efficacy in Nurturing Role Questionnaire (SENR; Pedersen, Bryan, Huffman, & Del Carmen, 1989). Deutsche Übersetzung des SENR in der postnatalen Version zur Erfassung der Selbstwirksamkeit in der Elternrolle 
  • Explosiveness/Wutneigung | Child Abuse Potential Inventory (Milner, 1994) : 2 Items aus der Langfassung  des CAPI zur Erfassung der elterlichen Wutneigung ("Explosiveness").
  • Tatsächliche Kindeswohlgefährdung | National Survey of Child Safety and Victimisation (Radford et al., 2011): 6 Items, die auch für jüngere Altersgruppen geeignet waren, wurden ausgewählt, übersetzt und vereinfacht -  3 Items zu tatsächlicher Kindeswohlgefährdung und 3  zu häuslicher Gewalt.
  • Belastungen durch Regulationsprobleme | Drei weitere Fragen zur subjektiven Belastung durch Regulationsstörungen der Kinder – jeweils eine Frage pro Regulationsbereich:  Belastung durch häufiges, massives kindliches Schreien, Belastungen durch Ein- und Durchschlafstörungen sowie Belastungen durch Probleme beim Füttern des Kindes.
  • Soziodemographische Risikofaktoren | Daten zu Migrationsstatus, Bildungsstatus und Armut (Empfang staatlicher Leistungen) aus den Pilotstudien.
  • Entwicklungsstand der Kinder | Bayley Scales of Infant Development (Bayley, 2014): Erfassung des Entwicklungsstandes der Kinder mithilfe drei verschiedener Skalen: kognitive Entwicklung, expressive und rezeptive Kommunikation.
  • Temperament der Kinder |Infant Behavior Questionnaire (IBQ; Rothbart, 1981), Early Childhood Questionnaire (ECBQ; Rothbart, 2003): Erfassung des kindlichen Temperaments  mit drei Skalen auf der Grundlage der beiden  Erhebungsbögen IBQ und ECBQ: Extraversion, negativer Affekt und Selbstregulation.
  • Problemverhalten der Kinder | Screeningbogen Frühe Kindheit (2013): Erfassung des Problemverhaltens anhand der beiden Parameter psychische Auffälligkeiten und weiterer Bedarf an spezifischer Diagnostik in den Bereichen emotionaler Probleme und Verhaltensprobleme.

Publikationen

Weitere Informationen auf fruehehilfen.de

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