Der Eltern-Ordner der BZgA

Der Eltern-Ordner der BZgA will die Kompetenz von Eltern stärken. Fachlich gesicherte Empfehlungen zur Prävention sollen Eltern die Möglichkeit geben, ihr Kind in seiner gesunden Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Der Eltern-Ordner versteht sich als Beitrag zur qualitativen Optimierung des Früherkennungsprogramms nach § 26 SGB V. Fachkräfte und Institutionen können ihn bestellen und im persönlichen Kontakt an Eltern weitergeben.

Der Eltern-Ordner „Gesund groß werden" zum gesunden Aufwachsen und zu den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder U1-U9 und J1 nach § 26 SGB V ist eingebettet in die gesundheitspolitische Zielsetzung des Bundes, die Prävention und Gesundheitsförderung im Kindesalter zu stärken und die präventiven Potenziale der Früherkennungsuntersuchungen für Kinder besser auszuschöpfen.

Zum Eltern-Ordner

Der Eltern-Ordner "Gesund groß werden" sollte bundesweit möglichst vielen Eltern bei der Geburt ihres Kindes an die Hand gegeben werden. Ziel ist es

  • Eltern den Zugang zu relevantem Gesundheitswissen zu eröffnen,
  • die Elternkompetenz in Fragen der gesunden kindlichen Entwicklung, der Prävention vermeidbarer Erkrankungen/ Gesundheitsschäden sowie der Früherkennung von Entwicklungsstörungen zu stärken und
  • das Arzt-Eltern-Gespräch im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen zu optimieren.

Der Ordner ist modulartig aufgebaut und umfasst zwei Elternhefte zu den Früherkennungsuntersuchungen sowie sechs thematische Infohefte. Mit diesem modularen System wird der Erfordernis Rechnung getragen, bundesweit die gesamte Zielgruppe der Eltern anzusprechen, gleichzeitig aber auch auf schichtspezifische Nutzer- und Lesegewohnheiten eingehen zu können und so auch Eltern mit niedrigem Sozialstatus zu erreichen.

Module des Eltern-Ordners

Kernstück des aktualisierten Ordners sind zwei Elternhefte zu den Früherkennungsuntersuchungen (Heft 1: U1-U6; Heft 2: U7 bis U9 und J1).

Die Aufteilung in zwei Hefte trägt den Entwicklungsphasen des Kindes und den damit verbundenen besonderen Fragen stärker Rechnung und kommt dem Bedürfnis der Eltern nach altersspezifischen Informationen mehr entgegen. So ist beispielsweise das erste Lebensjahr eine besondere Phase: Es ist die Zeit des Kennenlernens, die Eltern-Kind-Beziehung entwickelt sich und auf dem Weg zum Kleinkind vollbringt das Baby enorme Entwicklungsschritte. In diese Zeit fällt zudem der überwiegende Teil der Früherkennungsuntersuchungen.

Bezogen auf den Zeitpunkt der jeweiligen Früherkennungsuntersuchung (U) enthalten die Elternhefte folgende Elemente:

  • einen „Brief" an die Eltern, der zentrale Themen der Entwicklung und Gesundheit des Kindes in dieser Phase anspricht, aber auch auf die Besonderheiten der Eltern-Kind-Beziehung eingeht
  • Informationen und Empfehlungen zur Gesundheitsförderung und Prävention, die zeitgenau oder vorausschauend gegeben werden (zum Beispiel Stillen, Prävention des plötzlichen Säuglingstods, Unfallverhütung u.a.)
  •  Informationen zur Durchführung und den Zielen der anstehenden U-Untersuchung
  • Fragen an die Eltern zum aktuellen Entwicklungsstand ihres Kindes; diese sollen Eltern helfen, sich systematisch auf die jeweilige Untersuchung vorzubereiten; gleichzeitig soll der Arzt oder die Ärztin hierdurch Hinweise auf mögliche Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten oder elterliche Belastungssituationen erhalten, die die gesunde Entwicklung des Kindes beeinträchtigen können

Zweites Element des Ordners sind sechs thematische "Infohefte zur Gesundheit und Entwicklung", welche den Eltern bei Bedarf vertiefende Hintergrundinformationen bieten:

