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Guter Start für geflüchtete Familien

Von Januar 2015 bis Juli 2018 haben rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt.1 Schwangere Frauen und Familien mit Kleinkindern bilden eine relevante Gruppe innerhalb der Schutzsuchenden. Im Jahr 2017 stammten 46.096 und damit 23,2 % der Asylerstanträge von Kindern unter vier Jahren.2

Frühe Hilfen möchten Kinder und Familien vor allem in belastenden Lebenslagen unterstützen. Familien mit Fluchterfahrung sind mit vielfältigen Belastungen konfrontiert. Zwar unterscheiden sich ihre Bedürfnisse nicht grundlegend von denen anderer Familien: auch geflüchtete Familien benötigen familienunterstützende Rahmenbedingungen, Entlastung und Information. Allerdings leben sie unter schwierigen Bedingungen, häufig in Erstaufnahmeeinrichtungen. Hinzu kommen Faktoren wie eine ungewisse Zukunft, der Verlust sämtlicher Netzwerke, die im Herkunftsland unterstützt und stabilisiert hätten, sowie oftmals traumatische Erfahrungen. Diese Ausgangslage bringt besondere Herausforderungen mit sich – für die Geflüchteten, aber auch für die Akteure Früher Hilfen, die eine besondere Sensibilität für diese Belastungen mitbringen müssen.

Zum anderen ist Empowerment in der Praxis relevant: Es geht darum, Ressourcen zu erkennen, an die Hoffnung auf ein besseres Leben anzuknüpfen und die hohe Motivation, mit der die Familien ihre Lage verbessern möchten, zu nutzen. Dies gilt umso mehr, als häufig zeitgleich zwei Übergänge mit tiefgreifenden Veränderungen bewältigt werden müssen: Schwangerschaft bzw. Familiengründung und (Flucht-)Migration mit Verlust von Vertrautem und einem Wechsel in neue soziale und kulturelle Räume.

Zugänge zu Wissen und Unterstützungsangeboten eröffnen

Das NZFH hat 2016 und 2017 zwei Workshops mit Expertinnen und Experten zum Thema »Flucht und Frühe Hilfen« durchgeführt, um den fachlichen Diskurs anzuregen. Daraus sind Grundlagen entstanden, u. a. für einen Fachtag am 21. September 2018 in Frankfurt am Main.

Ein zentrales Thema bei der Arbeit mit Geflüchteten ist die professionelle und sensible Gestaltung von Situationen, in denen unterschiedliche kulturelle Prägungen eine Rolle spielen.

Professionelles Handeln bedeutet, die eigene kulturelle Prägung zu reflektieren, empathisch zuzuhören und den Geflüchteten Zugänge zu Wissen zu eröffnen, das sie selbstbestimmt nutzen können, sei es durch geeignetes Material in der Herkunftssprache, sei es durch Sprachmittlung. Im zweiten Schritt geht es dann darum, Wege in Unterstützungsangebote zu ebnen und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.

Auf der Flucht kann es auch zu Traumatisierungen gekommen sein. Dies kann sich problematisch auf die Gestaltung der Eltern-Kind-Bindung auswirken. Jeder kleine Schritt im Kontakt mit Betroffenen hin zu Verlässlichkeit, zu Halt und Orientierung kann aus der Traumatisierung helfen.

Um den Kindern aus geflüchteten Familien ein gutes Aufwachsen zu gewähren, ist es wichtig, folgende Punkte in den Blick zu nehmen:

  1. Auf gesundheitliche Chancengleichheit geflüchteter Kinder hinzuwirken, damit sie sich physisch und psychisch altersentsprechend entwickeln können.
  2. Geflüchtete in ihrer Elternverantwortung zu stärken und zu beraten.
  3. Lokale Netzwerke auszubauen, um passende Hilfen abstimmen und aufeinander beziehen zu können und die bedarfsorientierte Versorgung sicherzustellen.

1BAMF: Aktuelle Zahlen zu Asyl. Ausgaben 2015 bis 2018.
2BAMF: Aktuelle Zahlen zu Asyl (12/2017).

Infodienst Frühe Hilfen aktuell

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