Bundesgesundheitsblatt Nr. 10/2010

"Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern" sind das Thema des Hefts Nr. 10/2010 der Monatszeitschrift "Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz". Im Heft sind unter anderem Beiträge zu Risikoscreenings sowie Zugangswegen Früher Hilfen erschienen.

Das Heft gibt einen Überblick über die aktuelle Forschung und Praxis Früher Hilfen in Deutschland. Nachfolgend finden Sie die Abstracts einiger ausgewählter Beiträge. Diese und alle übrigen Artikel der Ausgabe können Sie auf dieser Seite herunterladen.

Zugangswege zu hoch belasteten Familien über ausgewählte Akteure des Gesundheitssystems. Ergebnisse einer explorativen Befragung von Modellprojekten Früher Hilfen

Ilona Renner (Nationales Zentrum Frühe Hilfen):

Die projektübergreifende Darstellung ausgewählter Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen zur Kooperation zwischen Anbietern Früher Hilfen und niedergelassenen Ärztinnen, Ärzten und Hebammen basiert auf einer explorativen schriftlichen Befragung der zehn Modellprojekte, die im Rahmen des Aktionsprogramms "Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme" der Bundesregierung wissenschaftlich begleitet werden. Die Auswertung zeigt, dass die Zusammenarbeit mit freiberuflichen Hebammen aus Sicht der Modellprojekte Erfolg versprechend ist. Demgegenüber sollten die Bedingungen für eine verstärkte Kooperation mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten noch optimiert werden.

Systeme Früher Hilfen: Gemeinsam geht’s besser! Ergebnisse der ersten bundesweiten Bestandsaufnahme bei Jugend- und Gesundheitsämtern

Alexandra Sann (Nationales Zentrum Frühe Hilfen), Detlef Landua (Deutsches Institut für Urbanistik)

Die bundesweite Bestandsaufnahme wurde vom Deutschen Institut für Urbanistik im Auftrag des NZFH durchgeführt und läuft seit Juli 2008. Ziel der vorgestellten Untersuchung ist die Erfassung und Beschreibung des Entwicklungsstandes kommunaler Systeme Früher Hilfen in der Bundesrepublik Deutschland. So gut wie alle teilnehmenden Jugendämter und eine große Mehrheit der teilnehmenden Gesundheitsämter geben an, den Auf- und Ausbau Früher Hilfen aktiv voranzutreiben, die meisten sind dabei auch Teil eines ressortübergreifenden Netzwerks. Vertraglich gesicherte, verpflichtende Kooperationen sind jedoch – entsprechend den gesetzlichen Vorgaben – weitgehend auf das System Jugendhilfe beschränkt. Die Untersuchungsergebnisse machen den Optimierungsbedarf deutlich.

Risikoscreening als systematischer Zugang zu Frühen Hilfen. Ein gangbarer Weg?

Heinz Kindler (Nationales Zentrum Frühe Hilfen)

Verfahren des Risikoscreenings verfolgen das Ziel, unter Bedingungen von Freiwilligkeit möglichst systematisch Familien zu identifizieren, die von intensiveren Angeboten Früher Hilfe in besonderer Weise profitieren können. Entsprechende Screeningverfahren können sich auf eine Reihe internationaler Längsschnittstudien zu Vorhersagefaktoren früher Gefährdung stützen. In Deutschland befinden sich entsprechende Verfahren noch in der Entwicklung bzw. wissenschaftlichen Prüfung, auch wenn erste Praxiserfahrungen im Rahmen von Modellversuchen positiv ausgefallen sind. Der Beitrag kommt zu dem Ergebnis, dass Screeningverfahren im Bereich Früher Hilfen einen gangbaren Weg darzustellen, sofern Stigmatisierungseffekte vermieden werden können und teilnehmende Familien auch über die Verhinderung von Gefährdung hinaus profitieren.

Kinderschutz und Frühe Hilfen aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin

Ute Thyen (Universitätsklinikum Lübeck, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin; Wissenschaftlicher Beirat im Nationalen Zentrum Frühe Hilfen)

Im Gesundheits-, Sozial- wie auch Bildungswesen werden zunehmend Forderungen nach präventiven Strategien artikuliert, die der Verbesserung des Schutzes von Kindern und ihrer Entwicklungs- und Bildungschancen dienen sollen. Die vielfältigen Entwicklungsbedürfnisse von Kindern und die komplexe Beeinflussung durch Kontextfaktoren machen es erforderlich, dass die genannten drei Bereiche ihre Angebote und Maßnahmen integrieren und jeweils auf die besonderen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes abstimmen. Anhand eines Fallbeispiels werden im vorliegenden Beitrag Probleme bei der Gestaltung von Schnittstellen zwischen Jugendhilfe, Sozialhilfe und Gesundheitswesen aufgezeigt und analysiert. Es zeigt sich, dass eine systemische Sicht auf die Aufgaben und professionelle Selbstverständnisse von Hilfesystemen erforderlich sind, um eine effiziente und nachhaltige gesundheits- und sozialpolitische Planung zu unterstützen.

Quellen: Abstracts der Autorinnen und Autoren im Bundesgesundheitsblatt Nr. 10/2010 

Publikation

Hrsg.: Springer Medizin Verlag, Robert Koch Institut, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation (DIMDI), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Paul-Ehrlich-Institut, 2010 (Nr. 10/2010)
Hrsg.: Springer Medizin Verlag, Robert Koch Institut, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation (DIMDI), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Paul-Ehrlich-Institut, 2010 (Nr. 11/2010)