Frühe Hilfen zwischen Entwicklungsförderung und Kinderschutz

Am 02. Juni 2012 führte die Bonner Fördergesellschaft für Kindesentwicklung BoFöK e.V. im Rahmen der "Bonner Fortbildungsreihe Sozialpädiatrie" ein interdisziplinäres Symposium zum Thema Kindesentwicklung und Frühe Hilfen durch. Mehr als 90 Fachkräfte verfolgten in der Stadthalle Bad Godesberg die Vorträge und diskutierten über Frühe Hilfen im Spannungsfeld zwischen Entwicklungsförderung und Kinderschutz.

So kamen Kinderärztinnen und -ärzte, Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater, Psychologinnen und Psychologen, Hebammen sowie Therapeutinnen und Therapeuten der verschiedenen Professionen miteinander ins Gespräch. Die wissenschaftliche Leitung wurde übernommen von Dr. Helmut Hollmann, Chefarzt des Kinderneurologischen Zentrums der LVR-Klinik Bonn, unterstützt von PD Dr. Judith Sinzig, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der LVR-Klinik Bonn sowie Susanne Absalon, Koordinatorin im Netzwerk Frühe Hilfen Bonn.

Einleitend stellte PD Dr. Udo Käser, Bereich Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie des Instituts für Psychologie der Universität Bonn, die wissenschaftlichen Grundlagen von Entwicklung und Lernen vor. Zentral ist für ihn das Element der Eigenaktivität, wofür in der Gestaltung der Rahmenbedingungen die wichtigen Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

Prof. Dr. Alexander von Gontard, Direktor der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Saarlandes in Bad Homburg, befasste sich mit den verschiedenen Formen psychischer Störung und Verhaltensauffälligkeit im Vorschulalter. Er wies darauf hin, dass bereits frühzeitig die unterschiedlichen Ausprägungsformen unterschieden werden können und die Kinder einer dementsprechend gezielten Behandlung zugeführt werden müssen. Dabei ist die Berücksichtigung der Bezugspersonen in der Familie für ihn von besonderer Bedeutung.

Dr. Rainer Böhm, Kinderneurologe und Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums Bielefeld, stellte Erkenntnisse aus Langzeitstudien zur außerfamiliären Betreuung im Kleinkindalter vor. Danach ist neben den Anforderungen an die Qualität in Krippen hinsichtlich Qualifikation der Erzieherinnen und der Gruppengröße insbesondere auch die Betreuungsdauer von Bedeutung. Neben entwicklungsunterstützenden Aspekten gilt es, auch Risiken für die seelische Entwicklung zu berücksichtigen.

Mechthild Paul, Leiterin des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), berichtete über die Modellprojekte und den Stand der Ausbreitung in Deutschland. In den wenigen Jahren seit Gründung des NZFH hat sich viel positiv verändert, und die Unterstützung von Familien mit besonderen Bedarfen in der Erziehung von sehr jungen Kindern hat stark zugenommen. Dabei spielt die Prävention von Gewalt eine wichtige, aber keineswegs dominierende Rolle. Entscheidend ist vielmehr die gezielte frühe Hilfe in Umfang und Art je nach Erfordernis der Familie.

Abschließend stellte Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, umfassende Möglichkeiten der fachlichen Unterstützung für professionelle Kräfte ebenso wie laiengerechte Informationen vor. Dabei gelang ein beeindruckender Bogen von den Belangen des jungen Kindes und seiner Eltern bis zu den Erfordernissen von Institutionen der Kindesbetreuung.

Das Symposium wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Evaluation als hervorragend gelungen dargestellt. Weitere Veranstaltungen im Netzwerk Frühe Hilfen Bonn, das gerade seit 1 Jahr besteht, werden sich anschließen.