Versorgungsforschung

Welchen Unterstützungsbedarf haben Eltern kleiner Kinder?

Abbildung Cover Fragebogen Versorgungsforschung KID 0-3

Um diese Frage zu beantworten, wurden Eltern von Säuglingen und Kleinkindern in ganz Deutschland zu ihrer Lebenssituation, ihren Ressourcen, Belastungen und ihrem Unterstützungsbedarf befragt. Denn nur wenn Mütter und Väter selbst zur Sprache kommen, können Unterstützungsangebote zielgerichtet ausgebaut und auf die tatsächlichen Bedarfe von Eltern und Kindern zugeschnitten werden.

Als Teil der Bundesinitiative Frühe Hilfen wurden ab 2015 erstmalig für Deutschland repräsentative Daten von insgesamt 8.063 Familien mit Kindern im Alter von 0-3 Jahren erhoben.

Wie motiviert man Eltern zur Teilnahme an der Studie?

Um ein realistisches Bild der Lebenswirklichkeiten von Familien mit jungen Kindern in Deutschland zu erhalten, war es notwendig, dass Eltern mit ganz unterschiedlichen Hintergründen (z.B. mit unterschiedlichen Bildungsniveaus, Zusammenlebende und Alleinerziehende, Eltern mit und ohne Migrationshintergrund) an der Studie teilnehmen.

Auf welche Art und Weise man möglichst hohe Teilnahmeraten erzielt und eine möglichst bunte Mischung von Eltern ansprechen kann, wurde ab 2013 in drei Pilotstudien mit alternativen Forschungszugängen zu den Familien erprobt.

Pilotstudie Stadt I: Zugang über das Einwohnermeldeamt

Zahlreiche nationale und internationale Studien, die herausfinden wollen, wie häufig Belastungen und Ressourcen in der Bevölkerung vorkommen, wählen den Zugang über Einwohnermelderegister. Dieses Vorgehen wurde zwischen Oktober 2013 und April 2014 in Pilotstudie I untersucht. Dazu wurden alle Erziehungsberechtigten von Kindern im Alter zwischen 1 und 36 Monaten, die beim Einwohnermeldeamt der Stadt gemeldet waren, durch ein unabhängiges Befragungsinstitut kontaktiert. Nach der schriftlichen Vorabinformation über die Studie (Anschreiben) wurde die Befragung eines Elternteils am Telefon durchgeführt. Alternativ dazu lag ein Fragebogen, entweder als Papierversion oder im Internet, vor (Fragebogen). Anschließend wurden alle Angaben in anonymisierter Form, d.h. ohne Namen und Adressen, gesammelt und in der Gesamtgruppe aller teilnehmenden Familien für das NZFH ausgewertet.

Pilotstudie Stadt II: Zugang über niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte

Kinderärztinnen und -ärzte sind für viele Eltern wichtige Ansprechpartner. Fast alle Familien mit jungen Kindern nutzen die Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) in den pädiatrischen Praxen. Aus diesem Grund wurde in dieser Pilotstudie im Winter 2013 der forschungsmethodische Zugang zu den Eltern über niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte erprobt. Über 20 Praxen nahmen teil.
Alle Eltern, die mit ihren Kindern zu einer U-Untersuchung (U3, U5, U6, U7 und U7a) kamen, wurden über die Studie und ihre anonyme Teilnahmemöglichkeit informiert (Elterninformation)). Eltern, die an der Studie teilnehmen wollten, füllten in der Praxis einen Fragebogen aus (Elternfragebogen).
Mit Eltern von Kindern im ersten Lebensjahr führten die Ärztin / der Arzt außerdem ein vertiefendes Gespräch zur Situation der Familie. Ergebnisse dieses Gespräches wurden von den Ärztinnen und Ärzten auf einem kurzen Einschätzungsbogen festgehalten.
Ergebnisse der anonymen Fragebogenerhebung und der ärztlichen Einschätzung wurden im Auftrag des NZFH ausgewertet.

Pilotstudie KiföG: Zusatzerhebung im Rahmen einer nationalen Elternbefragung

Im Zusammenhang mit der Einführung des Kinderförderungsgesetzes (KiföG) wurden seit 2012 in regelmäßigen Abständen Eltern von Kindern im Alter von 0-3 Jahren durch das Deutsche Jugendinstitut in München befragt. Das Ziel der Befragung war die Erfassung der Betreuungssituationen in den einzelnen Bundesländern, also z.B. wie viele Kinder in Kitas oder zu Hause von ihren Eltern betreut werden.

Ende 2012 beteiligte sich das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) an dieser Befragung mit einem eigenen Fragebogenteil. Damit wurde zum ersten Mal ein inhaltlich noch eingeschränkter Fragebogen zu Belastungen und Ressourcen an einer bundesweit zufällig und repräsentativ ausgewählten Elternstichprobe getestet.

Repräsentative Hauptstudie

Auf Grundlage der Erkenntnisse zur Teilnahmebereitschaft und Aufrichtigkeit der Antworten, die aus den Pilotstudien gewonnen wurden, wurde 2015 die bundesweit repräsentative Hauptstudie mit dem Zugang über niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte (ursprüngliches Pilotdesign aus Duisburg) durchgeführt. Die Auswertung soll Ende 2016 vorliegen.

Vertiefende Längsschnittstudie

Zusätzlich wurden zwischen Juli 2014 und Dezember 2015 bei einer Teilstichprobe (N = 198) intensive Befragungen, Entwicklungstests und Videoaufnahmen der Kinder durch zwei Hausbesuche bei den Familien im Abstand von ca. sieben Monaten durchgeführt. Ziel ist es, vertiefte Erkenntnisse über Zusammenhänge von Belastungsgrad der Familie, Elternverhalten und der Entwicklung der Kinder zu erlangen. Dazu wird gezielt die Lebenssituation von Kindern und Eltern mit unterschiedlichen Belastungskonstellationen verglichen. Die Auswertung soll ebenfalls Ende 2016 vorliegen.

Publikationen

Hrsg.: Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) und Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI) und TU Dortmund, Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik AKJSTAT, Köln, 2015
Hrsg.: Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutschland, Köln, 2013

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