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Hauptstudie – Ausgewählte Ergebnisse

Ausgewählte Ergebnisse der Hauptstudie zu Belastungen der Eltern sowie zur Kenntnis und Nutzung der Netzwerke Frühe Hilfen durch die teilnehmenden Kinderärztinnen und -ärzte

Zusammenhänge von Belastung und Auftreten von depressiven und ängstlichen Symptomen

Bei 4,4 % der befragten Mütter und Väter gibt es starke Hinweise für das Vorliegen einer depressiven oder ängstlichen Symptomatik, bei 15,7 % der Eltern schwächere Hinweise.

Frauen berichten dabei in höherem Maße als Männer von Symptomen, die auf eine Depression oder Angststörungen hinweisen. Im Vergleich einzelner Altersgruppen fällt die erhöhte Belastung sehr junger Eltern auf. Die Gruppe der unter 25-jährigen Eltern berichtet mehr Depressions- und Angstsymptome als die Allgemeinbevölkerung in vergleichbarem Alter. Allerdings verdeckt das Alter andere, relevantere Faktoren. Als relevant erweisen sich: "ungeplante Schwangerschaft, Bezug von Sozialleistungen, Alleinerziehendenstatus, Unzufriedenheit in der Partnerschaft und ein als negativ empfundenes Temperament des Kindes". Berücksichtigt man diese weiteren Belastungsfaktoren, so werden Alter und Geschlecht des Elternteils unbedeutend, d.h. diese beiden Faktoren weisen keinen eigenständigen Zusammenhang zur Symptombelastung auf. Die Ergebnisse weisen außerdem darauf hin, dass depressive und ängstliche Symptome mit stärkeren Belastungen der Eltern-Kind-Beziehung einhergehen bzw. die Wahrnehmung des Kindes durch die Eltern überschatten. 

Zusammenhänge von Belastung und Bildung

Betrachtet man die Häufigkeiten unterschiedlicher psychosozialer Belastungs- bzw. Risikofaktoren über verschiedene Bildungsniveaus hinweg, so fällt auf, dass beinahe alle Faktoren das gleiche Muster aufweisen: Teilnehmer aus der Gruppe der Niedriggebildeten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von Risikofaktoren betroffen zu sein, als Teilnehmer mit mittlerem oder hohem Bildungsniveau. Die Hochgebildeten sind meist am wenigsten betroffen. Sehr deutlich ist dieses Ergebnis bei dem erfragten Risikofaktor "Bezug von SGB II Leistungen": 60% der Niedriggebildeten beziehen diese Leistung, während nur 6% der hochgebildeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer dies tun. 

"Ungeplante Schwangerschaft" ist ein weiteres Risikomerkmal, bei welchem das beschriebene Muster klar hervortritt: Der Unterschied zwischen den Extremgruppen liegt bei 30% (43% der Niedriggebildeten, aber nur 13% der Hochgebildeten gaben an, dass die Schwangerschaft ungeplant war).

Das einzige Risikomerkmal, in dem das beschriebene Muster nicht zu finden ist, ist die "erhöhte elterliche Stressbelastung". Sowohl bei den Niedriggebildeten als auch bei den Hochgebildeten sind knapp 20% von Stressbelastung betroffen. Das Risikomerkmal "elterliche Stressbelastung" tritt damit unabhängig vom elterlichen Bildungsniveau auf. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Bildung zwar mit sehr vielen, jedoch nicht allen hier relevanten Faktoren zusammenhängt. Insbesondere der für die vorliegende Zielgruppe hoch relevante Bereich des elterlichen Stresses scheint also mit anderen Faktoren zu korrespondieren. 

Kenntnis und Nutzung der Netzwerke Frühe Hilfen durch die teilnehmenden Kinderärztinnen und -ärzte

Die Ärztinnen und Ärzte, in deren Praxen Familien befragt wurden und die sich zusätzlich bereit erklärt haben, selbst an einer Fragebogenerhebung teilzunehmen, wurden nach ihren Kenntnissen und Meinungen zu Frühen Hilfen im Generellen sowie zu ihrem jeweiligen lokalen Netzwerk befragt. Die folgenden Ergebnisse beruhen auf der Auswertung einer vorläufigen Stichprobe von N = 200 (Stand März 2017). 

Die große Mehrheit der Befragten (86,5%) kennt ihr kommunales Netzwerk der Frühen Hilfen. Lediglich knapp 10% der Ärzte sagten, dass es ihnen nicht bekannt sei, weitere 2,5% der Ärzte gaben an, dass es bei ihnen kein solches Netzwerk gebe. (s. Abb. 6) Zudem hatten 71% der Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2014 mindestens einmal Kontakt mit dem Netzwerk, indem sie zum Beispiel eine Informationsveranstaltung besuchten.

