Schlaglicht 5

Anja Henkel, Netzwerkkoordinatorin „Frühe Hilfen Bonn – Das Netzwerk für Vater, Mutter Kind“, Familienkreis e.V.

Meine größte Herausforderung war…

und ist es noch, Möglichkeiten zu finden, die große Vielfalt im Netzwerk zu verknüpfen und die Gemeinsamkeiten, aber auch Widersprüche bei der Netzwerkarbeit sichtbar zu machen. Als Koordination muss man ein gutes Gespür dafür haben, was sich unter der Oberfläche abspielt, welche Vorbehalte, Vorurteile, Konkurrenzgedanken oder heimlichen Ziele im Raum stehen. Wenn (unterschwellig) jeder Akteur vor allem seinen Standortvorteil im Kopf hat oder bemüht ist, sich abzugrenzen, sich nicht zuständig zu fühlen, ist verbindliche Kooperation schwierig. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es wichtig dafür zu sorgen, dass die Informationen und Ergebnisse aus dem Netzwerk nicht einzelnen vorbehalten sind, sondern in die Organisationen hineingetragen werden.

Auf diese Weise habe ich sie gelöst…

Eine der wesentlichen Aufgaben der Koordination ist es, eine Atmosphäre von Dialog und größtmöglicher Offenheit zu schaffen. Das schafft Vertrauen und hilft, das ehrliche Interesse an der gemeinsamen Zielsetzung – nämlich dem gesunden Aufwachsen von Kindern – in den Mittelpunkt zu stellen. Wir arbeiten daran, eine Verantwortungsgemeinschaft zu werden. Dazu nutzen wir die Prinzipien der „lernenden Organisation“: Partizipation und Beteiligung, respektvoller und wertschätzender Umgang, transparente Information und Kommunikation. Wir sind am Prozess orientiert, arbeiten dialogisch und bemühen uns, eine Fehlerkultur zu etablieren, um aus schwierigen Situationen zu lernen. Um die Fachkräfte in den Austausch und den Dialog bringen, setzen wir unterschiedliche kreative Methoden ein.

Diese Faktoren waren bei der erfolgreichen Bewältigung hilfreich…

Ein großer Vorteil unserer Struktur ist, dass wir auch in der konkreten Arbeit mit den Familien tätig sind und so regelmäßigen Kontakt zu den Netzwerkpartnern haben. Gleichzeitig bekommen wir auf diese Weise die Themen mit, die für die Arbeit in den Frühen Hilfen relevant sind.  Hilfreich ist zudem, dass wir diese Aufgabe als Trägerkooperation übernehmen dürfen. In dieser Struktur können wir zeigen, wie Kooperation im positiven Sinne funktionieren kann und als Vorbild fungieren. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ist sehr gut und das Konzept für die Koordinierungsstelle ist gemeinsam entwickelt worden.