Thema: Nachhaltigkeit in den Frühen Hilfen – Wie funktioniert das?

Auswertungszeitraum: 05. März bis 04. April 2014

 

Schlaglicht auf die Diskussion:

„Beteiligung der Eltern“, „Planungssicherheit“ und „Kooperationswille“ haben eine nachhaltige Wirkung
Um Nachhaltigkeit in den Frühen Hilfen sicherzustellen, müssen die Unterstützungsangebote finanziell und strukturell abgesichert sein. Dies alleine reicht aber nicht aus: Die Angebote müssen ebenfalls Akzeptanz finden – in erster Linie bei den Eltern, aber auch bei kommunalen Akteuren und Entscheidungsträgern. Dies gelingt, wenn die Angebote in regionale Strukturen eingebettet und mit bestehenden Ansätzen und Angeboten vor Ort verknüpft sind.

Nachhaltigkeit setzt finanzielle und strukturelle Absicherung voraus

Keine Nachhaltigkeit ohne finanzielle Absicherung – dies betonen mehrere Beiträge der Online-Diskussion. Knut Schneider (Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald) äußert den Wunsch an die Bundesinitiative Frühe Hilfen, die Ausgestaltung der finanziellen Mittel im Anschluss an den zweiten Förderzeitraum frühzeitig zu klären. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, die Projekte und Maßnahmen in den kommunal(politisch)en Strukturen vor Ort zu verankern, um „mit großer Planungssicherheit die nächsten Schritte zu gehen“.

Fällt dann eine Projektfinanzierung (...) weg, ist oft die Nachhaltigkeit in Gefahr“, bestätigt Dieter Fischer (Ostalbkreis) in einem Beitrag. Nachhaltige Angebote der Frühen Hilfen benötigten unbedingt auch eine nachhaltige Finanzierung. Hier müsse die Politik dafür sorgen, dass Entwicklungen auch über Legislaturperioden hinaus sichergestellt werden.

Beteiligung und Akzeptanz der Eltern und weiterer Akteure sind notwendig

Die Unterstützungsangebote der Frühen Hilfen werden keine dauerhaft positiven Effekte entfalten können, wenn die betroffenen Familien sie nicht als bedarfsgerecht und unterstützend wahrnehmen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung bedarfsgerechter Unterstützungsstrukturen ist die aktive Einbindung betroffener Eltern. Knut Schneider (Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald) betont in seinem Beitrag, ob die jeweiligen Angebote gut angenommen würden, sei vor allem davon abhängig, „wie anschlussfähig die Angebote für Familien sind und wie gut es gelingt, die jungen Familien selbst in konzeptionelle Weiterentwicklungen einzubeziehen.“ Dies bestätigt Nicola Schmitz (Oberhausen) und hebt hervor, dass aktive Beteiligung dabei unterstütze, Kompetenzen zu erwerben, diese anzuwenden, und damit zur nachhaltigen Wirkung Früher Hilfen beitrage.

Dass eine wertschätzende Haltung gegenüber den  Eltern und die Orientierung an deren Bedürfnissen deren Selbstwirksamkeitserleben nachhaltig stärkt, berichtet Ulrike von Haldenwang (Berlin) aus ihrer Erfahrung als Hebamme und Familienhebamme. Diese Haltung wird auch von der „Eltern-AG“ transportiert, auf die Prof. Raimund Geene (Magdeburg-Stendal) als Beispiel guter Praxis hinweist. Dort gelinge es, Nachhaltigkeit im Sinne Maria Montessoris  herzustellen: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Auch das ehrenamtliche Engagement zur Unterstützung von Familien – wie es beispielsweise bei wellcome umgesetzt wird   könne bei Familien einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, so Eva Pertzborn. Dass diese Unterstützung durch „die Familie selbst bestimmt“ werden kann, beschreibt sie als weiteren wichtigen Aspekt, der die Wirkung von Hilfsangeboten nachhaltig beeinflusst.

Dabei darf auch die Qualitätsentwicklung als Beitrag zur Nachhaltigkeit nicht vergessen werden. Dieter Fischer (Ostalbkreis) weist auf die guten Erfahrungen mit einem „bildungstheoretisch fundierten Qualitätsprozess“ hin, die beim Einsatz von Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen (FGKiKP) gemacht wurden.

Verknüpfung mit bestehenden kommunalen Ansätzen unterstützt Nachhaltigkeit

Wenn Angebote der Frühen Hilfen eng mit bereits bestehenden Angeboten und Strukturen verknüpft werden, fördert dies nach Erfahrung der Diskutant/innen ebenfalls die Chance auf Nachhaltigkeit. Insbesondere die Einbettung in eine kommunale Gesamtstrategie kann dazu beitragen, den Anbietern eine Orientierung für die Gestaltung ihrer Aktivitäten zu geben und dafür sorgen, „dass die einzelnen Angebote nicht ‚konzeptlos‘ im Raum stehen und ihre Wirkung nur kurzlebig ist“. (Jane Radeke,  Flensburg)

Jane Radeke (Flensburg) hebt ebenfalls hervor, dass eine gute Vernetzung zwischen den Angeboten vor Ort dazu beiträgt, Doppelstrukturen zu vermeiden und die reibungslose Überleitung zwischen Hilfesystemen sicherzustellen. Ebenso sei ein gutes und kooperatives Klima zwischen den Akteuren vor Ort wichtig, „damit die Angebotsentwicklung nicht von ‚Daseins-Berechtigungs-Kämpfen‘ überlagert wird“. Dies bestätigt Eva Pertzborn aus ihren Erfahrungen mit dem Angebot wellcome: Die finanzielle Ausstattung spiele für Nachhaltigkeit natürlich eine wichtige Rolle, „aber ohne den Kooperationswillen und die Fähigkeit zur Kooperation der verschiedenen Akteure, wird eine nachhaltige Verankerung nicht gelingen!“

Gelingende Kooperations- und Vernetzungsbeziehungen seien aber keine Selbstverständlichkeiten, betont Nicola Schmitz (Oberhausen): Vielmehr leben diese von regelmäßiger Information, von Kontakten und Inputs.

Als einen wesentlichen Faktor für den nachhaltigen Erfolg des Programms PEKIP nennt Anna Staab (PEKiP e.V.) die gute lokale Vernetzung mit den Angeboten anderer Institutionen, z.B. mit der „klassischen Familienbildung, aber auch mit Kinderschutzbünden, Hebammenpraxen, Familienzentren und Kitas. Diese Erfahrung bestätigt Danielle Dobberstein (Berlin): Sie berichtet, dass der Fahrplan „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“ im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf von vielen Fachkräften in ihrer Arbeit mit Familien genutzt werde, da er einen von den Eltern geäußerten Bedarf aufgreift und in einer multiprofessionell besetzten Arbeitsgruppe entwickelt wurde.

Es gebe allerdings keine einfachen, schnell umsetzbaren Erfolgsrezepte für Nachhaltigkeit, dies betont Eva Pertzborn im letzten Beitrag der Diskussion. Notwendig seien klare Rahmenbedingungen und Spielregeln vor Ort, aber auch ein langer Atem: „Wer auf Kooperationen und Netzwerke setzt, darf nicht auf schnelle Erfolge hoffen!“

Die Zusammenfassung der Diskussion zum Herunterladen:

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