Eine gelungene Verbindung - Das Elterntelefon der "Nummer gegen Kummer" in den Frühen Hilfen. Ein Angebot für schwer erreichbare Zielgruppen

Wie erfahren junge Eltern von den Angeboten Früher Hilfen in den Kommunen? Wie lassen sich Schwangere und Eltern in schwierigen Lebenslagen ansprechen, ohne sie zu stigmatisieren? Das sind zentrale Fragen, die die Akteure der Frühen Hilfen beschäftigen.

Das Elterntelefon des Vereins "Nummer gegen Kummer" bietet eine Antwort: Es ist leicht erreichbar, kostenlos und vertraulich und damit gerade für belastete Eltern ein gutes Angebot. Das ist das Ergebnis eines Modellprojekts des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) in Osnabrück, in dem das Elterntelefon im Netzwerk Frühe Hilfen verankert wurde. Bestätigt wird dies durch Erfahrungen weiterer Kommunen, in denen das Elterntelefon seit November 2015 mit den Netzwerken Frühe Hilfen zusammenarbeitet.

Das Elterntelefon bietet allen Eltern bei Bedarf Beratung und Hilfe – anonym und kostenlos. Seit mehr als zehn Jahren ist es bundesweit unter der Nummer 0800 - 111 0 550 erreichbar. Die rund 500 ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater sind im wertschätzenden, vertrauensvollen Umgang mit Eltern geschult und erfahren. Inzwischen informieren sie Ratsuchende auf Wunsch auch über Angebote der Frühen Hilfen. Damit bietet das Elterntelefon einen besonders niedrigschwelligen Zugang zu den Frühen Hilfen.

Im Rahmen des Modellprojekts in Osnabrück sagten Eltern, dass sie die telefonische Beratung nutzen oder anderen Eltern empfehlen würden "... wenn man niemanden hat und auch keine Beratungsstelle vor Ort kennt", "... wenn man schon ziemlich fertig ist, ... um mal ein Ohr zu haben ...". (Diese und weitere Zitate sind der Befragung von Eltern und Akteuren in Osnabrück entnommen.)

Die Werbematerialien wie Plakate, Abreißzettel und Infokarten, die das NZFH zur Verfügung gestellt hat, wurden von Eltern durchweg positiv wahrgenommen. Zahlreiche Kooperationspartner wie Arztpraxen und Kitas hatten die Materialien in ihren Räumen aufgehängt und verteilt.

Die Eltern bewerteten die Motive und Inhalte als "besonders auffällig" und zutreffend. Insbesondere schätzten sie die Anonymität des telefonischen Beratungsangebots: Das "[macht] Mut, sich Hilfe zu holen.". "... zeigt, dass man nicht alleine mit Problemen dasteht.!, "Das ist genau das, was man denkt.", "Find ich toll. Nur die Plakate fand ich schon beruhigend."

Im Modellprojekt wurden auch die Fachkräfte des Netzwerks Frühe Hilfenzur Vernetzung mit dem Elterntelefon befragt. Auch diese Resonanz war positiv: "Die Frühen Hilfen bekommen ein Gesicht." Und: Die Zusammenarbeit habe insbesondere das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Netzwerks Frühe Hilfen gestärkt. Die ersten Ergebnisse aus elf Kommunen der Erprobungsphase sind vielversprechend. Die Erfahrungsberichte zeigen:

  • Die am schwierigsten erreichbare Zielgruppe, besonders belastete Eltern, wird durch das anonyme, kostenfreie und niedrigschwellige Elterntelefon tatsächlich erreicht.
  • Jugendämter und Kommunen können mit der Einführung des Projekts einen positiven Imagegewinn erzielen.

Für die Netzwerke Frühe Hilfen liefert das Elterntelefon der "Nummer gegen Kummer" neue Impulse. Die Angebote Früher Hilfen werden durch die Kooperation mit neuen Partnern in der Kommune beworben und besser bekannt gemacht. Vor allem aber ergeben sich neue Kontaktmöglichkeiten zu Eltern, die bislang eher schwer erreichbar waren.


Doris BödigeDoris Bödige, Koordination,
Leitung und Beratung Kinder-,
Jugend-, Elterntelefon,
Deutscher Kinderschutzbund
Osnabrück e.V.

Wir hören zu

"Das Elterntelefon ist ein anonymes und kostenloses Angebot, dazu noch leicht erreichbar. Die Eltern können sich mit schwierigen, aber auch alltäglichen Fragen an uns wenden. Wir hören erst einmal zu und können dann gemeinsam mit den Anrufern überlegen, welches Angebot der Frühen Hilfen passen könnte. Das ist ganz individuell: Wenn sich z. B. eine Anruferin sehr alleine mit ihrem Baby fühlt, dann können wir ihr ein Elterncafé empfehlen, um in Kontakt mit anderen Müttern zu kommen. „NORMAL, DASS WIR SO GESTRESST SIND?“ „NORMAL, DASS ICH SO NERVÖS BIN?“

Bei größeren Problemen ist es uns möglich, eine Beratungsstelle zu nennen, und vor allem machen wir Mut, sich dort zu melden. Durch die Vernetzung der Frühen Hilfen mit dem Elterntelefon können wir die Anruferinnen und Anrufer auch direkt zu einem der vielen Hilfeangebote in ihrem Ort vermitteln. Ich denke, dass wir durch dieses tolle Projekt wirklich passend und effektiv helfen können."


Der Informationsdienst Bundesinitiative Frühe Hilfen aktuell informiert über Entwicklungen im Bereich der Frühen Hilfen. Jede Ausgabe enthält ein Interview mit Expertinnen oder Experten der Frühen Hilfen aus Praxis, Wissenschaft oder Politik. Die Rubriken „Impulse“ und „Info kompakt“ bieten ganz konkrete Unterstützung für die Akteurinnen und Akteure der Frühen Hilfen u.a. mit Hinweisen auf Austauschmöglichkeiten, gelungene Praxisbeispiele, Neuerscheinungen und Termine.

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