Erreichbarkeitsstudie zur Inanspruchnahme Früher Hilfen

Qualitative Studie zur Erreichbarkeit belasteter Eltern, ihren Zugangswegen zu Angeboten Früher Hilfen und Barrieren bei der Inanspruchnahme

Bisherige Erkenntnisse aus der Forschung zur Bekanntheit und Nutzung präventiver Angebote der Frühen Hilfen und anderer elternunterstützender Maßnahmen zeigen einen deutlichen sozialen Gradienten in der Inanspruchnahme auf: Insbesondere Familien, deren Lebensumstände durch verschiedene Belastungsfaktoren gekennzeichnet sind und die einen hohen Präventionsbedarf haben, können nur unzureichend für die Teilnahme gewonnen werden (sogenanntes "Präventionsdilemma").

Neben sozioökonomischen Faktoren können auch soziokulturelle Faktoren wie handlungsleitende Wertorientierungen eine Rolle für die Nicht-Inanspruchnahme spielen. Die Datenlage zu solchen Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme Früher Hilfen ist jedoch insgesamt noch als unzureichend einzustufen. Ziel der Erhebung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) sind daher weitere Erkenntnisse zur Erreichbarkeit von Eltern – insbesondere in belastenden Lebenslagen. Die Studie baut auf den Ergebnissen der Milieustudie des NZFH auf und soll u.a. den dort gefundenen Einflussfaktor "Steuerungskompetenzerwartung" anhand einer größeren Stichprobe belasteter Mütter überprüfen. Die Ergebnisse sollen der weiteren Optimierung der Ansprachestrategien für elternunterstützende Angebote Früher Hilfen dienen.

Steckbrief

Projektteam

Ilona Renner
Juliane van Staa
Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Maarweg 149-161
50825 Köln
E-Mail: forschung(at)nzfh.de


Datenerhebung

SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH


Zeitraum

Projektlaufzeit: Oktober 2017 - April 2019 (voraussichtlich)


Zielgruppe

Mütter mit Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren


Ziele

Die Untersuchung hat zum Ziel, vertiefte Erkenntnisse zur Erreichbarkeit belasteter Eltern zu gewinnen. Zentrale Forschungsfragen sind u.a.:

  • Wie lassen sich Nutzerinnen und Nicht-Nutzerinnen von Angeboten für Familien anhand soziokultureller Faktoren (wie grundlegende Werthaltungen etc.) näher beschreiben?
  • Welche Kompetenzen (z.B. Organisationskompetenzen) benötigen Eltern, um Angebote Früher Hilfen nutzen zu können?
  • Welche Arten der Ansprache und welche Zugangswege waren bei den befragten Müttern erfolgreich und haben zu Inanspruchnahme geführt?
  • Welche Barrieren standen einer Inanspruchnahme entgegen?
  • Welche Bedarfe haben Mütter bezüglich Zugangswegen und Gestaltung der Angebote?

Stichproben

Geplant ist die Befragung von n = 150-200 Müttern, davon etwa die Hälfte in belastenden Lebenslagen (z.B. niedrige Bildung, alleinerziehend) und die Hälfte ohne Belastungsfaktoren.
In beiden Teilgruppen ("belastet/unbelastet") soll jeweils etwa die Hälfte der Mütter bereits elternunterstützende Hilfen in Anspruch genommen haben, die andere Hälfte noch nicht.
Geplant ist eine regionale Streuung der Interviews in folgenden Regionen bzw. Städten plus Umland:  Berlin-Brandenburg, Hamburg, Rhein-Ruhr, Leipzig, Rhein-Neckar, München.


Methodik/Design

  • Fokusgruppendiskussion mit belasteten Müttern, um für diese Zielgruppe im Sinne eines partizipativen Forschungsdesigns relevante Themen und Fragestellungen zu ermitteln
  • Qualitative, leitfadengestützte Interviews im Rahmen von ca. 2-stündigen Hausbesuchen und
  • Fragebogenerhebung mit einem strukturierten Fragebogen zu familiären Belastungen und Ressourcen, Bekanntheit und Nutzung von Angeboten für Familien, Einstellungsmuster und Werthaltungen

Publikationen

Expertise zum Präventionsdilemma
(voraussichtliches Erscheinungsdatum 1.4.2019)