Unter der Moderation von Margit Berndl vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern wurden in einer abschließenden Podiumsdiskussion die Erkenntnisse der Tagung von Fachpersonen zusammengefasst.
Susanne Hartmann (Modellprojekt Pro Kind, Bremen) sah in der Vertrauensarbeit zur Zeit der Schwangerschaft eine Chance, früh ins Thema einsteigen zu können. Sie betonte aber auch, dass noch Lücken in der sozialen Verzahnung und in der Bereitstellung von Ressourcen für Helfer geschlossen werden müssen.
Gertrud Ayerle (Modellprojekt Frühstart, Uni Halle-Wittenberg) bestätigte, dass Kooperationen an finanzielle und zeitliche Kapazitätsgrenzen stoßen. Sie machte darauf aufmerksam, dass Familienhebammen die Familien nur bis zum ersten Geburtstag des Kindes begleiten, dann fehle ein Begleitungsanschluss.
Gabriele Glorius (Frauenhauskoordinierung, Frankfurt) ist stolz auf die lange Kooperationserfahrung von Frauenhäusern, sieht aber auch die Dauerbelastung von Mitarbeiterinnen. "Die Qualität der Kooperationen ist mit dem derzeitigen Personal und finanziellen Ressourcen nicht leistbar", sagte sie.
Prof. Dr. Barbara Kavemann (Sozialwissenschaftlerin, Berlin) appellierte an die Verantwortungsgemeinschaft. Das Zusammenspiel von Kinderschutz, Frühen Hilfen und Frauenschutz habe eine hervorragende Ausgangslage. "Aber die Rahmenbedingungen für diejenigen, die Schutz brauchen, sowie auch für diejenigen, die diese Arbeit leisten, stimmen noch nicht", so Kavemann. Kooperationsprozesse brauchten zudem Zeit, das werde häufig vergessen.
Dr. Birgit Schweikert (Bundesministerium, Referat für Gewalt gegen Frauen) stellte fest, dass Häusliche Gewalt ein Thema für die Frühen Hilfen ist und nun damit verknüpft werden muss. Sie plädierte für eine Beschleunigung von nächsten Schritten, aber für eine Entschleunigung, was die Erwartungen betrifft. "Wir haben eine neue Qualität in der Arbeit, und da braucht es Ressourcen", betonte sie.
Dr. Manuela Stötzel (Bundesministerium, NZFH) findet die Daten zur Prävalenz Häuslicher Gewalt erdrückend und hob in dem Zusammenhang hervor, dass die Tagung wesentlich dazu beigetragen hat, die Schnittstelle zwischen Häuslicher Gewalt und Frühen Hilfen sichtbar zu machen. Sie sieht Handlungsbedarf, die Thematik in die Aus-, Fort- und Weiterbildungen im Feld der Frühen Hilfen einzubringen. Das sollte mit den Ländern diskutiert werden, meinte Stötzel und schloss, dass Kooperation auf Landes- und Bundesebene, aber auch auf ministerieller Ebene stattfinden muss.





