Bestandsaufnahme Frühe Hilfen

Repräsentative Befragungen von Kommunen in Deutschland zur Verbreitung von Frühen Hilfen

Das NZFH befasste sich von 2008 bis 2013 mit der bundesweiten Etablierung und Weiterentwicklung Früher Hilfen in Kommunen und bei Trägern. Im Rahmen der ersten von drei Teiluntersuchungen wurden Erkenntnisse zum Auf- und Ausbau Früher Hilfen in den Kommunen und der Kooperation der beiden Systeme "Kinder- und Jugendhilfe" und "Gesundheitswesen" gewonnen. Die zweite Untersuchung erfragte unter anderem bei den kommunalen Trägern, welche Angebote für Familien sich vor Ort etablieren konnten. Bei der dritten Teiluntersuchung standen niedrigschwellig ausgerichtete, aufsuchende Angebote der Frühen Hilfen im Fokus. 

Mit der aus drei Teiluntersuchungen bestehenden Bestandsaufnahme Frühe Hilfen wurden bundesweit erstmals Erkenntnisse über den überregionalen Strukturaufbau von Frühen Hilfen gewonnen. Darüber hinaus wurden Erfahrungen in der Entwicklung von standardisierten Erhebungsinstrumenten zu diesem Forschungsbereich gesammelt. Damit wurden wichtige Grundlagen für die Kommunalbefragungen geschaffen, die das NZFH seit 2012 zur Evaluation und Dokumentation der Bundesinitiative Frühe Hilfen durchführt.


Kontakt

Alexandra Sann
Deutsches Jugendinstitut (DJI), Fachgruppe Nationales Zentrum Frühe Hilfen  
Nockherstr. 2
81541 München
Telefon: 089/62306-323
E-Mail: sann(at)dji.de


Förderung

Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Maarweg 149-161
50825 Köln  
Tel.: 0221/8992-0


Zeitraum

Teiluntersuchung I: 2008-2009
Teiluntersuchung II: 2010
Teiluntersuchung III: 2012


Untersuchungsgruppe

Jugend- und Gesundheitsämter, Träger der Angebote in den Frühen Hilfen


Ziele

Zentrale Daten zum Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen zur Erfassung und Beschreibung des Entwicklungsstandes kommunaler Angebote und Systeme Früher Hilfen 

Teiluntersuchung I:

  • Überblick über kommunale Aktivitäten in den Frühen Hilfen
  • Zusammenarbeit von Jugendämtern und Gesundheitsämtern  

Teiluntersuchung II: 

  • Stellenwert, Umfang und Art der Angebote Früher Hilfen für Familien vor Ort
  • Finanzierung und Verstetigung der Angebote
  • Zugangswege zu Familien 
  • Praxis der Früherkennung von familiären Problemlagen
  • Stand der Entwicklungen beim Auf- und Ausbau der Leistungen seit der Teiluntersuchung I  

Teiluntersuchung III:

  • Überblick über die Träger aufsuchender Hilfen 
  • Erfassung der Entwicklungsbedarfe der Kommunen bei Frühen Hilfen
  • Stand des Auf- und Ausbaus der Frühen Hilfen in den Kommunen

Methodik/Design

Standardisierte Telefon- und Online-Befragungen

Die Beobachtung der Praxisentwicklung im Bereich der Frühen Hilfen zählt zu den zentralen Aufgaben des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH). Für diese Bestandsaufnahme wurden mehrere Teiluntersuchungen in Form von Befragungen von Jugend- und Gesundheitsämtern und Freien Trägern in den Kommunen vorgenommen. 

Wichtige Vorarbeit für die Bestandsaufnahme Frühe Hilfen war die "Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen für Eltern und Kinder und sozialen Frühwarnsystemen in den Bundesländern", ein Projekt, das 2006 vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) im Rahmen des Aktionsprogramms des BMFSFJ zum Schutz von Kleinkindern, zur Früherkennung von Risiken und Gefährdungen und zur Implementierung effektiver Hilfesysteme durchgeführt wurde. 

Die erste Teiluntersuchung wurde rund um den Jahreswechsel 2008/2009 vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU) im Auftrag des NZFH durchgeführt. Dabei ging es um kommunale Aktivitäten im Bereich Früher Hilfen und die Zusammenarbeit von zwei bis dahin weitgehend getrennten sozialen Unterstützungs- und Versorgungssystemen – der Kinder- und Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen. Ziel der vorgestellten Untersuchung war die Erfassung und Beschreibung des Entwicklungsstandes kommunaler Systeme Früher Hilfen in der Bundesrepublik Deutschland. 

