Arbeitsgruppe 3: „Rekrutierung, Auswahl und Begleitung ehrenamtlich Tätiger: Pro und Contra in der Qualifizierungsdebatte um den Einsatz Ehrenamtlicher in den Frühen Hilfen (Semiprofessionalisierung)“

Ehrenamtskoordinierende spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Freiwillige für den Einsatz in Familien zu schulen. Wie viel „Qualifizierung“ ist fachlich erforderlich, um sich in den Frühen Hilfen ehrenamtlich engagieren zu können? Welche Schulungsformate sind sinnvoll? Und welche Qualifikation sollten Ehrenamtskoordinierende selbst haben? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Arbeitsgruppe, die Till Hoffmann vom NZFH moderierte.

Im Mittelpunkt der fachlichen Erörterung standen folgende Aspekte und Praxisberichte:

  • Je umfangreicher die Aufgaben und die Verantwortung von Ehrenamtlichen, je umfangreicher muss die Vorbereitung sein. Bei „einfacheren“ Aufgaben ist unter Umständen keine Vorbereitung erforderlich.

  • In der Praxis existieren verschiedenartige Modelle von Qualifizierung, die sich insbesondere hinsichtlich der Formate, des Umfang und des Schulungszeitpunkts unterscheiden.

  • Zentrale Formate sind Basisschulung, Gruppentreffen, Fortbildung und Einzelgespräche (in Abhängigkeit von Aufgaben / Verantwortung).

  • Bezeichnungen wie „Schulung“ oder „Fortbildung“ könnten ggf. Alternativen zum Begriff „Qualifizierung“ sein, um die spezifischen Gegebenheiten in den Frühen Hilfen treffend abzubilden.

  • Qualifizierung ist freiwillig, wobei der Träger die Qualitätssicherung seiner Angebote im Blick haben muss.

  • Je nach Aufgabenbereich gibt es Voraussetzungen, die nicht durch die Projekte „nachqualifiziert“ werden können.

  • Qualifizierung schafft Sicherheit auf Seiten der Freiwilligen und begegnet dem Schutzbedürfnis der Familie.

  • Lernbereitschaft ist Grundvoraussetzung für ehrenamtliche Tätigkeit in den Frühen Hilfen. Wichtige Themen sind Familienbilder und Reflexionsräume.

  • Die Möglichkeit zur Fortbildung kann auch eine Motivation für freiwilliges Engagement sein und Entwicklungschancen für Freiwillige darstellen.


Aus der Diskussion entwickelte die Arbeitsgruppe erste fachliche Empfehlungen für den Einsatz Ehrenamtlicher in den Frühen Hilfen:

  • Koordinierende haben eine zentrale Rolle beim Einsatz und auch bei der Schulung der Freiwilligen.

  • Ehrenamtskoordinierende benötigen eine Qualifizierung. Auch die Einrichtungen und Träger von Angeboten mit Freiwilligen sollten einen Qualifizierungsprozess durchlaufen, z.B. hinsichtlich eines Führungskonzepts, das zur Arbeit mit Ehrenamtlichen passt.

  • Die Einrichtungen / Träger von Angeboten mit Freiwilligen müssen eine Struktur und Ressourcen zur Verfügung stellen. Ehrenamtskoordination ist keine Tätigkeit, die „nebenbei“ erledigt werden kann.

  • Themen wie Konkurrenz und Wertschätzung in der Zusammenarbeit mit Freiwilligen sind zu bearbeiten.


Als wichtige nächste Schritte im Sinne der Frühen Hilfen benannte die Arbeitsgruppe:

  • Qualitätssichernde Maßnahmen für Träger, die Angebote mit Freiwilligen vorhalten

  • Kompetenzerwerb bei den Trägern, um „Mitnahmeeffekte“ bei der Förderung zu vermeiden 

  • Kultur der Anerkennung und Wertschätzung schaffen

Offen blieb in der Diskussion, wie das Potential des Ehrenamts gewahrt / gefördert werden kann, ohne den Anspruch an qualitätsgesicherte Arbeit zu vernachlässigen?