In einer offenen Abfrage hatten die Kinderärztinnen und -ärzte dann die Möglichkeit, die ihnen als Vermittlungsmöglichkeiten bekannten Institutionen konkret zu nennen. Davon machten 88,5% der Befragten Gebrauch (Mehrfachnennungen waren möglich; in der Regel gab es ein bis zwei Nennungen pro Ausfüllendem). Hierbei wurde am häufigsten die Möglichkeit genannt, Familien an Jugendämter zu verweisen (n = 54), gefolgt von Beratungsstellen aller Art (36) und Familienhebammen (31). Ein Fünftel der Ärztinnen und Ärzte nannten auch die allgemeine Verweismöglichkeit zu "Frühen Hilfen", ohne diese jedoch weiter zu spezifizieren. 30 Pädiater nannten "Koordination/Netzwerk Frühe Hilfen", 10% "weitere Ärzte, eine Klinik, psychiatrische Ambulanz oder SPZ" als bekannte Vermittlungsmöglichkeit. Spezifische Programme wie "Wellcome" wurden insgesamt 10 Mal genannt und darüber hinaus wurden noch Anlaufstellen wie Frühförderung oder Gesundheitsämter (9 bzw. 7) erwähnt. Vereinzelnd genannt wurden noch (weitere) Angebote von Stadt oder Kirche. (s. Abb. 7)

Eine tatsächliche Vermittlung hatte bei gut der Hälfte der Ausfüllenden stattgefunden: 59% der Befragten gaben an, dass sie im Jahr 2014 eine oder mehrere Familien an das Netzwerk Frühe Hilfen vermittelt haben. (s. Abb. 8) 

Abschließend wurden die Teilnehmenden um ihre Einschätzung zur konzeptionellen Ausrichtung der Frühen Hilfen gebeten. Dabei ergibt sich ein heterogenes Bild. (s. Abb. 9)

Hinsichtlich der Zuständigkeit von Frühen Hilfen gehen die Meinungen auseinander: 55% stimmten der Aussage "eher" oder "voll und ganz" zu, Frühe Hilfen seien Unterstützungsangebote für "alle" (angehenden) Eltern – also ein primär präventives Angebot. Allerdings stimmte darüber hinaus die große Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte (95%) der Aussage zu, dass Frühe Hilfen ein Unterstützungsangebot für Familien in "belasteten Lebenslagen" seien – und damit ein sekundär präventives Angebot. Die Frage, ob Frühe Hilfen Angebote für "Familien in oder nach Krisen" – und damit ein tertiär präventives Angebot – seien, konnten 89,5% der Teilnehmenden bejahen.

Hinsichtlich des Alters der Zielgruppe der Frühen Hilfen zeigt sich ebenfalls ein breites Spektrum an Antworten. So stimmten zwei Drittel der befragten Kinderärzte "voll und ganz" oder "eher" zu, dass die Frühen Hilfen Unterstützungsangebote für Familien mit Kindern "bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres" seien. Auch der Aussage, dass Frühe Hilfen Unterstützungsangebote für Familien mit Kindern "bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres" seien, stimmten 73% zu. Bei der Frage, ob Frühe Hilfen ein Unterstützungsangebot für Familien mit Kindern "bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres" seien, verschiebt sich das Antwortmuster in Richtung Ablehnung. Die Hälfte der befragten Kinderärztinnen und Ärzte stimmte dieser Aussage "eher nicht" oder "gar nicht" zu (51%), allerdings konnten 31,5% dies auch bejahen (mit den Antworten "eher" und "voll und ganz"). 17% der Befragten waren der Meinung, dass Frühe Hilfen ein Unterstützungsangebot für Familien mit Kindern "über 6 Jahren" seien; 51% stimmten hier "eher nicht" oder "gar nicht" zu.

In dem abschließenden Themenblock sollten Aussagen zur konzeptionellen Zuordnung der Maßnahmen bewertet werden. Die meisten Befragten sind hier der Meinung, dass Frühe Hilfen eine "Maßnahme zur Verbesserung des Kinderschutzes" seien. Eine große Mehrheit von 92% der Befragten stimmte dieser Aussage entweder "voll und ganz" oder "eher" zu. Keiner der Teilnehmenden stimmte dieser Aussage gar nicht zu. Jeweils 84% stimmten ("eher" oder "voll und ganz") zu, dass Frühe Hilfen eine "Maßnahme zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz" bzw. "einzelfallbezogene Hilfen" seien, 82,5%, dass Frühe Hilfen eine "Maßnahme zur Erkennung von kindlichen Risikolagen" seien. Eine leichte Mehrheit (59%) stimmte der Aussage zu, Frühe Hilfen seien eine "Maßnahme zur Gesundheitsförderung". Neun Ärztinnen und Ärzte (4,5%) stimmten hier "gar nicht" zu. Weniger überzeugt sind die Kinderärztinnen und –ärzte davon, dass Frühe Hilfen eine "Maßnahme der Infrastrukturentwicklung" seien. Lediglich 19,5% der Befragten stimmten dieser Aussage "voll und ganz" zu.

Publikationen

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