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WS 4 - Good practice Projekte in einzelnen Landkreisen - "Jetzt schon ein Kind"/ Mansfeld-Südharz und "Flexible Elternhilfe"/ Anhalt-Bitterfeld

Sylke Birner-Klitzsch, pro familia Hettstedt; Christina Wischalla, pro familia Hettstedt, fachliche Inputs; Dr. Martin Dreffke, Ev. Kinder- und Jugendhilfezentrum ARCHE, Moderation

Im Workshop wurden zwei Input-Vorträge als bewährte Praxisbeispiele zum Thema - Frühe Hilfen - vorgestellt:

Zum einen ein Projekt der pro familia Hettstedt zum Thema „Jetzt schon ein Kind“. In diesem wird durch ein zehn Module umfassendes Programm, Präventionsarbeit in Schulen rund um die Themen Partnerschaft, Verhütung, Schwangerschaft und Kleinkindpflege geleistet (s.u.).

Zum anderen das Angebot „Flexible Elternhilfe“ des Ev. Kinder- und Jugendhilfezentrums ARCHE. In diesem wird jungen Müttern und deren Kindern in Überlastungssituationen Hilfe zur Erziehung zuteil - in einer Mischform aus Tagesgruppenarbeit und Sozialpädagogischer Familienhilfe. Zielgruppe sind Kinder von sechs Monaten bis ca. Einschulung.

Beide Angebote sind bewährte Praxisbeispiele, für eine bereits über mehrere Jahre gelingende Netzwerkarbeit im Bereich Frühe Hilfen.

Sowohl im Projekt „Jetzt schon ein Kind“ (Gynäkologie, Hebammen, Kliniken bzw. Geburtshäuser) als auch in der Arbeit der „Flexible Elternhilfe“ (Kinderärztepraxis, Frühförderung, Logopädie etc.) gibt es zahlreiche Netzwerkpartnerschaften, die für eine gelingende Arbeit unverzichtbar sind.

Entscheidend für eine praktische Realisierbarkeit ist bei beiden Praxisbeispielen eine solide Finanzierung der Arbeit, besonders auch in Hinblick auf die Netzwerkpartnerinnen und -partner. Es wurde konstatiert, dass es bereits seit längerer Zeit zahlreiche sehr gute Praxisbeispiele im Land gibt, die als Frühe Hilfen wirksam werden. Netzwerkarbeit muss daher immer wieder gepflegt und unter hohem Engagement „am Leben gehalten“ werden.

Das Projekt „Jetzt schon ein Kind?!“

„Jetzt schon ein Kind?!“ ist ein Präventionsprojekt des pro familia Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mansfeld-Südharz, dort insbesondere dem Jugendamt. Im Landkreis Mansfeld Südharz wird das Projekt innerhalb der 9. Klassen der Gymnasien, Sekundarschulen und Förderschulen durchgeführt. Weiterhin findet die Umsetzung auch in Berufsschulklassen statt.

Das Projekt besteht aus zehn aufeinander aufbauenden Modulen, in denen die folgenden Inhalte Thema sind:

  1. Einführung in die Themen des Projektes und Kennenlernen der Babysimulatoren
  2. Lebens- und Familienplanung
  3. Liebe, Partnerschaft, Sexualität
  4. Verhütung
  5. Schwangerschaft und Geburt
  6. Ungewollt schwanger , was nun?
  7. Unterstützungsmöglichkeiten für (werdende) Familien
  8. Entwicklung und Bedürfnisse eines Säuglings im 1. Lebensjahr
  9. Elternsein mit Höhen und Tiefen
  10. Gesunde Lebensweise in der Schwangerschaft

Am Ende des zehnten Moduls können sich die Schüler und Schülerinnen dazu entscheiden, ob sie mit einem Babysimulator ein Elternpraktikum über einen Zeitraum von mindestens drei Tagen durchführen möchten.

Um dieses Projekt lebendig und anschaulich zu gestalten, wird mit einer großen Anzahl von Materialien gearbeitet, z.B. Modellen zur Darstellung des weiblichen Zyklus, Modelle von Ungeborenen in verschiedenen Stadien der Entwicklung, Babysimulationspuppen etc.. Die aktive Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler wird durch die Anwendung abwechslungsreicher Methoden sichergestellt.

Innerhalb des Projektes werden eine Vielzahl von Kooperationspartnerinnen und - partnern im Landkreis Mansfeld–Südharz vernetzt. Zu den entsprechenden Modulen werden die Kooperationspartnerinnen und -partner aufgesucht oder sie referieren im Rahmen des Projektes. Netzwerkinstitutionen sind z.B.:

  • Schwangerenberatungsstellen
  • Jugendamt
  • Krankenhäuser, Geburtshäuser
  • Kinderärztinnen und Kinderärzte, Frauenärztinnen und Frauenärzte, Hebammen
  • Familienhilfe, Erziehungsberatungsstellen
  • Suchtberatungsstellen
  • Mutter-Vater-Kind-Einrichtungen
  • Krankenkassen und Frühförderstellen

Zentrale Aspekte und Zielsetzungen 

  • Bewusste Entscheidung für eine Elternschaft fördern 
  • Auf Besonderheiten einer frühen eventuell ungewollten Schwangerschaft hinweisen 
  • Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfen aufzeigen 
  • Über elterliche Verantwortung aufklären 
  • Auf notwendige Erziehungskompetenzen hinweisen

Fazit des Workshops

Die Teilnehmenden des Workshops wünschen sich, dass solche guten Beispiele von Frühen Hilfen möglichst viele Nutzenden erreichen. Darüber hinaus sollen die Frühen Hilfen nicht nur als Präventionsarbeit und über ehrenamtliche Helfende realisiert werden, sondern weiterhin eine breite Palette von Angeboten zur Verfügung stehen.

Generell ist zu sagen, dass die Netzwerkarbeit im Bereich der Frühen Hilfen bereits sehr gut strukturell organisiert ist und durch solide Finanzkonzepte auch über sehr lange Zeiträume einem großen Kreis von Nutzenden zur Verfügung gestellt werden sollte.

Besonders das Projekt „Jetzt schon ein Kind“ weist einen großen präventiven Charakter auf. Es zeigt bereits jetzt Ergebnisse im Sinne der Frühen Hilfen wie beispielweise die Vermittlung von Wissen über Schwangerschaft, Geburt und kindliche Entwicklung und der Umgang mit materiellen und finanziellen Ressourcen.

Die Teilnehmenden erhielten einen Überblick der Vielzahl an Materialien und der methodischen Umsetzung des Projektes. Daraus entstand die Frage, ob das Projekt auch in anderen Landkreisen durch den pro familia LV Sachsen-Anhalt umgesetzt werden könnte.

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