Gelungener Auftakt zur Bundesinitiative Frühe Hilfen

BZgA, Fotograf: André Wagenzik

Vor rund 250 Vertreterinnen und Vertretern aus Bund, Ländern und Kommunen startete Familienministerin Dr. Kristina Schröder am 5. November 2012 in Berlin die Bundesinitiative Frühe Hilfen. Sie soll Erkenntnisse bringen, was Familien in belasteten Lebenslagen wirklich hilft. Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) hatte die Auftaktveranstaltung durchgeführt und inhaltlich gestaltet. Die Veranstaltung bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, in verschiedenen Austauschprozessen ihre Erfahrungen, Erwartungen und Anforderungen an die Bundesinitiative einzubringen.

„Alle Kinder sollen von Anfang an faire Chancen für eine gesunde Entwicklung bekommen. Daher müssen wir Eltern und ihren kleinen Kindern rechtzeitig helfen, wenn sie Unterstützung benötigen“, sagte Familienministerin Kristina Schröder. „Unser Ziel ist deshalb, dass wir die schon vorhandenen Frühen Hilfen weiter etablieren und ausbauen. Mit der Bundesinitiative schaffen wir jetzt die strukturellen Voraussetzungen dafür, dass die Unterstützungsangebote bald flächendeckend in allen Kommunen vorhanden sind.“ Insgesamt 177 Millionen Euro stellt das BMFSFJ dafür bis Ende 2015 zur Verfügung. Danach wird die Finanzierung durch einen dauerhaften Fonds sichergestellt. Die Bundesinitiative ist Bestandteil des neuen Bundeskinderschutzgesetztes, das Anfang 2012 in Kraft getreten ist.

„Unser Anliegen mit der Bundesinitiative ist es, die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Frühen Hilfen hin zu einer vergleichbaren Angebotsstruktur in den Ländern zu entwickeln“, erläuterte Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in seiner Begrüßung und ergänzte: „Wir wollen Netze für Familien bauen, die den Kindern helfen und von vielen Akteuren gehalten werden“.

Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betonte: „Belastete Familien müssen frühzeitig von den Angeboten erreicht werden, damit so viel wie möglich präventiv – also vorbeugend – getan werden kann. Wichtig ist es, Ärztinnen und Ärzte in die Netzwerke einzubinden. Denn sie erkennen oft sehr früh, welche Familien Unterstützung brauchen, und können über die Netzwerke eine Verbindung zu passgenauen Angeboten wie beispielsweise zu Familienhebammen herstellen. Wir wollen unsere Fachkompetenz einbringen und die Bundesinitiative auf allen Ebenen unterstützen“.

Wissenschaft, Fachpraxis und Politik wollen in den nächsten Jahren gemeinsam daran arbeiten, die Ziele zu erreichen. Dies verdeutlichte ein Podiumsgespräch: „Zurzeit wissen wir noch nicht einmal, wie viele Familien tatsächlich Unterstützungsbedarf haben. Außerdem müssen wir erforschen, was wie wirkt“, erläuterte Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin im Deutschen Jugendinstitut (DJI). Sowohl BZgA als auch DJI sind Träger des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen, das die Aufgabe hat, die Bundesinitiative Frühe Hilfen auf Bundesebene zu koordinieren und mit wissenschaftlicher Forschung zu begleiten.

Nach intensiven Verhandlungen haben Bund und Länder die Fördergegenstände festgelegt. Den weitaus größten Anteil des Geldes werden die Kommunen für den Ausbau der Netzwerke Frühe Hilfen, für den Einsatz von Familienhebammen und die Einbeziehung ehrenamtlicher Strukturen erhalten. Die Einzelheiten sind in einer Verwaltungsvereinbarung festgelegt. Darin steht unter anderem, dass jedes Bundesland nach Vorlage eines Förderkonzepts Mittel erhält, die es dann an die Kommunen weiterreichen kann. Die Kommunen wiederum unterbreiten dem Land ebenfalls ein Konzept, für welche der oben genannten Maßnahmen der Frühen Hilfen sie das Geld einsetzen werden.

„Wir sind sehr dankbar, dass es die Bundesinitiative gibt“, erklärte Jörg Freese vom Deutschen Landkreistag. Und Christine Clauß, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz betonte: „Ich bin überzeugt, dass die Bundesinitiative ein Erfolg wird, weil die Erfahrungen der Länder und Kommunen in die nun vorliegenden Förderkonzepte eingeflossen sind. Die Bundesinitiative knüpft nahtlos an die Strukturen eines jeden Landes an“. Auch Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammen-Verbandes, begrüßte die Bundesinitiative und dass die Hebammen darin so eine gewichtige Rolle erhalten, aber dennoch gab sie auch zu bedenken: "Es darf nicht passieren, dass Familien, die Hilfen erhalten, stigmatisiert werden“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Auftaktveranstaltung machten ihr hohes Interesse deutlich, die Bundesinitiative Frühe Hilfen konstruktiv zu gestalten. In zahlreichen Kleingruppen diskutierten sie, was ihnen auf der Seele liegt. Moderator Axel Jürgens verstand es hervorragend viel Gelegenheit zu bieten, Fragen, Wünsche und Befürchtungen zu formulieren: „Wir finden es gut, dass die Frühen Hilfen die Annerkennung bekommen, aber wir befürchten, dass der Erwartungsdruck zu hoch ist.“. Vor allem Familienhebammen brennen Fragen auf der Seele, wie sie in das System der Frühen Hilfen integriert werden. Um ihren guten Zugang zu den Familien nicht zu gefährden, ist es ihnen wichtig, dass der Vertrauensschutz zu den Familien im Rahmen ihrer Arbeit gewahrt bleibt und sie nicht mit einem Kontrollauftrag in der Familie seitens der Jugendämter eingesetzt werden.

Auf über 50 Tafeln standen am Ende des Tages, die Ergebnisse des intensiven Austauschs. „Ihre Beiträge sind ein Geschenk!“ bedankte sich Mechthild Paul die Leiterin des Nationalen Zentrum Frühe Hilfe. Die Auswertung erfolgt jetzt durch das NZFH. Doch der am 5. November in Berlin begonnene Austauschprozess kann online weitergehen. Das NZFH hat dafür gemeinsam mit dem Kooperationsverbund „Gesundheitliche Chancengleichheit“ eine Online-Plattform gestartet:

Kommunale Austauschplattform

In Anlehnung an die Grundsätze der Verwaltungsvereinbarung zur Bundesinitiative Frühe Hilfen legt jedes Bundesland eigene Fördergrundsätze für die Umsetzung auf der kommunalen Ebene fest.

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