Reinhold Schone informiert über "Handlungsansätze aus sozialpädagogischer Sicht" bei Kindeswohlgefährdung

Prof. Dr. Reinhold Schone, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des NZFH, war einer der Referenten bei der Tagung "Frühe Hilfen bei Kindeswohlgefährdung" des "Bündnis für Familie Kreis Borken". Er zeigte Anforderungen an die Kooperation aus Sicht der Jugendhilfe auf und erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe im Kontext ihrer Eingriffsmöglichkeiten bei Kindeswohlgefährdung.

Auf außerordentlich große Resonanz stieß die Tagung „Frühe Hilfen bei Kindeswohlgefährdung" im Borkener Kreishaus, die vom im vergangenen Jahr gegründeten „Bündnis für Familie Kreis Borken" angeboten wurde. Vorträge der renommierten Referenten Prof. Dr. Reinhold Schone (Fachhochschule Münster) und Dr. Eberhard Motzkau (Kinderschutzambulanz Düsseldorf) sowie ein Erfahrungsaustausch in Workshops standen dabei im Mittelpunkt. Mehr als 300 Fachleute aus der Jugend- wie Gesundheitshilfe, darunter Kinderärzte und Hebammen, hatten sich dafür angemeldet. Allerdings konnten aus organisatorischen Gründen nur 150 von ihnen berücksichtigt werden.

Im Fokus: Die Verbesserung des Frühwarnsystems

„Unser `Bündnis für Familie’ verfolgt das Ziel, positive Lebensbedingungen vor allem für Kinder zu schaffen", betonte Bündnis-Sprecher Heinz-Josef Tönnes bei der Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Daher müsse Familien in kritischen und belastenden Situationen frühzeitig Hilfen zukommen, um Überforderungssituationen der Eltern entgegenzuwirken und Gefährdungen für Kinder abzuwenden. „Hierzu sind alle aufgerufen, die in der medizinischen Versorgung, der Jugendhilfe und der psychosozialen Beratung tätig sind", unterstrich Tönnes. Ziel sei es, so ein breit angelegtes soziales „Frühwarnsystem" zu installieren.

Diskussion: Gesundheits- und soziale Fragen

„Die Bereitschaft zu enger Kooperation ist da", konstatierte anschließend erfreut die Moderatorin der Tagung, Kreis-Jugendhilfeplanerin Elisabeth Möllenbeck, die gleichzeitig auch das Projekt „Frühwarnsystem" betreut. Diese Zusammenarbeit sei auch dringend erforderlich, machte dann Professor Dr. Schone, in seinem Vortrag deutlich. Dabei nahm er die besondere Verantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe in den Blick: „Sie dürfen sich in Zweifelsfällen nicht scheuen, Fachleute anderer Institutionen in die Beurteilung einer familären Situation einzubeziehen", lautete sein Appell. Gleichzeitig zeigte er die Schwierigkeiten auf, die sich ergeben, wenn einerseits Familien keine Unterstützung und Hilfen annehmen wollen und andererseits noch nicht die Schwelle zu einer zwangsweisen Intervention überschritten ist. Dr. Eberhard Motzkau, der ärztliche Leiter der Kinderschutzambulanz Düsseldorf, zeigte in seinem Beitrag Möglichkeiten auf, wie Familien in schwierigen und belastenden Lebenssituation schon kurz nach der Geburt eines Kindes erfolgreich angesprochen und betreut werden können. So kooperiere die Kinderschutzambulanz eng mit dem Jugendamt, niedergelassenen Kinderärzten und Geburtskliniken.

Gefragt: Vorschläge für die Praxis

Die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten dann Gelegenheit, sich in fünf von Mitgliedern der Projektgruppe Frühwarnsystem geleiteten Arbeitsgruppen intensiv mit dem Problemfeld auseinanderzusetzen. Die einzelnen Workshop-Themen lauteten: „Verantwortlichkeiten im Umgang mit Risikofamilien" (moderiert von Dorothea Hartmann, Psychologin des St. Agnes-Hospitals Bocholt), „Zugangswege zu Risikofamilien" (Moderator Ludger Kämmerling, ärztlicher Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums Westmünsterland), „Bereitstellung früher Hilfen" (Moderator Dr. Klaus Hante, Sprecher der Kinderärzte im Kreis), „Risikomanagement" (Moderator Dr. Remi Stork, Diakonisches Werk Westfalen) und „Psychisch kranke/suchtkranke Eltern als Risikogruppe" (Moderator Michael Wingerath, Caritasverband Borken).

Anregungen der Fachkräfte: Wo Frühe Hilfen ansetzen müssen

Aus den Gesprächsrunden resultierte eine Reihe von Vorschlägen für die zukünftige Arbeit des Frühwarnsystems. So wurde empfohlen, verbindliche örtliche Netzwerke aufzubauen, in denen sich all diejenigen, die mit Schwangeren, Säuglingen, Kleinkindern und deren Familien befasst sind, persönlich kennen. Ganz wichtig sei es auch, so rasch wie möglich sozialpädagogische Anschlusshilfen einzuleiten, wenn in einer Kinder- oder Geburtsklinik problematische Familiensituationen beobachtet werden. Dabei sollten vor allem „Helfer" zum Einsatz kommen, die bei den betroffenen Eltern auf Akzeptanz stoßen und deren Tätigkeit nicht als stigmatisierend bzw. ausgrenzend empfunden wird, wie zum Beispiel Mitarbeiterinnen von Familienzentren und Hebammen. Überdies wurde es für erforderlich gehalten, generell die Angebote von familienbegleitenden Hilfen unmittelbar nach der Geburt (Stichwort „Familienhebammen") zu verstärken und dabei auch Unterstützung in Alltagsfragen, wie zum Beispiel richtige Ernährung, Versorgung und Pflege der Kinder, anzubieten.

In Planung: Umsetzung des Konzeptentwurfs

Wie Elisabeth Möllenbeck erläuterte, werden die Ergebnisse der Tagung nun von der Projektgruppe ausgewertet. Der Vorschlag der Projektgruppe zum Konzept eines sozialen Frühwarnsystems für den Kreis Borken soll dann im Sommer der Politik vorgestellt werden. Die zuständigen politischen Gremien haben anschließend darüber zu entscheiden, welche der vorgeschlagenen Handlungsansätze und Frühen Hilfen umgesetzt werden sollen und in welcher Höhe dazu finanzielle Mittel bereitgestellt werden.

 

Quelle: Pressedienst des Kreises Borken vom 18.02.08, www.kreis-borken.de