In Netzwerken Verantwortlichkeiten gestalten

Lieselotte Simon-Stolz stellte in Ergänzung zu ihren Vorrednerinnen und Vorrednern das Landesprogramm "Frühe Hilfen/Keiner fällt durchs Netz" vor – ein Kooperationsprojekt von Jugend- und Gesundheitshilfe im Saarland. Ziel dieses Projektes ist es, beide Arbeitsfelder besser miteinander zu vernetzen und alle Eltern im Übergang zur Elternschaft zu erreichen. Vor allem auch hoch belastete Familien, die von sich aus eher keine Präventions- und Interventionsmaßnahmen in Anspruch nehmen. Drei Punkte sind hier aus Sicht der Referentin zentral: zum Ersten die Vernetzung der gesundheitlichen Betreuung; zum Zweiten die Durchführung von Schulungen für Hebammen sowie für Fachpersonal in Geburtskliniken zur Durchführung einer Belastungseinschätzung sowie zum Dritten der Einsatz von Familienhebammen und Kinderkrankenschwestern. Zusätzlich zu konkreten Angeboten für Familien wurde eine Koordinationsstelle eingerichtet, die von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern der Jugendhilfe und Kinderärztinnen und -ärzten betrieben wird. Dort finden auch Fallbesprechungen statt.

Lieselotte Simon-Stolz sprach sich dafür aus, dass Frühe Hilfen ohne Frühförderung nicht denkbar sind. Um belastete Familien zu erreichen und unterstützen zu können, sollten am besten noch während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt Kontakt zu den Eltern hergestellt und ihre elterlichen Kompetenzen gestärkt werden, etwa durch Elternkurse wie "Das Baby verstehen" oder durch die Begleitung durch Familienhebammen oder Kinderkrankenschwestern. Je nach Bedarf werden die Familien an entsprechende Angebote des "Netzwerks für Eltern" vermittelt. Krankenschwestern, die bei medizinischen Problemen eingesetzt werden, könnten die Familie bis zum Schuleintritt des Kindes betreuen. Lieselotte Simon-Stolz stellte ein entsprechendes Fallbespiel vor. In diesem Fall wird deutlich, wie wichtig verbindliche Regelungen unter den Kooperationspartner sind, da es sonst zu einer "organisierten Verantwortungslosigkeit" komme.