Die Aufgaben des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat das NZFH mit konkreten Arbeitsaufträgen ausgestattet. Aufgaben in der ersten Förderphase (bis Ende 2010) waren der Aufbau einer Wissensplattform, die Kommunikation der Ergebnisse sowie der Transfer der Erkenntnisse in die Praxis und Wissenschaft.

Aus Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz ergab sich zudem der Projektbereich, „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz“ mit dem Ziel die Weiterentwicklung im Kinderschutz in Deutschland zu unterstützen, aus Fehlern und Fallanalysen problematischer Kinderschutzverläufe zu lernen.

Mit Beginn der zweiten Förderphase (2011) erweiterte das BMFSFJ die Aufträge um die Bereiche Qualifizierung und Kooperation. Darüber hinaus übernimmt das NZFH Aufgaben infolge des neuen Bundeskinderschutzgesetzes, das zum 01.12.2012 in Kraft getreten ist, etwa im Rahmen der "Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen".

Die Aufgaben des NZFH im Überblick:

Wissensplattform: Forschung initiieren und Ergebnisse für die Praxis nutzbar machen

Ziel dieses Schwerpunktes ist es, Forschungslücken im Bereich der Frühen Hilfen zu schließen und das bereits vorhandene Wissen so aufzubereiten, dass Akteure vor Ort bei ihrer Arbeit davon profitieren können. Hier einige Beispiele:

  1. Im Rahmen des Aktionsprogramms haben Bund und Länder zehn Modellprojekte ausgewählt, die zwischen 2007 und 2010 in allen 16 Bundesländern durchgeführt und im Auftrag des NZFH evaluiert wurden. Mittlerweile liegen umfangreiche Ergebnisse vor wie beispielsweise das Werkbuch Vernetzung, das der Praxis Unterstützung bei der Netzwerkarbeit bietet.  Einige Frühe-Hilfen-Modellprojekte werden außerdem weitergeführt, um die Nachhaltigkeit der Intervention zu untersuchen.
  2. Die Arbeit von Familienhebammen rückt vor allem durch die im neuen Bundeskinderschutzgesetz verankerte Bundesinitiative immer stärker in den Blick. Das NZFH untersucht beispielsweise in dem Projekt "Keiner fällt durchs Netz/PFIFF" anhaltende Effekte der Familienhebammenarbeit für Familien mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Des Weiteren werden Instrumente zur Selbstevaluation entwickelt, die in die Dokumentationsvorlagen für Familienhebammen integriert werden können.
  3. Befragungen der Gesundheits- und Jugendämter liefern einen Einblick in den kommunalen Aus- und Aufbau von Frühen Hilfen. Die Ergebnisse wurden bisher in zwei Publikationen (Bestandsaufnahmen) dokumentiert.
  4. Die "Kosten-Nutzen-Analyse" im Rahmen des Modellprojekts "Guter Start ins Kinderleben" ergab gute Hinweise dafür, dass sich Investitionen in Frühe Hilfen lohnen. Danach sind die Interventionskosten bei Kindeswohlgefährdung mindestens 60mal höher, als die Kosten, die bei den Frühen Hilfen anfallen. Die Kosten-Nutzen-Relationen werden weiterhin beobachtet.

Transfer: Gute Praxis unterstützen, weiterentwickeln und übertragen

Ziel ist es, die erprobten positiven Ansätze aus den Modellprojekten dauerhaft in die Regelversorgung zu implementieren. Das NZFH stellt seine Erkenntnisse auf Kongressen, Tagungen und in Workshops, aber auch durch Veröffentlichungen und auf der Internetplattform www.fruehehilfen.de zur Verfügung. Des Weiteren regt das NZFH durch "ÜberRegionale NetzwerkeKonferenzen Frühe Hilfen – Voneinander lernen" einen Austausch darüber an, welche Hilfen und Netzwerke sich regional bewährt haben und wie eine dauerhafte Implementierung vorangebracht werden kann. Damit unterstützt das Nationale Zentrum Frühe Hilfen Akteurinnen und Akteure beim Aufbau von Frühen Hilfen.

