Thema: Ressourcenorientierung in den Frühen Hilfen

Auswertungszeitraum: 02. September bis 14. Oktober 2013

 

Schlaglicht auf die Diskussion:

„Ressourcen erkennen und als KRAFTQUELLE nutzbar machen.“
Ressourcenorientierte Arbeit in den Frühen Hilfen setzt an den Kompetenzen und Stärken der Familien an. Sie unterstützt, Probleme und Belastungen möglichst eigenständig zu bewältigen und trägt dazu bei, akute Gefährdungen der Kinder zu vermeiden. Damit dies aber gelingen kann, müssen auch die Fachkräfte in die Lage versetzt werden, diesen anspruchsvollen Ansatz in die Praxis umzusetzen: Neben ausreichender personeller  Ausstattung und Qualifizierung gehören dazu auch Zeit für die Arbeit mit den Familien sowie für die Beteiligung an den kommunalen Netzwerken.

Ressourcenorientierung: Basiskonzept der Frühen Hilfen

Die Stärken und Potenziale von Familien in schwierigen Lebenslagen zu erkennen und im Rahmen der unterstützenden Hilfen zu stärken und weiter zu entwickeln, ist eine zentrale Herausforderung für Unterstützungsangebote der Frühen Hilfen. Um aus den Erfahrungen der Gesundheitsförderung – als gleichermaßen ressourcenbezogener Ansatz – zu profitieren, wurden für diese Diskussion die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Partnerprozesses „Gesund aufwachsen für alle!“ auf inforo online in die Online-Diskussion eingeladen. Wie diese Ressourcenorientierung in der Praxis gelingen kann und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind, konnte so gemeinsam auf der kommunalen Austauschplattform Frühe Hilfen online diskutiert werden.

Die Kompetenzen von Eltern zu stärken und sie zur aktiven Bewältigung ihrer Alltagsprobleme zu befähigen, kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Dieter Fischer (Ostalbkreis) kann feststellen, dass in seiner Arbeit die ressourcenorientierte Arbeitsweise den Großteil der Frühen Hilfen ausmacht: „Wenn wir hier tatsächliche Zahlen heranziehen geht es vorrangig darum zu unterstützen und zu fördern. In sehr geringer Zahl geht es um schützen.“

Gleichzeitig hinterfragt er kritisch, was eigentlich genau unter „Ressourcenorientierung“ zu verstehen sei. Und mit welchen Instrumenten können vorhandene Ressourcen erfasst werden, um sie anschließend als „Kraftquelle“ zu nutzen und weiter zu entwickeln?  Frauke Zahradnik (Karlsruhe) berichtet, die in Karlsruhe genutzten Dokumentationsbögen für Hausbesuche oder Beratungsgespräche führten stets auch die Ressourcen der Familien auf: „Dies lenkt automatisch den Blick auf Fähigkeiten und Stärken der Familien.“ Als wichtigste Ressourcen nennt sie „Liebe, Fürsorglichkeit, Bindung, Offenheit, die Bereitschaft Hilfe anzunehmen oder stützende Sozialbeziehungen“. Diese Stärken zu erfassen und zu berücksichtigen sei auch für die Arbeit der Professionellen hilfreich, denn: „Auf diese Ressourcen innerhalb der Familien können die Fachleute dann auch bei ihrer Arbeit zurückgreifen.“

„Defizitorientierte Diagnostik dominiert überall“, stellt Dieter Fischer fest. Dieser Beobachtung geht Raimund Geene (HS Magdeburg-Stendal) in seinem Diskussionsbeitrag nach. In der Theorie, so stellt er fest, werde Ressourcenorientierung „fast durchgängig hochgehalten“. In der praktischen Arbeit aber sei sie „je schwerer durchzusetzen (…), desto gewichtiger die Steuerungsfunktion ist“. Zahlreiche Faktoren förderten eher die Betonung von Defiziten als den Blick auf Ressourcen: Um die Weiterfinanzierung von Projekten zu sichern, seien möglichst dramatische Problembeschreibungen erforderlich. Viele Klientinnen und Klienten erwarteten eindeutige (Defizit-) Diagnosen und nicht zuletzt stehe das Postulat der Ressourcenorientierung stets im Verdacht, Einsparungen vorzubereiten oder zu rechtfertigen. Sein Fazit: „Dann ist es eigentlich kein Wunder, dass es im Alltag sehr sehr schwierig ist, Ressourcen zu fördern ...“

