Thema: Möglichkeiten und Grenzen von zivilgesellschaftlichem Engagement in den Frühen Hilfen

Auswertungszeitraum: 01. August bis 01. September 2013

 

Schlaglicht auf die Diskussion:

„Ehrenamtliche ersetzen keine Fachkräfte, sie sind aber ein wichtiger, zusätzlicher Baustein.“
Die Arbeit Ehrenamtlicher kann einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von jungen Familien im Rahmen der Frühen Hilfen leisten. Voraussetzung hierfür ist eine gründliche Qualifi zierung der Ehrenamtlichen sowie deren professionelle Koordinierung und Begleitung. Hierzu gehört insbesondere die Einbindung in die lokalen Netzwerke Frühe Hilfen, um bei Bedarf frühzeitig an weiterführende Unterstützungsangebote verweisen zu können.

Mehr als nur kostengünstige Unterstützung

Der Einbezug von Ehrenamtlichen in die Arbeit der Frühen Hilfen ist ein wesentlicher Bestandteil der Bundesinitiative Frühe Hilfen. Die Teilnehmer/innen der der vierten Online-Diskussion auf der kommunalen Austauschplattform Frühe Hilfen sind sich einig: Die Mitarbeit Ehrenamtlicher kann einen wertvollen Beitrag zur Umsetzung von Angeboten Früher Hilfen leisten. Dieter Fischer (Ostalbkreis) formuliert, beim Einsatz Ehrenamtlicher dürfe es „nicht um die Kompensation von Sparzwängen und die Gewinnung von Personal [gehen], das unentgeltlich arbeitet“. Im Mittelpunkt solle stattdessen immer der gesellschaftliche Zusammenhalt und dessen Perspektiven stehen. Ute Balschun (Hanau) berichtet aus ihrer Praxis, Ehrenamtliche seien hoch motiviert und sähen in ihrer Arbeit „einen hohen gesellschaftlichen Wert“. Dies ist eine große Ressource für die Weiterentwicklung von Ehrenamts-Konzepten.

Qualifizierung und Schulung sind notwendig

Den Einsatz Ehrenamtlicher gibt es nicht zum Nulltarif, und auch nicht für eine einfache Aufwandsentschädigung. Um die Familien qualitativ gut zu unterstützen, müssen Ehrenamtliche geschult, kontinuierlich begleitet und fachlich koordiniert werden. Dies  formulieren auch die in einem breiten Diskussionsprozess entwickelten Handlungsempfehlungen (www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/partnerprozess/handlungsempfehlungen) des bundesweiten Kooperationsverbundes „Gesundheitliche Chancengleichheit“, auf die Frank Lehmann (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) verweist. Aus der Praxis der Netzwerke Gesunde Kinder im Land Brandenburg berichtet Ute Taege (Brandenburg a.d. Havel), dass die dortigen Familienpaten zunächst auf der Grundlage eines Curriculums geschult werden und anschließend „ein verbindliches Zusammenwirken der professionellen Fachkräfte aus der Jugendhilfe und dem Gesundheitsbereich mit den Familienpaten zwingend erforderlich“ ist.

Viviane Röhr konkretisiert, ehrenamtliche Helfer/innen bräuchten Schulungen „im Erkennen von Kindeswohlgefährdung, zur Reflektion der eigenen Rolle und regelmäßige Fallbesprechungen/Supervisionen“. Die obligatorische Einbindung der Ehrenamtlichen in das lokale Netzwerk für Kinderschutz und Frühe Hilfen sei notwendig, um bei Bedarf in weiterführende Unterstützungsangebote vermitteln zu können.

Auf die kontinuierliche Weiterbildung der Ehrenamtlichen legt Ute Balschun (Hanau) besonderen Wert. Sie betont, nach der Basisschulung seien praxisbegleitende Schulungen notwendig, ebenso wie regelmäßige Austauschtreffen für Ehrenamtliche (kollegiale Beratung) und die „kontinuierliche individuelle Begleitung der Patinnen während ihrer Einsätze“. Es müsse sichergestellt werden, dass „Ehrenamtliche nicht in Überforderungssituationen geraten und bei weiteren Hilfebedarfen einer Familie, die über eine Primärprävention hinausgehen, die Familie in das professionelle Helfernetz übergeleitet werden kann“.

