"Wie ist die Situation von belasteten Familien und ihren Kindern in Deutschland heute?"

Vortrag von 
Prof. Dr. Sabine Walper, Deutsches Jugendinstitut (DJI), München

Vortrag (Video)

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Zusammenfassung des Vortrags

Inwieweit Armut ein zentraler Risikofaktor für das Aufwachsen von Kindern ist, verdeutlichte Prof. Dr. Sabine Walper in Ihrem Vortrag zur aktuellen Situation von belasteten Familien und ihren Kindern in Deutschland. Die Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) bezog sich dabei auf die Ergebnisse der Prävalenz- und Versorgungsstudie. In diesem Rahmen hatte das NZFH 2015 bundesweit rund 8.000 Familien befragt. 

Neben Armut beeinflussen zahlreiche weitere Umstände wie etwa eine ungeplante Schwangerschaft, eine frühe Mutterschaft, Gewalterfahrungen eines Elternteils oder erhöhte Stressbelastung das Risiko für Misshandlungen oder Vernachlässigung. Allerdings spielen einzelne Risikofaktoren eine weniger große Rolle, wie die Studie zeigt. Die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, absichtlich verletzt, geschüttelt oder vernachlässigt zu werden, steigt deutlich, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. So liegt die Prävalenz von Verletzung und Vernachlässigung bei einem dreijährigen Kind, das in einem Umfeld mit drei Risikofaktoren aufwächst, bei 16 Prozent. In diesem Zusammenhang ist die ökonomische Situation von besonderer Bedeutung: Bei Familien mit Bezug von Leistungen nach SGB II ist eine Kumulation von vier und mehr Risikofaktoren fast zehnmal so häufig wie bei Familien, die nicht von Armut betroffen sind. Mit steigender Zahl von Risiken nehmen auch psychische Auffälligkeiten der Kinder und Jugendlichen zu. 

Prof. Dr. Sabine Walper ging abschließend auf die Frage ein, wer welche Angebote in Anspruch nimmt. Wie die Studie verdeutlicht, nutzen Familien mit Bezug von  SGB II-Leistungen Schwangerschaftsberatung häufiger als materiell Bessergestellte, niederschwellige, eher universelle Angebote wie Geburtsvorbereitung und Hebammenhilfe hingegen vergleichsweise deutlich weniger. „Zu armutsgefährdeten Familien sind Familienhebammen ein wichtiger Zugang“, so Prof. Dr. Sabine Walper. Eine ähnliche Verteilung zeigt sich bei einer Kumulation von Risiken: Für Familien mit SGB II-Bezug, bei denen mehrere Risikofaktoren vorliegen, haben Schwangerschaftsberatung, Familienhebammen und Angebote zur Erziehungsberatung eine herausragende Bedeutung.