Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen

Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen bieten ein Forum für den fachlichen Austausch und die Vernetzung von Vertragsärztinnen und -ärzten, Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Ziel ist es, Familien mit Unterstützungsbedarf frühzeitig passgenaue Hilfen durch die koordinierte Zusammenarbeit beider Systeme anzubieten. Im Rahmen eines Modellprojekts haben das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) und die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) interprofessionelle Qualitätszirkel erfolgreich etabliert und erprobt. 2015 wurde das Projekt beim großen Präventionspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Das Qualitätszirkelmodell steht fortan allen interessierten Kassenärztlichen Vereinigungen und Landeskoordinierungsstellen Frühe Hilfen bundesweit zur Verfügung.

Eine Brücke zwischen Gesundheitssystem und Kinder- und Jugendhilfe

Interprofessionelle Qualitätszirkel nutzen die bereits etablierten Strukturen des fachlichen und fallbezogenen Austauschs von Ärztinnen und Ärzten. Im Rahmen des Modellprojektes in Baden-Württemberg wurden die vertragsärztlichen Qualitätszirkel zu einer Vernetzungsplattform ausgebaut und um Mitarbeitende der Kinder- und Jugendhilfe erweitert.

Systembedingte Hürden, die auf unterschiedliche Strukturen und Abläufe zurückzuführen sind, erschweren die engere Verzahnung von Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe. Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen schlagen eine Brücke zwischen den Systemen. Sie fördern die gemeinsame Fallarbeit und das Verständnis für die jeweiligen Systemlogiken. Auf diese Weise kann die Versorgung von Familien mit passgenauen Angeboten nachhaltig verbessert werden.

Etablierung Interprofessioneller Qualitätszirkel in Baden-Württemberg

Inzwischen sind in Baden-Württemberg landesweit Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen etabliert worden. In Form von „Familienkonferenzen“ tauschen sich die Teilnehmenden über anonymisierte Fallbeispiele aus und können so gemeinsame Handlungsstrategien für den Einzelfall entwickeln. Begleitet werden die Qualitätszirkel von speziell geschulten Moderatoren-Tandems, die sich aus Ärzteschaft und Kinder- und Jugendhilfe zusammensetzen.

Im Herbst 2014 haben die KVBW, der Städte- und Landkreistag sowie der BKK-Landesverband Süd die bundesweit erste Rahmenvereinbarung zur Finanzierung der präventiven ärztlichen Leistungen geschlossen. Honoriert werden die Fallfindung und die motivierende Beratung der Eltern. Durch weitere Vereinbarungen mit anderen Krankenkassen soll das ärztliche Angebot als regelhafte Leistung für alle Familien mit Unterstützungsbedarf ausgebaut werde.

Qualitätszirkel Frühe Hilfen als Modell für andere Bundesländer

Das Projekt „Interprofessionelle Qualitätszirkel Frühe Hilfen“ hat bereits bundesweit Resonanz gefunden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landeskoordinierungsstellen Frühe Hilfen für die Länder Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen haben 2015 mit der Projektumsetzung begonnen. Dazu haben die Beteiligten Tutorentandems zu einer ersten Ausbildungsstaffel angemeldet. Die Tutorentandems bestehen aus einer Vertretung aus der niedergelassenen Ärzteschaft sowie einer Vertretung der Kinder- und Jugendhilfe. Weitere Bundesländer wie Bayern, Hamburg und Rheinland-Pfalz zeigen Interesse an einer Teilnahme an der zweiten Ausbildungsstaffel.

Die Ausbildung von Tutorentandems wurde ergänzend eingeführt, um die Moderatorenausbildung in den einzelnen Bundesländern zu regeln. Die Tutorentandems werden in den beteiligten Bundesländern die Ausbildung der Moderatorentandems in den lokalen Qualitätszirkeln unterstützen. Darüber hinaus gründen die Tutorentandems seit Anfang 2016 eigene Qualitätszirkel, so dass sie ein breites praktisches Wissen weitergeben können. Das NZFH finanziert die Tutorenausbildung und begleitet den Prozess der bundesweiten Umsetzung.

Weitere Informationen zum Modellprojekt “Interprofessionelle Qualitätszirkel” in Baden-Württemberg

Pressemitteilung zur ersten bundesweiten Rahmenvereinbarung für die Zusammenarbeit von Ärzten und Kinder- und Jugendhilfe im präventiven Kinderschutz

„Vernetzung vertragsärztlicher Qualitätszirkel mit Frühen Hilfen“ beim Großen Präventionspreis 2015 des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet

Das vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) initiierte und geförderte Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW): „Vernetzung vertragsärztlicher Qualitätszirkel mit Frühen Hilfen“ wurde beim Großen Präventionspreis 2015 der Stiftung für gesundheitliche Prävention Baden Württemberg in der Kategorie „Werdende Mütter und Eltern“ ausgezeichnet. Sozialministerin Karin Altpeter überreichte am 22. Juli in Stuttgart die Urkunden an Projekte, die den Kindern des Landes ein gesundheitsförderliches Aufwachsen von Geburt an ermöglichen.

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Tagungsdokumentation „Gemeinsam Verantwortung tragen – interprofessionelle Qualitätszirkel als Instrument der Frühen Hilfen“

Auf der Tagung wurden sowohl Ergebnisse des Modellprojekts vorgestellt als auch die Frage nach der weiteren Dissemination des Konzepts diskutiert. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg durchgeführt.

 

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