Qualifizierung: Kompetenzen stärken und interdisziplinäres Lernen ermöglichen

Die Bestandsaufnahme bei den Jugend- und Gesundheitsämtern zeigte, dass ein erheblicher Qualifizierungsbedarf auf der Fachebene besteht. Das NZFH sieht im Bereich der professionsübergreifenden Fort- und Weiterbildungen und des interdisziplinären Lernens ein wichtiges Aufgabenfeld. Erkenntnisinteresse sind dabei zunächst die Anforderungsprofile. Vor allem die Koordinator(inn)en der Netzwerke Frühe Hilfen benötigen dringend die Unterstützung durch Fortbildungen und Arbeitsmaterialien, um die anspruchsvolle Aufgabe erfüllen zu können. Aber auch andere Professionen werden in den Blick genommen. Beispielsweise werden Kompetenzprofile für Familienhebammen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger(innen) erarbeitet.

Außerdem nutzt das NZFH etablierte Instrumente ärztlicher Fortbildung für die Frühen Hilfen wie die regionalen Qualitätszirkel. In einem Projekt mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg nehmen sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Mitarbeitende aus dem Bereich der Jugendhilfe an gemeinsamen Fallbesprechungen teil. Geleitet werden die interdisziplinären Qualitätszirkel von einem Moderations-Tandem. Durch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe soll eine bessere Kooperation gefördert werden.

Kommunikation: Öffentlichkeit herstellen und für Frühe Hilfen werben

Aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt die Tätigkeit des NZFH und macht die Aufgaben und Ergebnisse transparent. Das NZFH informiert laufend über Forschungsergebnisse, Tagungen und Entwicklungen im Bereich der Frühen Hilfen. Dies geschieht auf der Internetseite www.fruehehilfen.de, durch einen regelmäßigen Newsletter und Presseinformationen. Das Ziel ist, sowohl die Fachkräfte durch die Informationen und Hinweise auf dem Laufenden zu halten, aber auch der Bevölkerung eine Möglichkeit zu geben, mehr über das Thema Frühe Hilfen, die Arbeit der Fachkräfte und das NZFH zu erfahren. Darüber hinaus erarbeitet das NZFH in Kooperation mit der Stiftung Pro Kind neue Informationsmaterialien. Sie haben zum Ziel, die Erziehungskompetenz von Schwangeren, werdenden Vätern und Eltern mit Kleinkindern in belasteten Lebenslagen zu stärken und sie zu motivieren, weitere Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Kooperation: Kompetenzen verschiedener Bereiche nutzen

Das NZFH arbeitet über verschiedene Gremien und Arbeitsgruppen eng mit Wissenschaft, Fachpraxis, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zusammen. Das NZFH wird durch einen Beirat aus Wissenschaftler(inne)n sowie Vertreter(inne)n der Institutionen, die zentral für die Frühe Hilfen sind, beraten.

Lernen aus Problematischen Kinderschutzverläufen

Durch den gemeinsamen Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundeskanzlerin ist das NZFH beauftragt, über den Kernbereich der Frühen Hilfen hinauszublicken. Ziele dieses Projektbereiches sind, die Weiterentwicklung einer Fehlerkultur im Kinderschutz in Deutschland zu unterstützen, aus Fallanalysen zu lernen und problematische Kinderschutzverläufe zu verhindern helfen. Das NZFH bearbeitet diesen Auftrag auf zwei Ebenen: Erstens wurde das Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekt "Aus Fehlern lernen. Qualitätsmanagement im Kinderschutz" auf den Weg gebracht. Es begleitete 42 Kommunen und unterstützte sie im Qualitätsentwicklungsprozess.

Zweitens erfolgt der Aufbau einer Plattform für einen Erfahrungsaustausch zu problematisch verlaufenden Kinderschutzfällen. Hierzu werden nationale und internationale Forschungsergebnisse und Entwicklungen zusammengetragen und ausgewertet sowie Methoden zur Analyse von Kinderschutzfällen entwickelt. Darüber hinaus wird eine Arbeitshilfe zur kommunalen Krisenkommunikation erstellt.

Bundesinitiative Frühe Hilfen: wissenschaftliche Begleitung, Koordination und Evaluation

In der Folge des zum 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetzes hat das NZFH umfangreiche Aufgaben übernommen. Dazu gehören die inhaltlichen Umsetzung und Koordinierung der Bundesinitiative Frühe Hilfen auf Bundesebene, die modellhafte Erprobung und Evaluation der Praxis, die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Strukturaufbaus in Ländern und Kommunen, die Unterstützung des länderübergreifenden Austauschs über Qualifizierungs- und Qualitätsentwicklungskonzepte sowie die Ausgestaltung und Koordination der Öffentlichkeitsarbeit.