16. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag

Unter dem Motto "22 mio. junge chancen gemeinsam.gesellschaft.gerecht.gestalten." fanden vom 28. bis 30. März 2017 in Düsseldorf Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe zusammen und diskutierten die aktuelle Themen- und Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und Europa. 

Der Fachkongress ist neben der Fachmesse eines der zentralen Elemente des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages und versteht sich als Forum für den Austausch von Politik, Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. In zahlreichen Veranstaltungen, vom wissenschaftlichen Vortrag, über die Vorstellungen von gelungenen Projekten bis hin zu hochkarätig besetzen Fachforen oder Workshops setzt der Fachkongress vielfältige Impulse und fördert die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen und Problemstellungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und Europa. Der Kongress fördert den fachlichen Austausch und bietet gleichzeitig Raum für die kontroverse Diskussion. 

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) war mit einem Präsentationsstand auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag in Düsseldorf vertreten. Den Stand (C 38) gestaltete das NZFH gemeinsam mit den Referaten Sexualaufklärung und Prävention von sexuellem Missbrauch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendhilfetag finden Sie hier.

Veranstaltungen mit Beteiligung des NZFH und zum Themenfeld Frühe Hilfen

Dienstag, 28.03.2017

14.30 Uhr

Workshop: Multiprofessionelle Analyse von Kinderschutzfällen

Veranstalter: Deutsches Jugendinstitut e.V.
Kooperationspartner: Jugendamt Stuttgart

Autoren:

  • Christine Gerber, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) / Deutsches Jugendinstitut e.V.(DJI)
  • Wulfhild Reich, Jugendamt Stuttgart
  • Barbara Kiefl, Jugendamt Stuttgart

Die Analyse von fehlgeschlagenen Kinderschutzverläufen durch externe Gutachter hat sich in den letzten Jahren v.a. in öffentlich gewordenen Fällen als Weg der Aufarbeitung etabliert. Zugleich interessieren sich immer mehr Jugendämter dafür, unbefriedigend gelaufene Fälle auch ohne äußeren Anlass zu rekonstruieren. 

Im Rahmen des Projektbereichs "Lernen aus problematischen Kinderschutzverläufen" des Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) am Deutschen Jugendinstitut e.V. wurden mehrere Fälle gemeinsam mit Jugendämtern untersucht. Neben dem öffentlichen Träger waren an dem Prozess auch andere Institutionen beteiligt. Eine dieser multiprofessionellen Fallrekonstruktionen wurde gemeinsam mit dem Jugendamt Stuttgart durchgeführt. In dem Workshop werden neben dem methodischen Vorgehen auch die Erfahrungen aus der Sicht des Jugendamtes mit dieser Art von Fallanalyse vorgestellt. Welche Voraussetzungen braucht es? Welche Bedeutung hat die Beteiligung mehrerer Institutionen an dem Analyseprozess? Welchen Nutzen und Herausforderungen gibt es? Welche Erkenntnisse über das Kinderschutzsystem konnten gewonnen werden? Wie konnten die Erkenntnisse für die Qualitätsentwicklung nutzen?

17.00 Uhr

Fachforum: Empirische Befunde zur Kooperation zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen im Kinderschutz

Veranstalter: Deutsches Jugendinstitut e.V.
Kooperationspartner: Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Autoren:

  • Julia Zimmermann, Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)
  • Dr. Liane Pluto, Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)
  • Gudula Kaufhold, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund
  • Dr. Thomas Mühlmann, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund  

Der seit Ende 2015 vorliegende Bericht der Bundesregierung zur Evaluation des Bundeskinderschutzgesetzes (BT-Drs. 18/7100) stellt fest, dass Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) sowohl im Kinderschutz allgemein als auch speziell im Bereich der Frühen Hilfen (FH) flächendeckend mit weiteren Akteuren außerhalb der KJH zusammenarbeiten. Verbindliche Strukturen der Kooperation zwischen der KJH und dem Gesundheitswesen im Bereich der FH wurden jedoch nur teilweise geschaffen. Auch die Befunde zur Zusammenarbeit bei dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen zeigen vielfältige Aktivität, die häufig aber noch von individuellem Engagement abhängig ist. 

Im Rahmen der Veranstaltung werden ausgewählte Befunde aus unterschiedlichen Forschungsprojekten zur interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen und KJH präsentiert. Aus der Perspektive beider Systeme stellt die fachliche Ausgestaltung dieser Schnittstelle ein zentrales Erfolgskriterium erfolgreicher Zusammenarbeit auch in Netzwerkstrukturen dar. Auf Grundlage der vorgestellten Ergebnisse sollen Perspektiven für Praxisentwicklung und Politikgestaltung, aber auch für Forschung formuliert werden.

Moderation:
Ernst-Uwe Küster, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) / Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)

Mittwoch, 29.03.2017

11.30 Uhr

Workshop: Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen in den Frühen Hilfen

Veranstalter: Deutsches Jugendinstitut e.V.
Kooperationspartner: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Autoren:

    • Prof. Dr. Albert Lenz, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
    • Till Hoffmann, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

    Das Thema „Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen“ wird von den Fachkräften in den Frühen Hilfen als Entwicklungsaufgabe wahrgenommen. Dies wird aus den Ergebnissen der Begleitforschung zur Bundesinitiative Frühe Hilfen und Rückmeldungen der Praxis deutlich. Gründe hierfür sind unter anderem die mangelnde Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern mit Eltern, die psychisch erkrankt sind. Außerdem zeigen Praxisbeobachtungen, dass interdisziplinäre Kooperations- und Vernetzungsstrukturen fehlen oder wenig verbindlich sind. Fachkräfte der Frühen Hilfen beschreiben ihre Unsicherheit im Umgang mit den betroffenen Familien als Folge der ungünstigen Rahmenbedingungen. 

    Zur Diskussion des Themas wird das Eckpunktepapier des NZFH vorgestellt. Dieses beschreibt die derzeitige Situation und gibt Empfehlungen, wie unter anderem die Vernetzung der beteiligten Fachkräfte besser gelingen kann. Herr Prof. Dr. Lenz geht in seinem Beitrag auf die fachlichen und personalen Anforderungen an Akteure in den Frühen Hilfen in der Arbeit mit psychisch erkrankten Eltern ein. Dabei geht es u.a. um Wissen, wie sich die Lebenssituation von psychisch erkrankten Menschen als Eltern darstellt.

    Moderation:
    Karin Schlipphak, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) / Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)

    14.00 Uhr

    Fachforum: Frühe Hilfen – Settings der Kooperation und Vernetzung von Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe. Eine vorläufige Bilanz

    Veranstalter: Deutsches Jugendinstitut e.V.
    Kooperationspartner: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

    Autoren:

    • Prof. Dr. Sabine Walper, Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)
    • Prof. Dr. Raimund Geene, Hochschule Magdeburg-Stendal
    • Melanie Mengel, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) / Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)  

    Die Zusammenarbeit von Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe ist zentraler Bestandteil der Frühen Hilfen. Sie sind als intermediäres Versorgungselement für Familien mit kleinen Kindern in Kommunen etabliert. 

    Im Forum werden zunächst (1) die Ergebnisse der repräsentativen Studie zur Prävalenz von Belastungen bei Familien mit unter dreijährigen Kindern (KiD 0-3) vorgestellt. Die vom NZFH geförderte und zum Teil durchgeführte Studie gibt zentrale Hinweise zu deren Belastungs- und Versorgungslage in Deutschland. Nachfolgend (2) werden Frühe Hilfen vor dem Leitkonzept „Gesundheitsförderung“ reflektiert. Für die Gesundheitsförderung ist der Prozess der Frühen Hilfen insbesondere bezüglich Systematik, Adressatenorientierung und Strukturaufbau interessant. Er kann ggf. für das Präventionsgesetz als Modell eines konsequent inter- bzw. multidisziplinären regionalen Ansatzes dienen. Schließlich (3) werden unterschiedliche niedrigschwellige Zugänge für Eltern in Problemlagen, die sich in den letzten Jahren in den Frühen Hilfen etabliert haben, vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk wird auf Familienzentren gelegt, die das Potential haben, integrierte Unterstützungsleistungen anzubieten.