Mit der zweiten Teiluntersuchung 2010 wurden Stellenwert, Umfang und Art der Angebote Früher Hilfen für Familien vor Ort, die Finanzierung und Verstetigung der Angebote, die Zugangswege zu Familien sowie die derzeitige Praxis der Früherkennung von familiären Problemlagen untersucht. Außerdem wurden Entwicklungen ermittelt, wie beispielsweise die Fortschritte beim Auf- und Ausbau der Leistungen seit der ersten Befragung im Jahr 2009. Die zweite Teiluntersuchung wurde ebenfalls vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU) durchgeführt. 

Im Fokus der dritten Teiluntersuchung – durchgeführt 2012 vom NZFH – standen niedrigschwellig ausgerichtete, als aufsuchende Angebote konzipierte Frühe Hilfen, insbesondere von freien Trägern sowie der Stand des Auf- und Ausbaus der Frühen Hilfen in den Kommunen. 
Folgende Fragen zum Aus- und Ausbau wurden den Ansprechpartnern in den Jugendämtern gestellt:

  • Wer steuert/koordiniert Frühe Hilfen in Ihrem Amtsbezirk? 
  • Gibt es in Ihrem Amtsbezirk ein Netzwerk Kinderschutz/Frühe Hilfen?
  • Wenn es in Ihrem Amtsbezirk Netzwerke für Frühe Hilfen und Kinderschutz gibt, in welchem Verhältnis stehen diese zueinander?
  • Wo liegt in Ihrem Amtsbezirk der Schwerpunkt Früher Hilfen - bei Angeboten für alle Familien und/oder bei Angeboten für Familien in belastenden Lebenslagen? 
  • Gibt es in Ihrem Amtsbezirk eine Zusammenarbeit mit (Familien-)Hebammen und/oder Kinderkrankenpfleger/-innen, die Familien in belastenden Lebenslagen aufsuchen?
  • Auf welcher vertraglichen Basis erfolgt die Zusammenarbeit mit (Familien-)Hebammen und/oder Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern und -pflegerinnen, die Familien in belastenden Lebenslagen aufsuchen? 

In einer ergänzenden Online-Befragung der Jugendämter ging es Ende 2012 außerdem um den Entwicklungsbedarf in den Frühen Hilfen in den drei Förderbereichen der Bundesinitiative Frühe Hilfen:

  • Netzwerke mit Zuständigkeit für Frühe Hilfen
  • Einsatz von Familienhebammen und vergleichbaren Berufsgruppen
  • Ehrenamtsstrukturen und in diese Strukturen eingebundene Ehrenamtliche

Der Stand des Auf- und Ausbaus Früher Hilfen in den Kommunen

Abb. 1: Beteiligung der JugendämterAbbildung 1

95,8 Prozent der Jugendämter beteiligten sich im Sommer 2012 an der telefonischen Befragung durch das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Die Ergebnisse der dritten Teiluntersuchung zeigen, dass die Jugendämter ihre Verantwortung als Steuerungsinstanz im Bereich Früher Hilfen wahrnehmen und dass der Ausbau von Netzwerken mit Zuständigkeit für Frühe Hilfen und/oder Kinderschutz auf einem guten Weg, aber noch nicht abgeschlossen ist.

Erfreulich ist, dass es in fast 90 Prozent der Kommunen Frühe Hilfen gibt, bei denen Familien in ihrem häuslichen Umfeld aufgesucht werden. 85 Prozent der Jugendämter haben zudem bereits Erfahrung in der Kooperation mit (Familien-)Hebammen und/oder Kinderkrankenpfleger/-innen, die Familien in belastenden Lebenslagen aufsuchen. Mitunter wurden von den Befragten Gründe für begonnene, aber letztlich gescheiterte Kooperationsgespräche mit (Familien-)Hebammen genannt. Insbesondere fiel es schwer, sich über die Vergütung des Einsatzes und die Klärung der Rollenverteilung bei der Fallbearbeitung zu verständigen.


Überblick über die Träger aufsuchender Früher Hilfen

Abb. 2: Angebote TrägerAbbildung 2
Abb. 3: AngebotskategorienAbbildung 3

Bei der dritten Teiluntersuchung der Bestandsaufnahme ging es unter anderem darum zu erfahren, welche Träger aufsuchende Frühe Hilfen anbieten. Das Ergebnis war beeindruckend: Insgesamt wurden 1.316 Träger genannt. Das NZFH konnte aus den Angaben 1.400 aufsuchende Angebote identifizieren.

