Frühe Hilfen und Erwachsenenpsychiatrie

Foto: Dr. Christina Schulz-Du Bois

Ein Beitrag von Dr. Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin imland Klinik Rendsburg

Die gemeinsame Behandlung eines psychisch kranken Elternteils, meistens der Mutter, und des Säuglings oder Kleinkindes in der Erwachsenenpsychiatrie sollte zum Behandlungsstandard in Deutschland gehören. Schwer psychisch erkrankte Frauen müssten sich dann nicht von ihren Kindern trennen, was es ihnen erleichterte, sich frühzeitig in Behandlung zu begeben. Im Idealfall erhalten sie Unterstützung durch ein therapeutisches Team, das die Mutter entlastet und ihr Sicherheit im Umgang mit dem Kind gibt. Die Beziehung zum Kind steht im Fokus der gemeinsamen Behandlung und wird durch spezifische Therapien (Videointeraktionstraining, Systemische Ansätze) gefördert.

Diese Behandlung bedeutet für eine psychiatrische Klinik einen erheblichen Mehraufwand, der bisher nicht finanziert wird. Infolgedessen bieten sie nur wenige Zentren an: Die aktuellste Erhebung stammt aus 2009*. Damals gab es nur 71 Behandlungsplätze in ganz Deutschland, die einen Mindeststandard erfüllten. Auch eine zeitnahe teilstationäre oder ambulante psychiatrisch/ psychotherapeutische Behandlung zu finden, kann sich sehr schwierig gestalten und dazu führen, dass sich die Behandlung der Erkrankungen unnötig verzögert.

Für die im Mutter-Kind-Bereich tätigen Psychiaterinnen und Psychiater ist die Etablierung der Frühen Hilfen mit ihren niederschwelligen Angeboten eine wichtige Ergänzung der Therapie psychisch kranker Eltern, führen sie doch zu einer gewünschten Entlastung des erkrankten Elternteils und bieten Beratung und Unterstützung bei der Versorgung des Kindes. In Gebieten, in denen es keine Mutter-Kind- Behandlungszentren gibt, beklagen Akteure der Frühen Hilfen, keine Ansprechpartner im psychiatrischen Bereich zu finden und fühlen sich mit kranken Eltern oft allein gelassen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Bereichen ist daher unbedingt wünschenswert.

In Schleswig-Holstein hat sich das »Netzwerk Eltern-Kind-Behandlung« als Zusammenschluss der Kliniken mit einem spezifischen Eltern-Kind-Angebot und des Kinderschutzbundes gegründet. Ziel ist es, die Versorgungsstrukturen für betroffene Eltern und ihre Kinder zu erfassen und zu verbessern. Durch gemeinsame Fortbildungen aller beteiligten Berufsgruppen soll eine gelingende Zusammenarbeit gefördert werden.

Es gilt, das erkrankte Elternteil möglichst frühzeitig und nachhaltig zu behandeln und somit das Erkrankungsrisiko für das Kind zu minimieren. Eine angemessene Vergütung der Eltern-Kind-Behandlung muss auf politischer Ebene und den Kostenträgern gegenüber eingefordert werden.

Weitere Impulse: