Diskussion im Plenum

Welches besondere Potential bietet ehrenamtliches Engagement, und wie kann dieses für die Frühen Hilfen fachlich sinnvoll genutzt werden? Neben Potentialen und geeigneten Formaten setzten sich die Workshop-Teilnehmenden auch mit Qualitätskriterien für ehrenamtliche Einsätze in Familien und mit strukturellen Rahmenbedingungen für die Freiwilligen-Koordination auseinander.

Als Einstieg in die Plenums-Diskussion dienten drei Thesen, die Heiner Keupp und Luise Behringer als Essenz ihres Impulspapiers formuliert haben. Der weitere Erfahrungsaustausch orientierte sich an Leitfragen, die in drei Kategorien strukturiert waren.

These 1:
„Bürgerschaftliches Engagement ist eine unverzichtbare Ressource sozialer Innovation. Das gilt auch für den Bereich der Familien und Sozialisationsaufgaben. Die Geschichte zeigt, dass es vor allem engagierte Bürgerinnen und Bürger, vor allem junge Eltern waren, die im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung neue Wege und Lösungen zum ‚doing family’ jenseits traditioneller Familienmodelle gesucht und entwickelt haben. Dieses Potential ist für eine zeitgemäße Förderstrategie unverzichtbar.“

These 2:
„Wenn das Handlungsfeld frühe Förderung nicht auf eine Kinderschutzperspektive reduziert wird, sondern ein möglichst umfassendes System der Ressourcenförderung von Familien vor und nach der Geburt umfasst, dann ist die Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen Akteuren nicht nur sinnvoll, sondern notwendig.“

These 3:
„Freiwillig Engagierte im Bereich der frühen Förderung dürfen nie Kinderschutzaufgaben übernehmen. Diese müssen in der Regie der professionellen HelferInnen bleiben. Den Funktionsbereichen Freiwilligenmanagement und Koordination fällt die zentrale Aufgabe zu, diese Grenze zu wahren. Deshalb ist eine institutionelle Sicherstellung dieser Tätigkeitsfelder und eine entsprechende fachliche Schulung der hier tätigen Fachkräfte erforderlich.“

Die weitere Diskussion im Plenum orientierte sich an diesen Kategorien und Fragen:


Ehrenamtliches Engagement – Potentiale und Formate

Was ist das besondere Potential des Freiwilligenengagements in den Frühen Hilfen? Ist dieses bereits ausreichend bekannt/erkannt? Wo/bei wem muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden? 

Aus welcher Haltung heraus/mit welcher Motivation engagieren sich Ehrenamtliche bzw. Freiwillige? 

In welchem Verhältnis stehen professionelle soziale Arbeit und Freiwilligenengagement zueinander? Ist Freiwilligenengagement ein „billiger“ Lückenbüßer, wenn sozialstaatliche Leistungen zurückgefahren werden? Wird professionelle soziale Arbeit dadurch verdrängt /entwertet? 


Qualität des Freiwilligen-Engagements in den Frühen Hilfen

Wie können Freiwillige für die Frühen Hilfen gewonnen werden? Findet ein gesteuertes Auswahlverfahren statt? Gibt es Auswahlstrategien? Gibt es bestimmte Typen von Freiwilligen, die besonders für die Zielgruppe der Frühen Hilfen passen / oder gerade nicht? Wie werden Auswahlprozesse mit Freiwilligen kommuniziert? Wie geht man mit Freiwilligen um, die für den Einsatz in den Frühen Hilfen nicht geeignet erscheinen? Welche Form der Anerkennung gibt es für die Freiwilligen?

Wie werden „Freiwillige“ fit gemacht für die Frühen Hilfen? Welche Form der Qualifizierung braucht es? Wo ist die Grenze zur Professionalisierung? Welche / wie viel Qualität braucht es im Ehrenamt? Wie können Ehrenamtliche geschützt werden vor Überlastung und Überforderung? Wer trägt die Verantwortung dafür?

Wie kann das Ineinandergreifen von ehrenamtlichen Angeboten und professionellen Angeboten im Kontext der Frühen Hilfen gestaltet werden? Welche Qualitätskriterien sind für die parallele Unterstützung und für die Überleitung von der einen Form in die andere wichtig?


Koordination ehrenamtlicher Arbeit

Welche strukturellen Rahmenbedingungen braucht die Freiwilligen-Koordination? Wo sollte sie angesiedelt sein? Welche Fähigkeiten/Profession braucht es für die Koordination? Wie sollte das Verhältnis zur Netzwerk-Koordination sein?

Eine zentrale Aufgabe ist das Matching / die Passung von Freiwilligen und Familie – wie gelingt gutes Matching? Was sind typische Merkmale eines guten Matchings? Wie kann dieser Prozess gut in der Koordinations-Arbeit verankert werden?

Nähe-Distanz-Problematik für die Familie, die Koordination und die Ehrenamtlichen: Wer hat diese bei einer längerfristigen Begleitung im Blick?