58,4% der Angebote werden von freien Trägern durchgeführt, 41,6% von öffentlichen Trägern. Aufsuchende Angebote Früher Hilfen werden überwiegend von Fachkräften durchgeführt (79,6%). Am häufigsten werden Besuchsdienste mit Fachkräften genannt, die über einen Begrüßungsbesuch hinausgehen (36,6%). 15,6% der Angebote sind Besuchsdienste, die von (Familien-)Hebammen durchgeführt werden. Diese Angebotsform wurde in allen Bundesländern genannt. Bei 20,4% der Angebote werden Laien eingesetzt, beispielsweise Besuchsdienste mit Familienpaten (11,6%).
Als Träger aufsuchender Angebote Früher Hilfen werden im Bereich der öffentlichen Träger insbesondere Jugendämter genannt (34,1% der Angebote), im Bereich der freien Träger vor allem die Angebote von katholischen (15,2%) und evangelischen (12,2%) Trägern.
Ein zentrales Merkmal Früher Hilfen ist die interdisziplinäre Kooperation und eine entsprechende systemübergreifende Angebotsvielfalt. Im Bereich der aufsuchenden Frühen Hilfen fällt das Engagement der Träger aus den verschiedenen Hilfesystemen regional sehr unterschiedlich aus (Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitshilfe, Schwangerschaftsberatung, Frühförderung).
So wurden beispielsweise Angebote von Frühförderstellen in Bayern (13,5%) und im Saarland (12,5%) recht häufig genannt, von den Jugendämtern in allen anderen Bundesländern hingegen kaum oder gar nicht.


Wo sehen Kommunen Entwicklungsbedarf bei Frühen Hilfen?

Abb. 4: Entwicklungsbedarf im Bereich "Einsatz von Familienhebamme und vergleichbaren BerufsgruppenAbbildung 4

In einer weiteren Befragung der Jugendämter ging es um den Entwicklungsbedarf in den Frühen Hilfen aus Sicht der Jugendämter. Knapp über die Hälfte der Jugendämter haben die Fragen beantwortet, die sich auf die drei Förderbereiche beziehen: Netzwerke mit Zuständigkeit Frühe Hilfen, Einsatz von Familienhebammen und vergleichbaren Berufsgruppen sowie Ehrenamtsstrukturen und in diese Strukturen eingebundene Ehrenamtliche. 

Hochgerechnet auf das gesamte Bundesgebiet, zeichnet sich ab, dass über 90 Prozent der Kommunen planen, Mittel aus der Bundesinitiative Frühe Hilfen zu beantragen. Eine hohe Beteiligungsquote ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Bundesinitiative, deren Ziel es ist, das Feld der Frühen Hilfen flächendeckend weiterzuentwickeln und zu verstetigen. In welchem Bereich die Kommunen ihren größten Förderbedarf im Rahmen der Bundesinitiative sehen, ist von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich. In der Gesamtschau und bezogen auf die drei Förderbereiche wird der höchste Entwicklungsbedarf im Bereich "Einsatz von Familienhebammen und vergleichbaren Berufsgruppen" gesehen. Zwei von drei befragten Jugendämtern geben hier einen hohen bis sehr hohen Entwicklungsbedarf an. Aber auch die beiden anderen Bereiche "Netzwerke mit Zuständigkeit für Frühe Hilfen" sowie "Ehrenamtsstrukturen und in diese Strukturen eingebundene Ehrenamtliche" werden als Ausbaubereiche benannt und von etwas über 40 Prozent der Jugendämter mit hohem oder sehr hohem Entwicklungsbedarf gekennzeichnet.

Viele Jugendämter haben zum Teil sehr ausführlich weitere Entwicklungsfelder und Herausforderungen benannt, die über die von der Bundesinitiative Frühe Hilfe geförderten Maßnahmen hinausgehen. Diese sind vor allem:

  • Verbindliche Kooperation von Jugendhilfe und Gesundheitshilfe, die auch für das Gesundheitssystem gesetzlich festgeschrieben wird
  • Ausweitung der vom Bund geförderten Maßnahmen und Berufsgruppen, die bislang nicht berücksichtigt werden (bspw. Elternbildungskurse und sozialpädagogische Fachkräfte)
  • Förderung von Kindern durch Angebote Früher Hilfen
  • Förderung von Angeboten und Strukturen, die schon vor dem 1.1.2012 bestanden haben
  • Erhöhung und Verstetigung der finanziellen Fördermittel

Publikationen

Vorgestellt wird die Auswertung einer Befragung der Jugendämter in Deutschland zu Angeboten Früher Hilfen insbesondere von freien Trägern. Dabei geht es um niedrigschwellig ausgerichtete Hilfen, die als aufsuchende Angebote konzipiert sind.

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Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) stellt mit dem vorliegenden Kurzbericht die Ergebnisse aus dem zweiten Teil einer deutschlandweiten Befragung von Jugend-und Gesundheitsämtern vor, die das Deutsche Institut für Urbanistik in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführt hat.

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Eine vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen beauftragte und vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU) durchgeführte Befragung der Jugend- und Gesundheitsämter untersucht den Stand der Vernetzung und Kooperation. Die Ergebnisse der ersten Teiluntersuchung werden in der vorliegenden Broschüre vorgestellt.

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Artikel

Präsentationen / Folienvorträge

Externe Links