PD Dr. Haci-Halil Uslucan von der Universität Potsdam, der einige kulturvergleichende Studien zu den Themen Gewalt, Erziehung und Integration durchgeführt hat und auch als Sachverständiger vor Gericht in Fällen von Kindeswohlgefährdung tätig ist, beleuchtete kulturspezifische Hintergründe bei häuslicher Gewalt in Familien mit Migrationshintergrund. Dazu gehören u. a. eine vergleichsweise frühe Elternschaft, die die Entwicklungsbedürfnisse der jungen erwachsenen Männer wie Frauen blockiere, aber auch traditionelle Geschlechtsrollenbilder, die männliche Dominanz, exklusive Sexualität von Frauen in der Ehe und die Neigung zu innerfamiliärer Konfliktregelung bedeuteten. Gerade die Isolation und Rückbindung von Frauen an die Familienverbände des Mannes könnten dazu führen, dass Frauen sich nicht aus gewaltbelasteten Beziehungen lösen können, auch weil sie oftmals erst nach zwei Jahren ein eigenständiges Aufenthaltsrecht erhalten. Kultursensibler Kinderschutz müsse zwar Werte und Zielvorstellungen von Familien berücksichtigen, erklärte Uslucan, jedoch Gewalt nicht tolerieren. Die negativen Folgen häuslicher Gewalt für die Entwicklung von Kindern müssten auch gegenüber Familien mit Migrationshintergrund deutlicher benannt werden. In der anschließenden Diskussion wurde u. a. gefordert, MigrantInnen bei der Entwicklung von Gewaltschutzprogrammen für Frauen und Kinder einzubeziehen und Ansätze zur Arbeit mit Familienverbänden statt nur mit der Kernfamilie zu entwickeln.
Präsentation
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Dr. Haci Halil Uslucan: "Migrationssensibler Kinderschutz - eine neue Chance für Frühe Hilfe bei häuslicher Gewalt" (pdf / 267 KB)
Präsentation im Rahmen der Tagung "Frühe Hilfen bei häuslicher Gewalt" des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Tutzing, 11.10.2009





