Arbeitsgruppe 2: „Ehrenamt in den Frühen Hilfen im Spannungsfeld von Früher Förderung und präventivem Kinderschutz“

Zum thematischen Einstieg berichtete Prof. Dr. Reinhild Schäfer, Hochschule RheinMain, über die Evaluation ihres Forschungsprojekts „Zufriedenheit und Erreichbarkeit von Eltern mit Angeboten Früher Hilfen“, das sie in Kooperation mit dem SkF Wiesbaden zu dessen Angebot der „FamilienPaten“ durchgeführt hat. Anschließend stellte Prof. Dr. Beate Galm, Hochschule Darmstadt, ausgewählte Befunde aus der EU-Studie „Prevent and combat child abuse: what works?“ vor, bei der Eltern unter anderem hinsichtlich ihrer Zufriedenheit mit Hilfsangeboten auf freiwilliger Basis befragt wurden. Die Moderation der Arbeitsgruppe übernahmen ebenfalls Reinhild Schäfer und Beate Galm.

Als Diskussionsgrundlage für die Arbeitsgruppe diente folgende These:

„Familienbegleitendes ehrenamtliches Engagement eignet sich für Familien mit moderaten Belastungen, die temporär alltagspraktische Unterstützung benötigen. In psychosozial hoch belasteten Familien hingegen sollte der Einsatz Ehrenamtlicher nur ein zusätzliches Unterstützungsangebot zu professioneller Familienhilfe darstellen.“

Die Erörterung in der Arbeitsgruppe fokussierte sich auf folgende Aspekte und fachliche Empfehlungen:

  • Die Verantwortung für den Einsatz Ehrenamtlicher liegt bei der Koordinatorin bzw. dem Koordinator.

  • Diese Verantwortung erfordert Qualitätsstandards, z.B. hinsichtlich der Einschätzung von familiären Belastungen, Rahmen und Struktur.

  • Es bedarf Regelungen für den Fall, dass im Laufe einer Patenschaft psychosoziale Belastungen in der Familie erkennbar werden. Diese können zu einer Überforderung der Freiwilligen führen. Zugleich besteht Sorge vor einer Überregulierung für ehrenamtliches Engagement.

  • Ehrenamtliche dürfen nicht instrumentalisiert werden: Sie erhalten keinen Auftrag im Sinne von Kontrolle. Dennoch sind Vereinbarungen erforderlich – mit der Familie (bezogen auf deren Wünsche und Bedürfnisse) ebenso wie mit den Ehrenamtlichen (bezogen auf deren Aufgaben). Dabei ist es wichtig, die Autonomie der Familie und der Ehrenamtlichen zu wahren.

  • Zu beachten ist eine klare Differenzierung zwischen Ehrenamtlichen und Semi-Professionellen.

  • Der Einsatz Ehrenamtlicher in den Frühen Hilfen erfordert von Fachkräften kontext- und situationsspezifische Einschätzungen, um flexibel und passgenau reagieren zu können („Ich welchem Bereich bewege ich mich gerade? Was braucht es?“).