Dies ist nicht immer leicht: Kristina Preisendörfer (Hochtaunuskreis) betont, ein hohes Maß an Professionalität sei erforderlich um einschätzen zu können, „ab wann die Grenzen der eigenen Arbeit erreicht sind und eventuell professionelle Maßnahmen von Nöten“ sind. Dies sei umso schwieriger, als jede Familie eine ganz individuelle Begleitung erfordere. Wer trage die Verantwortung, so fragt Fr. Preisendörfer, „falls die Unterstützung in den Familien einmal versagen sollte?"

Ohne Koordination geht es nicht

Die Koordination der Ehrenamtlichen stellt hohe fachliche Anforderungen und sollte nach Ansicht von Ute Taege (Brandenburg a.d. Havel) „einer im Kinderschutz langjährig wirksame Fachkraft mit bewährter Leitungserfahrung im Allgemein Sozialpädagogischen Dienst des örtlichen Jugendamtes“ übertragen werden.

Einen wichtigen Aspekt des Einsatzes Ehrenamtlicher thematisiert Astrid Kothe-Matysik, wenn sie fragt: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie thematisieren Sie ‚Schutz vor Übergriffen‘ rund um den Einsatz von Ehrenamtlichen im Bereich Frühe Hilfen?“ Dieter Fischer (Ostalbkreis) empfiehlt das „6-Augen-Prinzip“ und verlinkt u.a. auf die Broschüre „Führungszeugnisse bei Ehrenamtlichen nach dem Bundeskinderschutzgesetz“ des Deutschen Jugendringes. Auch Eva Pertzborn empfiehlt aus ihrer Arbeit im Projekt wellcome „die regelhafte Beantragung des großen polizeilichen Führungszeugnis für Ehrenamtliche“.

Aufgaben Ehrenamtlicher

Ehrenamtliche müssen nicht unbedingt neu geworben werden, oft sind sie sich bereits in bestehende Strukturen eingebunden. „Keine Doppelstrukturen“ formuliert Knut Schneider (Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald) als Prämisse seines Landratsamtes: „Wir können dadurch auch eine stabile Einbindung der Ehrenamtlichen in das Netzwerk Frühe Hilfen erreichen, da die Wohlfahrtsverbände auch in anderen Bereichen der Frühen Hilfen und der Jugendhilfe schon unsere Partner sind.“ Dieter Fischer (Ostalbkreis) berichtet von einem (Online-)„Marktplatz“ im Ostalbkreis, „auf dem zum einen einsatzbereite Freiwillige und zum anderen Unterstützungsangebote kommunizierbar sind“. Darüber hinaus bietet sein Jugendamt Fortbildungen für die Familienbesucher freier Träger an.

Als Einsatzbereiche für das Ehrenamt werden in der Diskussion genannt:

  • Einsatz zu (Tages-)Zeiten, an denen Professionelle i.d.R. nicht verfügbar sind, z.B. früh morgens oder abends
  • Einsatz für Betreuungsaufgaben, für die die „Profis“ zu teuer wären
  • Einsatz für „besondere Zielgruppen“, z.B. als Sprach- und Lesepaten

Dr. Frauke Zahradnik (Karlsruhe) spricht am Beispiel des Projektes wellcome von einer gelungenen Aufgabenteilung: Auf der einen Seite die Entlastung der Familien durch Ehrenamtliche, auf der anderen professionelle Hilfe und Unterstützung durch die Fachkräfte. Eva Pertzborn ergänzt, im Projekt wellcome ersetzten die Ehrenamtlichen keine Fachkräfte, seien aber „ein wichtiger, zusätzlicher Baustein“.

Beispiele ehrenamtlichen Engagements

In der Diskussion werden mehrere Angebote genannt, die systematisch Ehrenamtliche  einbinden: Das Projekt wellcome unterstützt Familien in den ersten drei Monaten nach der Geburt, in den Netzwerken Gesunde Kinder in Brandenburg begleiten ehrenamtliche Patinnen und Paten die Familien bis zu drei Jahre. Weitere Projekte, die auf Familien- bzw. Familiengesundheitspaten aufbauen, werden aus Dresden und Hanau genannt.

Die Zusammenfassung der Diskussion zum Herunterladen:

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