  • Kindliche Entwicklung (Entwicklungsbereiche und Entwicklungsschritte)
  • Förderung und Unterstützung der gesunden Entwicklung (u.a. Pflege, Ernährung, Schlafen, Spielen, Bewegung)
  • Auffälligkeiten und Störungen in der kindlichen Entwicklung (u.a. Ein- und Durchschlafprobleme, Schreiprobleme, Fütter- und Gedeihstörungen, Sprech- und Sprachstörungen)
  • Präventionswissen (u.a. Impfproramm, Mund- und Zahnhygiene, Allergievorbeugung, Nichtrauchen, Unfallverhütung)
  • Krankheitswissen und erste Hilfen (zu den häufigsten Krankheitssymptomen im Säuglings- und Kindesalter)

Daneben enthält der Eltern-Ordner wichtige Notrufnummern und hilft, alle Dokumente wie Mutterpass, Impfpass, Kinderuntersuchungsheft griffbereit zu haben.

Kooperation und fachliche Abstimmung

Konzept und Inhalte des Elternordners hat die Bundeszentrale in enger Abstimmung mit den pädiatrischen Fachgesellschaften, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) entwickelt. Die Weiterentwicklung erfolgte in Abstimmung mit der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) und ihren kinder- und jugendmedizinischen Mitgliedsgesellschaften.
Ein Kreis namhafter Expertinnen und Experten der Pädiatrie und Entwicklungspsychologie hat die Entwicklungsphase wie auch die Weiterentwicklung fachlich begleitet und unterstützt die Bundeszentrale darin, die Inhalte und Informationen auf aktuellem wissenschaftlichem Stand zu halten.

Wissenschaftliche Erprobung des Eltern-Ordners

Die Effekte des Eltern-Ordners wurden modellhaft im Rahmen einer kontrollierten randomisierten Evaluationsstudie durch das Institut für Medizinische Psychologie der Universität Hamburg-Eppendorf in den Modellregionen Rheinland-Pfalz und Sachsen geprüft. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben (bis September 2008) wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Eltern-Ordner bei Expertinnen und Experten wie Eltern hohe Akzeptanz erfährt. Das Elternheft zu den Früherkennungsuntersuchungen wie auch die Infohefte zur gesunden kindlichen Entwicklung werden von 95 Prozent der Eltern gleichermaßen positiv bewertet. Eltern aller sozialen Schichten haben durch die Nutzung des Ordners ihr Präventionswissen erhöhen können. Die wissenschaftliche Erprobung hat den Nachweis erbracht, dass der Eltern-Ordner wirksam ist und die Primärprävention fördert. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine bundesweite Verbreitung erfüllt.

Detaillierte Informationen finden sich in dem Kurzbericht der Ergebnisse "Modellhafte Evaluation der Funktion und Wirksamkeit des Eltern-Ordners". Dieser kann als PDF auf den Seiten der BZgA heruntergeladen werden.

Nutzung in Praxisfeldern der Gesundheits- und Jugendhilfe

Der Eltern-Ordner wird von Fachkräften des Gesundheitssystems und der Kinder- und Jugendhilfe über den Fokus der Früherkennungsuntersuchungen hinaus als hervorragendes Material für die Information und Kompetenzstärkung von Eltern geschätzt. Er wird zumeist im Rahmen von "Willkommenspaketen" genutzt oder im Kontext persönlicher Beratung und aufsuchender Hilfen für junge Familien eingesetzt.
Institutionen der Gesundheits- und Jugendhilfe, die Eltern unterstützen und begleiten, aber auch Einzelpersonen können den Eltern-Ordner bestellen.

Den Eltern-Ordner bestellen

Hrsg.: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln, 2015 (aktuelle Auflage)

Hinweis:
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat eine Neufassung der Kinderrichtlinien (Früherkennungsuntersuchungen U1-U9) und des sogenannten „Gelben Kinderuntersuchungsheftes“ beschlossen. Die Neufassung tritt am 1. September 2016 im in Kraft. Dies nimmt die BZgA zum Anlass, den Elternordner „Gesund groß werden" nicht mehr im Printformat aufzulegen. Die Restbestände der aktuellen Auflage des Eltern-Ordners (Stand: Mai 2015) können nach Verfügbarkeit noch abgerufen und bestellt werden.