Fachforum 5: Qualifiziert und engagiert, aber nicht umsonst – wie kann der Einsatz von Ehrenamtlichen in den Frühen Hilfen sicher und hilfreich gestaltet werden?

Ehrenamtliches Engagement gewinnt im Bereich Frühe Hilfen seit einigen Jahren im Zuge länder- und trägerspezifischer Programme sowie angesichts einer Vielzahl von Einzelprojekten in Kommunen an Bedeutung. Im Fokus des Fachforums stand die Frage, wie negative Effekte vermieden und positive Wirkungen erzielt werden können. Besonders wichtig erscheint, dass das Ineinandergreifen professioneller, semiprofessioneller und ehrenamtlicher Angebote konzeptionell und strukturell gesichert ist.

  • Prof. (em.) Dr. Heiner Keupp, Ludwig-Maximilians-Universität München, referiert in Fachforum 5 zum Thema: Qualifiziert und engagiert, aber nicht umsonst - wie kann der Einsatz von Ehrenamtlichen in den Frühen Hilfen sicher und hilfreich gestaltet werden?

  • Rebecca Maier, Wissenschaftliche Referentin im NZFH, stellt Ergebnisse aus dem im Rahmen der Bundesinitiative Frühe Hilfen durchgeführten und wissenschaftlich evaluierten Modellprojekt „Das Elterntelefon als Hilfsangebot im Netzwerk der Frühen Hilfen in Osnabrück“ vor

Hintergrund

Bereits in der Begriffsbestimmung des wissenschaftlichen Beirats des NZFH von 2009 wird auf die Möglichkeit der Ergänzung professioneller Unterstützungs- und Hilfeangebote durch bürgerschaftliches bzw. nachbarschaftliches Engagement verwiesen: "Frühe Hilfen basieren vor allem auf multiprofessioneller Kooperation, beziehen aber auch bürgerschaftliches Engagement und die Stärkung sozialer Netzwerke von Familien mit ein." 

Die Bundesinitiative Frühe Hilfen hat diesen Ansatz aufgegriffen und fördert vor allem die Qualitätssicherung von Angeboten, in denen Ehrenamtliche zur alltagspraktischen Unterstützung und Entlastung von Familien eingesetzt werden. Dieser Einsatz ist fachlich nicht unumstritten: Fachkräfte befürchten eine Entwertung ihrer professionellen Tätigkeit durch vermeintlich kostengünstige Modelle mit Ehrenamtlichen. Zudem bezweifeln sie, dass Ehrenamtliche riskante Situationen in Familien rechtzeitig wahrnehmen und angemessen darauf reagieren können. Auch könne es in diesem Zusammenhang rasch zu Überforderungssituationen kommen. Dem entgegengehalten werden der leichtere Zugang und die höhere Akzeptanz solcher Angebote bei den Familien innerhalb der Zielgruppe aufgrund der lebensweltlichen Nähe der ehrenamtlich Tätigen. Unterstützungsangebote auf Ehrenamtsbasis können auch einen positiven Effekt auf das Gemeinwesen haben – im Sinne einer Stärkung der Übernahme wechselseitiger sozialer Verantwortung und Solidarität, aber auch als Motoren sozialer Innovation.  

Die Bundesinitiative lotet die Möglichkeiten und Grenzen des Einbezugs ehrenamtlichen Engagements im Kontext Früher Hilfen aus. Die Diskussion der Teilnehmenden erfolgte auf Basis der vorgestellten Erkenntnisse und Erfahrungen aus Forschung und Praxis.

Konferenzbeobachter

Georg Kaesehagen-Schwehn, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), Deutscher Caritasverband e.V., Mitglied des NZFH-Beirats 

Referentinnen und Referenten

Prof. Dr. Luise Behringer, Katholische Stiftungsfachhochschule München Prof. (em.)
Dr. Heiner Keupp, Ludwig-Maximilians-Universität München
Gabriele Limbach, Ehrenamtskoordinatorin »Frühe Hilfen in der Caritas«, Münster
Rebecca Maier, Nationales Zentrum Frühe Hilfen in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Alexandra Sann, Fachgruppenleitung Nationales Zentrum Frühe Hilfen im Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI)

Fachlicher Input