Damit Armut nicht krank macht – über starke Familien zu gesunden Kindern

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Gesundheit & Frühe Hilfen und elf weitere Institutionen und Verbänden haben zu einer Kooperationstagung am 18. Oktober 2018 nach Berlin eingeladen, um sich über die Folgen von Armut auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern und deren Bedeutung für die Frühen Hilfen auszutauschen.

Foto-Impressionen der Tagung

  • Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als Trägerin des Nationalen Zentrum Frühe Hilfen begrüßt die Teilnehmenden der Kooperationstagung am 18.10.2018 in Berlin zum Thema: „Damit Armut nicht krank macht – über starke Familien zu gesunden Kindern“. (Foto: André Wagenzik)

  • Mechthild Paul, Leiterin des NZFH, Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin des Deutschen Jugendinstituts, Kooperationspartner im NZFH, Susanne Wald, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), und Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als Trägerin des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen und Dr. Sönke Siefert, Vorsitzender und Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit & Frühe Hilfen. (Foto: André Wagenzik)

  • Rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen an der Kooperationstagung, für die sich 13 Institutionen und Verbände zusammengeschlossen haben, in Berlin teil. (Foto: André Wagenzik)

  • Expertinnen und Experten diskutierten über die aus ihrer Sicht und Erfahrung wesentlichen Aspekte zum Thema, v.l.n.r.: Mechthild Paul (Moderation), Hermann Kostrewa, Prof. Dr. Sabine Andresen, Andreas Staible, Prof. Dr. Ute Thyen, Dr. Petra Kapaun und Dr. Sönke Siefert (Moderation). (Foto: André Wagenzik)

Nach der Begrüßung durch Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Dr. Sönke Siefert von der BAG Gesundheit & Frühe Hilfen hob Juliane Seifert, Staatssekretärin  im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die Bedeutung der Frühen Hilfen als einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit von Kindern hervor.  
Susanne Wald, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) betonte, dass die Zusammenarbeit von Akteuren des Gesundheitswesens, der Kinder- und Jugendhilfe, der KiTas und Schulen, der Sozialhilfe oder auch der Agentur für Arbeit genau der richtige Ansatz sei, um Familien in Armutslagen wirkungsvoll zu unterstützen.

In drei Impulsvorträgen beleuchteten Expertinnen und Experten die Folgen von Armut auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern und gingen der Frage nach, welche Bedarfe die Familien in Armut haben und wie wirkungsvolle Ansätze gestaltet sein müssen. Die anschließende Podiumsdiskussion beschäftigte sich vor allem mit Herausforderungen bei der Umsetzung in der Praxis.

In der zweiten Tagungshälfte hatten die rund 180 Teilnehmenden in fünf thematischen Workshops Gelegenheit, sich über einführende Impulse der Referentinnen und Referenten auszutauschen, diese zu diskutieren und ihre eigenen Erfahrungen einzubringen.

Mechtild Paul, Leiterin des NZFH, und Dr. Sönke Seifert, BAG Gesundheit & Frühe Hilfen, fassten die Ergebnisse der Tagung als erste Handlungsempfehlungen zusammen.

Gesundheit und Armut

Kinder haben das Recht auf ein gesundes Aufwachsen und auf gute Entwicklungsbedingungen in unserer Gesellschaft. Dennoch erleben vor allem die 20 % der Mädchen und Jungen, die in (relativer) Armut groß werden, erhebliche Einschränkungen für ihre gesamte gesundheitliche und persönliche Entwicklung, beispielsweise bezogen auf Wohnraum und Umfeld, soziale Kontakte und Freizeitangebote, Bildungsmöglichkeiten und gesundheitsbezogenes Verhalten. Diese wirken sich häufig bis weit in das Erwachsenenleben aus.

Belastungen und Armut

Armut gehört zu den bedeutendsten Faktoren für Entwicklungsdefizite und Gesundheitsrisiken im Kindesalter. Laut der NZFH-Studie KiD 0-3 sind Familien, die in Armut leben und SGB II beziehen, öfter von psychosozialen Belastungsfaktoren betroffen, als andere Familien. Wie die Studie zeigt, leiden 28,4 % der befragten Familien in Armutslagen unter vier und mehr Belastungsmerkmalen, wie beispielsweise alleinerziehend oder Anzeichen einer Depression. Bei Familien ohne Bezug von Sozialleistungen sind es nur 3,7 %. Nur 12,5 % der befragten Familien mit SGBII- Bezug haben keine psychosozialen Belastungen. Bei den Familien ohne SGB-II-Bezug sind es 50,4 %. Damit stellen Familien in Armutslagen für die Frühen Hilfen eine relevante Zielgruppe dar.

Frühe Hilfen und Armut

Die Frühen Hilfen können Anwalt für diese Familien sein und sie dabei unterstützen, dass ihre Kinder einen Weg aus der Armut herausfinden. Auf der Kooperationstagung soll insbesondere folgenden Fragen nachgegangen werden:

  • Welchen konkreten Beitrag können die Frühen Hilfen mit ihren Angeboten und Netzwerken leisten?
  • Wie können Angebote für Kinder und Familien teilhabegerecht gestaltet werden? 
  • Welche vielversprechenden Ansätze gibt es und was sind die Erfolgsfaktoren?
  • Wie lassen sich Frühe Hilfen armutssensibel umsetzen?

Weitere Schritte

Die Ergebnisse der Veranstaltung, insbesondere der Workshops, sollen eine erste Orientierung für Handlungsempfehlungen liefern. Sie werden vor allem bei laufenden Prozessen und geplanten Produkten der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Gesundheit & Frühe Hilfen und des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) zum Thema berücksichtigt.

Kooperationspartnerinnen und -partner

Für die Veranstaltung hat sich ein breites Bündnis von Partnerinnen und Partnern zusammengeschlossen:

  • Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
  • Berufsverband der Frauenärzte e. V. (BVF)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Gesundheit & Frühe Hilfen
  • Bundesärztekammer (BÄK)
  • Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)
  • Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) 
  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) – Träger: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI)
  • SeeYou, Stiftung des Kath. Kinderkrankenhauses Wilhelmstift, Hamburg
  • Vereinigung für Interdisziplinäre Frühförderung – Bundesvereinigung (VIFF)

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Entscheiderinnen und Entscheider auf den unterschiedlichen Ebenen in Bund, Ländern und Kommunen
  • Mitarbeitende der Koordinierungsstellen Frühe Hilfen in den Ländern und Kommunen
  • Mitglieder der wissenschaftlichen Fachgesellschaften und der Berufsverbände
  • Vertreterinnen und Vertreter:

    • der öffentlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe
    • des Gesundheitswesens
    • der Frühförderung
    • der Schwangerschaftsberatung

Die Tagung haben gefördert:

  • das Nationale Zentrum Frühe Hilfen aus Mitteln der Bundesstiftung Frühe Hilfen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
  • die BAG Gesundheit & Frühe Hilfen aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)
  • der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
  • die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
  • SeeYou, Stiftung des Kath. Kinderkrankenhauses Wilhelmstift, Hamburg
Programmübersicht

Das Programm bietet Ihnen eine Übersicht über den Tagungsablauf und die Referentinnen und Referenten der Kooperationstagung.

mehr...