Dieter Fischer stimmt der Problemdiagnose von Raimund Geene zu, betont aber in seinem Beitrag, die aktuelle Forschung belege, dass Ressourcenorientierung ein wichtiger Beitrag zur Wirksamkeit unterstützender Angebote sei mit den wesentlichen Punkten: „1. Weitestgehender Einbezug der Betroffenen, 2. an deren Stärken ansetzen und 3. ihnen zu weiterer sozialer Unterstützung verhelfen.“

Ressourcenorientierte Arbeit erfordert Ressourcen bei den Professionellen

Breiten Raum nimmt in der Onlinediskussion die Frage ein, welche Ressourcen die Professionellen benötigen, um ihre Unterstützungsangebote letztlich für die Zielgruppen ressourcenorientiert ausrichten zu können. Angesichts der vielfältigen Anforderungen und Herausforderungen fragt Anke Weismantel (Erfurt) ob nicht „die Ressourcen vieler Akteure dadurch erschöpft [werden], dass sie mit Feuerlöschern gegen Großbrände kämpfen?“.

Bei den Fachkräften fehlen weder „der Wille und die Ideen der Umsetzung“ stellt Holger Nieberg (Hannover) fest. Doch der „Gedanke an ressourcenorientiertes Handeln und die Konzepterstellung reichen nicht“. Nieberg weist in seinem Beitrag darauf hin, dass die Einnahme einer ressourcenorientierten Haltung hohe Anforderungen insbesondere an Ausbildung und Qualifikation der Fachkräfte stelle. Vielfach fehle „das Können – also ausgebildet zu sein, eine ressourcenorientierte Haltung einzunehmen, einen geschärften Blick dafür zu haben und den Methodenkoffer entsprechend aufgefüllt zu haben.“

Doch auch wenn Wissen und Erfahrung vorhanden sind, ist nicht immer ausreichend die notwendige Zeit vorhanden, „um in den Face-to-face Angeboten die ressourcen- und lösungsorientierten Methoden tatsächlich anzuwenden“ (Holger Nieberg). Dies bestätigt auch Ulla Beckers (Duisburg) in ihrem Beitrag und betont, Zeitdruck der Professionellen gehe letztlich immer „zu Lasten der Ratsuchenden“. Dies gelte auch für die Möglichkeiten, Vernetzungsarbeit zu leisten, denn diese sei wichtig, um über aktuelle Entwicklungen in der Kommune informiert zu sein und die Arbeit darauf ausrichten zu können. Eine gute sozialraumorientierte Arbeit stehe und falle „mit der Vernetzung im Stadtteil, dem aufmerksamen Wahrnehmen von Veränderungen im Stadtteil und den dort ansässigen Einrichtungen, der regelmäßigen Pflege von Kontakten, dem Kennen von Aufgaben und Arbeitsweise der jeweiligen Einrichtung und – unerlässlich – dem persönlichen Engagement und den persönlichen Kontakten.“

Die Bedeutung kommunaler Vernetzung betont auch Dieter Fischer und informiert darüber, dass im Ostalbkreis alle beteiligten Träger „für ihren Standort eine Netzwerkkarte erstellten“, um im Krisenfall schnell auf unterstützende Kontakte zurückgreifen zu können. Die systematische Aufbereitung dieser Vernetzungsbeziehungen zahle sich aus, denn regelmäßig finde er „neue Personen die zwar da waren, für mich aber seither nicht sichtbar waren.“

Frank Lehmann (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) weist auf ein aktuell an der Hochschule Koblenz-Landau entwickeltes Qualifizierungsangebot für Fachkräfte im sozialen Bereich hin, das u.a. auf die Stärkung der Ressourcen dieser Fachkräfte ausgerichtet ist. Er lädt dazu ein, sich an der Entwicklung des Angebotes zu beteiligen und bei Interesse Kontakt zu ihm aufzunehmen.

Holger Nieberg schlägt als Lösungsansatz vor, die Fachdienste sollten sich zunächst einen systematischen Überblick über die vorhandenen Ressourcen verschaffen, diese analysieren und dann neu ordnen. Mit einer neuen Sortierung und Priorisierung könne es gelingen, „wieder den Wald vor lauter Bäumen zu sehen und den Blick fürs ressourcenorientierte Arbeiten zu schärfen“. Damit sei aber nicht gesagt, dass ressourcenorientiertes Arbeiten nur bei einer optimalen Ausstattung möglich sei. „Es soll nur gesagt werden, dass es leichter fällt und nachhaltiger ist, wenn es gut vorbereitet, angeleitet, durchgeführt, nachbearbeitet und weiterentwickelt ist. Und dafür sind Zeitressourcen notwendig.“

Die Zusammenfassung der Diskussion zum Herunterladen:

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