    Moderation:
    Mechthild Paul, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

    16.30 Uhr

    Workshop: Blickpunkt: Familienhebammen:

    Veranstalter: Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter
    Kooperationspartner: LWL-Landesjugendamt Westfalen-Lippe; Universität Münster; Jugendamt Dortmund

      Autoren:

      • Dr. Silke Karsunky, LWL-Landesjugendamt Westfalen
      • Dr. Claudia Buschhorn, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
      • Pilar Wulff, Jugendamt Dortmund  

      Die Förderung des Einsatzes von Familienhebammen ist im Bundeskinderschutzgesetz verankert und bildet einen Förderschwerpunkt der Bundesinitiative Frühe Hilfen. Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen mit einer Zusatzqualifikation. Diese befähigt sie, Eltern mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf ab der Schwangerschaft bis zum ersten Lebensjahr des Kindes zu begleiten. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt auf der psychosozialen und gesundheitlichen Unterstützung von Familien. 

      Während sich der Stellenausbau von Familienhebammen, die Inanspruchnahme und Bewertung des Angebots durch Eltern sowie die Beurteilung der Zusammenarbeit seitens kommunaler Kooperationspartner durchaus als ‚Erfolgsgeschichten' lesen lassen, erweist sich die rechtliche und fachliche Verortung dieses Gesundheitsfachberufs als spannungsreich. In der Praxis zeigen sich unterschiedliche konzeptionelle Verständnisse bezüglich ihrer Funktionen, Aufträge und Tätigkeiten. 

      In dem Workshop werden die vielfältigen Ansatzpunkte und Herausforderungen für die Arbeit von Familienhebammen vor dem Hintergrund aktueller Forschungsbefunde sowie ausgewählter Praxisberichte skizziert und zur Diskussion gestellt.

      Moderation:
      Dr. Monika Weber, LWL – Landesjugendamt Westfalen-Lippe

      Donnerstag, 30.03.2017

      09.00 Uhr

      Fachforum: „Spielen zu Hause“ – Eltern und Kinder stärken im Rahmen Früher Hilfen

      Veranstalter: SOS-Kinderdorf e.V.

      Autoren:

      • Ilona Fuchs, SOS-Kinderdorf e.V.
      • Tanja Kindler, SOS-Kinderdorf Saarbrücken
      • Jenny Kleitz, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
      • Prof. Dr. Annemarie Jost, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

      Das Projekt fördert das gemeinsame Spielen in der Familie und damit die Eltern-Kind-Beziehung. Eltern werden für die Entwicklung und die individuellen Bedürfnisse ihres Kindes sensibilisiert und für die Kinder eröffnen sich neue Spielräume für Entwicklung. Die Arbeit ist lebensweltorientiert und aufsuchend ausgerichtet. Über ein halbes Jahr hinweg werden Familien (freiwillig) mit wöchentlichen Spielbesuchen zu Hause begleitet und erhalten Anregungen, wie sie die Entwicklung ihres Kindes feinfühlig und altersentsprechend anregen können. Der SOS-Kinderdorf e.V. setzt dieses Angebot seit 2003 um. 2014 wurde es für Familien mit Kindern von null bis drei Jahren weiterentwickelt. „Spielen zu Hause“ wird an verschiedenen Standorten in Deutschland in Kooperation mit Fach(hoch)schulen angeboten. Studierende werden für die Begleitung der Familien qualifiziert und führen die Besuche in den Familien durch.

      Im Workshop wird das Projekt aus Perspektive des Trägers, der durchführenden Fachkraft, der Hochschule und der Familien vorgestellt.

      09.00 Uhr

      Workshop: Zukunft im Dialog – Veränderungen der Zusammenarbeit mit Familien durch (dialogische) Elternbegleitung

      Veranstalter: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V.
      Kooperationspartner:
      Konsortium Elternchance

      Autor:

      • Dr. Verena Wittke | AWO Bundesverband e. V.  

      Das Konsortium Elternchance, bestehend aus sechs bundeszentralen Verbänden und Organisationen, qualifiziert als Partner des BMFSFJ in der Umsetzung des ESF-Bundesprogrammes „Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen“ pädagogische Fachkräfte zu sog. Elternbegleiter*innen. In dieser Weiterqualifizierung wird der „Dialog“ als professionelle und menschliche Haltung vermittelt und erlebbar gemacht, was wiederum Auswirkungen auf die Zusammenarbeit der Fachkräfte mit Eltern und Familien hat.

      Im Workshop werden die Eckpunkte des Projektes dargestellt und beleuchtet, was die dialogische Arbeitsweise in der Zusammenarbeit mit Familien auszeichnet. Ausgewählte Elternbegleiter*innen stellen ihre gute Praxis vor. Dabei wird ein Schwerpunkt auf der Vorstellung von Angeboten für und mit Familien mit Migrations-/Fluchthintergrund sein. Mittels einer dialogisch ausgerichteten Gestaltung des Workshops wird Raum geschaffen für Gespräch und Austausch in einer kreativ-konstruktiven Atmosphäre und darüber hinaus der Ansatz Dialogischen Arbeitens praxisnah erfahrbar gemacht.

      09.00 Uhr

      Workshop: Qualitätsmanagement im Bereich Ehrenamt in den Frühen Hilfen

      Veranstalter: Institut für Soziale Arbeit (ISA) e.V.
      Kooperationspartner:
      Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

        Autoren:

          • Vera Mergenschröer, Caritas Lebenswelten
          • Martina Huxoll-von Ahn
          • Stefan Schmidt, schmidt evaluation

          Der Workshop soll dazu dienen, der Praxis eine Hilfestellung und Orientierung hinsichtlich eines effektiven und systematischen Qualitätsmanagements im Bereich Ehrenamt in den Frühen Hilfen zu geben. Ausgehend von den drei Qualitätsebenen (Struktur-, Prozess-, und Ergebnisqualität) sollen zunächst förderliche und notwendige Rahmenbedingungen und gelingende Aspekte des Einsatzes dargestellt sowie zu berücksichtigende Handlungsschritte aufgezeigt werden, z.B.: 

          • Aufgaben und Kompetenzprofil der hauptamtlichen Ehrenamtskoordination,
          • Überleitung in andere Hilfesysteme,
          • Gestaltung der Schnittstelle zum intervenierenden Kinderschutz,
          • Aspekte und Möglichkeiten der Überprüfung und Weiterentwicklung von Ehrenamtsangeboten in den Frühen Hilfen. 

          Im Anschluss an einen Inputvortrag im Plenum finden anhand von Leitfragen moderierte Gruppendiskussionen statt, zu denen sich die Teilnehmenden, ausgehend von den drei Qualitätsebenen, zuordnen können. Das Erörtern von eingebrachten Fragestellungen aus der Gruppe ist möglich. Ziel ist ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch über evtl. noch bestehende Herausforderungen und offene Fragstellungen in der Praxis. Die Ergebnisse werden im Plenum zusammengeführt.

          Moderation:
          Kathrin Lassak, Institut für soziale Arbeit e.V.
          Philipp-Emanuel Oettler, Institut für soziale Arbeit e.V.

          10.30 Uhr

          Workshop: Die Vermittlung in Angebote der Frühen Hilfen durch Arztpraxen

          Veranstalter: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport Nordrhein-Westfalen
          Kooperationspartner:
          Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

            Autoren:

                • Heike Reinecke, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter Nordrhein-Westfalen
                • Dr. Karl-Josef Eßer, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.
                • Ina Woelk, Stadt Gelsenkirchen, Referat Erziehung und Bildung
                • Dr. med. Christof Rupieper, Kinder- und Jugendarzt, Stadt Gelsenkirchen

                Niedergelassene Gynäkologinnen/Gynäkologen und Pädiaterinnen/Pädiater haben einen frühzeitigen und vertrauensvollen Zugang zu den (werdenden) Eltern, der auch geeignet ist, um auf familienunterstützende nicht-medizinische Angebote hinzuweisen. Mit der Novellierung der §§ 24d und 26 SGB V im Rahmen Gesetzes zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (PrävG) wurde der Auftrag, Eltern bei Bedarf zu lokalen Unterstützungsangeboten zu informieren, nochmals bekräftigt. Bislang gibt es noch kein systematisches Verfahren, wie Ärztinnen/Ärzte und medizinische Fachangestellte Eltern zu den Angeboten der Frühen Hilfen informieren und zu diesen bei Wunsch vermitteln können. Das Gesundheitsministerium NRW fördert seit 2016 das Modellprojekt „Soziale Prävention“ der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Hierbei bieten Familienhebammen, Familien- Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen/-pfleger oder Mitarbeitende der Jugendhilfe Sprechstunden in Arztpraxen an, beraten Eltern bei Bedarf umfassender und vermitteln diese auf Wunsch direkt in die Angebote. Bei einem anderen Ansatz übernehmen Ärztinnen/Ärzte die Vermittlung selbst. Hierzu sind ressourcenschonende Vermittlungswege meistens zu einer zentralen Ansprechperson/Anlaufstelle der Frühe Hilfen abzustimmen. In diesem Workshop sollen zwei Praxisbeispiele der beiden skizzierten Vermittlungsmodelle vorgestellt und diskutiert werden.

                Moderation:
                Sabine Einfeld, Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen NRW

                11.30 Uhr

                Workshop: MitarbeiterInnenbefragung als Einstieg in einen Qualitätsdiskurs zum Kinderschutz in Jugendämtern

                Veranstalter: Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter
                Kooperationspartner:
                LVR-Landesjugendamt Rheinland; LWL-Landesjugendamt Westfalen; Amt für Kinder, Jugend und Familie der Bundesstadt Bonn; Nationales Zentrum Frühe Hilfen/Deutsches Jugendinstitut e.V.; Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH

                  Autoren:

                        • Birgit Zeller, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter
                        • Heidi Knapp, LWL-Landesjugendamt Westfalen
                        • Sascha Fersch, Amt für Kinder, Jugend und Familie der Bundesstadt Bonn
                        • Christine Gerber, Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)/Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)
                        • Elisabeth Schmutz, Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH (ism)

                        Im Projektbereich „Lernen aus problematischen Kinderschutzverläufen“ des NZFH/DJI wurde ein Fragebogen für die mit Kinderschutzaufgaben betrauten Fachkräfte im Jugendamt als Selbstevaluationsinstrument entwickelt. Die Auswertung und Interpretation der Daten dient als Einstieg in einen jugendamtsinternen Qualitätsdiskurs. 

                        Eine Erprobung in 15 Jugendämtern ergab, dass der Fragebogen als geeignetes Instrument der Qualitätsentwicklung bewertet wird, jedoch einer externen Begleitung bedarf. Die BAG Landesjugendämter hat beschlossen, den Einsatz des Instruments durch die Landesjugendämter im Rahmen ihrer Beratung zur Qualitätsentwicklung zu unterstützen.

                        In Kooperation mit dem ism und den nordrhein-westfälischen Landesjugendämtern wurde in einem Pilotprojektes mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Bundesstadt Bonn eine Arbeitshilfe für den Einsatz des Fragebogens und die Begleitung durch die Landesjugendämter erstellt. 

                        Im Workshop werden der Fragebogen und der Prozess im Jugendamt vorgestellt und aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten beleuchtet. Mit den TeilnehmerInnen werden der Nutzen und die Möglichkeiten des Einsatzes als Instrument der Qualitätsentwicklung diskutiert.

                        Moderation:
                        Sandra Eschweiler, LVR-Landesjugendamt Rheinland